Zwei Tage lang schaue ich mir Marrakesch an. Erstmal suche ich mir ein Riad, ein zum Hotel umgebautes traditionelles Stadthaus mitten im Gewirr der engen Innenstadt-Gassen. Ich finde ein schönes Zimmer im Riad Yasmin, mit einer feudalen Badezimmer-Schwingtür, einer fantastischen Dachterrasse und dem üblichen marokkanischen Chaos: Der Besitzer hat gewechselt, der neue lässt sich nicht blicken, einige Zimmer sind halb umgebaut, aber es hat ja keine Eile, die Bauarbeiter wohnen solange in den anderen Zimmern. Die Atmosphäre ist gemütlich, wir sitzen morgens zusammen beim Frühstück und wir reden darüber, wie korrekt und pünktlich in Deutschland gebaut wird, denn davon sind alle hellauf begeistert. Dann wird erstmal noch ein Tee aufgesetzt.

marra
Ein typischer Soukladen, natürlich für Touristen, aber wunderschön. Hier kaufe ich meine Souvenirs. Obwohl ich zäh gehandelt habe und der Verkäufer am Ende verzweifelt mit den Händen rang, hat er mich gut übers Ohr gehauen, wie mir am nächsten Tag klar wurde.

Zentrale Anlauf- und Orientierungsstelle in Marrakesch ist der berühmte Platz der Gehenkten, der Djemaa el-Fna. Busladungen voller Touristen verlaufen sich in noch größeren Mengen von Einheimischen und Wahl-Marrakschis aus aller Welt. Hier lässt sich bequem ein ganzer Tag verbringen. Morgens vor Arbeitsbeginn werden Geschichten von ganz erstaunlichen Wunderheilungen und Zähmungen wilder und gefährlicher Tiere erzählt. In einer Stadt, in der die meisten von einem Fernseher nur träumen können, ist das noch echte Unterhaltung. Mittags werden Schönheitsmittel, bemalte Straußeneier und frisch gepresster Orangensaft verkauft, nachmittags treten Gaukler und Musiker auf. Wasserverkäufer suchen in ihren auffälligen roten Gewändern und den golden schimmernden Trinkgefäßen nach Touristen. Schon längst leben sie nicht mehr vom Wasserverkauf, sondern lassen sich pro Foto gut bezahlen.

Abends werden dann Fressstände aufgebaut. Ich probiere Auberginenmus, Dorade, Tomatensalat und Gemüsetajine. Den gesottenen Schweinekopf, die frischen Innereien und die geringelten Suppenschnecken hebe ich mir für mutigere Tage auf. Alle sind so freundlich, und satt und zufrieden gehe ich in mein Riad.


marrakesch
Harmloses Entertainment: wer es schafft, den Gummiring an Ende der Angel über einen Flaschenhals zu bekommen, gewinnt die Flasche und lautes Beifallsgemurmel. Alle Stunde macht der Chef (in der Mitte des Bildes) das Kunststück vor.

marrakesch

Nach zwei Tagen Enge, Trubel und Menschenmassen war dieses Schild ein Zeichen: Wir müssen wieder in den Sand.