Hafen Wadi Halfa

Nach einer Nacht voller Stechmücken und Gedanken an Rififi und MAT starten wir in Assuan zur Personenfähre. Wir sind früh da, denn wir werden an Deck schlafen und es wird voll werden. Die Ausreise für uns Europäer ist unkompliziert, es gibt zwar jede Menge Stempel und wirklich unsinnigen Papierkram (z.B. wird ein Essen-Gutschein gegen einen gleichwertigen Gutschein eingetauscht, das zuvor gekaufte Ticket wird am nächsten Schalter weggeworfen etc.), aber die Menschen sind freundlich, und wir sind nach wenigen Minuten auf dem Schiff.

Nach uns kommen die Fahhradfahrer der Tour d´Afrique, 50 von ihnen schlafen in Kabinen und 25 mit uns auf dem Deck. Die Fahrräder werden an der Reling angeschlossen, das bringt die ankommenden sudanesischen Händler in Bedrängnis, die dort normalerweise ihre Kartons mit Fernsehern, Damenwäsche und Haushaltsgeräten stapeln. Also nutzen sie ihre Ware kurzerhand dazu, eine Moschee mitten auf dem Deck zu bauen, direkt vor unserer Schlafstelle. So haben wir angenehme Nachbarn, die sich mehrmals am Tag nach Osten verneigen, umgeben von Gebrauchswaren Made in China.

Faehre wadi halfa assuan
Auf Deck - vorher
Faehre wadi halfa assuan
Auf Deck - nachher

Die Nacht ist lang und kühl, die Stimmung gut, und im Morgengrauen erreichen wir Abu Simbel. Alle Passagiere zücken ihre Handies, Europäer wie Sudanesen, um den Augenblick fotografisch festzuhalten. Mittags überholen wir den Ponton und winken unserem Katzmaten zu, eine Stunde später sind wir in Wadi Halfa, Sudan. Die Organisatoren der Fahrradtour bestehen darauf, dass ihre 75 Pässe bevorzugt behandelt werden, also müssen wir sechs anderen Europäer zwei Stunden warten. Die Truckfahrer der Fahrradtour parken ihre LKWs im Hafen genau vor den unseren, obwohl daneben noch Platz gewesen wäre und versperren uns damit (bewusst) den Ausgang. Da fragt man sich doch: Ignoranz oder Boshaftigkeit? Wir beschließen, diese Idioten zu ignorieren und uns auf das zu freuen, was vor uns liegt: wir sind im Sudan!

Hafen Wadi Halfa
Das ist der Hafen von Wadi Halfa: ein Felsen und viel Natur...

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Tipps und Infos
Die besten Plätze sind unter den Rettungsbooten, das hat man uns eingebläut, aber Bodo findet noch einen windgeschützten Platz mitten auf dem Deck vor einer abgeschlossenen Tür. Tagsüber ist es sehr heiß, es empfiehlt sich die Mitnahme einer Plane und Gurten, um sich einen Sonnenschutz zu bauen. Unter den Rettungsbooten erübrigt sich das natürlich. Nachts kann es kalt und windig werden, daher braucht man auch warme Klamotten und Schlafsäcke. Eine Leselampe, Trinkwasser und Knabbergebäck vervollständigen das Gepäck.

Mit dem Essensgutschein kann man sich nachmittags oder abends eine Mahlzeit in der Bordküche holen. Bei uns gab es Hähnchen, Gemüse und Reise und es war - entgegen zahlreicher Warnungen im Internet - sehr lecker. Softgetränke kosten 2 Pfund, ansonsten gibt es nichts zu kaufen. Morgens kann man frühstücken, und Kaffee und Tee ist umsonst.

Die Damen-Toiletten waren bis zum Schluss gut benutzbar, die Herrentoilette hatte wohl ein Wasserproblem.

Wir waren um 9 Uhr auf dem Boot und blieben mit ein paar anderen Travellern bis Mittags allein. Dann allerdings wurde es sehr voll, da viele sudanesische Händler ihre Waren mitbrachten und stapelten. Die Stimmung war von Anfang an gut, wurde aber am Morgen nach durchstandener kühler Nacht sehr herzlich.

Abends muss man seinen Pass beim Käptain abgeben. Man bekommt den Pass dann morgens kurz vor Ankunft im Restaurant wieder. Ebenfalls abends findet die medizinische Untersuchung statt: ein Funkthermometer wird ins Ohr gesteckt. Wir haben uns köstlich amüsiert.