Heute geh ich shoppen. Nachdem die sehnsüchtig erwartete Küste sich als ein solcher Dreckflopp erwiesen hat, will ich wenigstens meine materiellen Gelüste nach orientalischem Schnickschnack befriedigen. Essaouira bietet sich an, denn es ist groß genug für eine ordentliche Auswahl, aber auch keine Großstadt wie Casablanca oder Rabat.

Ich beginne mit einem Frühstück in einem kleinen Gassenlokal und lasse erstmal die örtliche Bagage an mir vorbei ziehen. Schnell ist klar: die schönen Marokkanerinnen sollten ihre Schleier besser den dicken weißen Engländern geben, die einem in kurzen Shorts und Spaghetti-Tops den Appetit verderben.

Die anschließenden 5 Stunden verbringe ich mit Preise erfragen, vergleichen, verhandeln, Tee trinken. Ein schöner Souk. Es gibt die Fleischstraße, deren Läden leckere Ziegen- und Schafsköpfe als Qualitäts-Aushängeschild auf der Straße positionieren. In der Schmuckstraße glänzt goldener Hochzeitsschmuck mit berberischen Glücksbringern aus Silber um die Wette. In der Holzgasse polieren die Schreiner die duftenden Zitronenholzschachteln auf Hochglanz. In der Gemüsegasse schreien die Gemüsehändler so, wie Gemüsehändler anscheinend weltweit schreien müssen. Gewürzplätze gibt es zwei: einen für Einheimische, der auch Naturmedizin bietet und einen für Touristen, ungleich bunter und teurer. Ach ja, und natürlich mehrere Teppichecken und Keramikhäuser.

Shoppen in Essaouira Shoppen in Essaouira

Die Verhandlungsspannen liegen so bei 400 Prozent. Alle rhetorischen Waffen sind erlaubt. Mein Gegenüber erwähnt seine große, hungernde Familie in den Bergen, die ohne Strom, also im Dunkeln und per Hand mühsam diese wertvollen Andenken herstellen. Ich erwähne, dass das Objekt ein Geschenk für eine schwangere Freundin sei (Schwangere sind hier fast heilig und es ist nicht zu empfehlen, mit dickem Bauch nach Marokko zu fahren, es sei denn, frau bekommt gerne ständig den Bauch von fremden Frauen geküsst). Jetzt ist erst mal wieder Tee fällig, nach solchen Eröffnungen. Nächste Runde, der Preis ist schon um die Hälfte gesunken. Im Nachbargeschäft liege der Preis niedriger, wage ich einzuwenden. Was, ruft der Verkäufer ungläubig, rennt in den betreffenden Laden, kehrt mit dem Objekt zurück und haut darauf herum, bis Dellen entstehen. Mindere Qualität, ruft der Verkäufer begeistert, da wäre der Preis natürlich günstiger. Jetzt muss ich schon lachen und habe natürlich verloren, das Schlitzohr weiß das genau. Der Preis bleibt, ich bezahle am Ende, wahrscheinlich zu viel, aber egal, der Unterhaltungswert zählt auch.