Reiseberichte

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Category: Sambia
Posted by: sabine
Afrikamuede
Mit viel Liebe werden hier von Hand Möbel hergestellt. Die fertigen Möbel stehen dann in Sonne, Wind und Regen, bis sie jemand kauft. Oder auch nicht.

Ich bin ein bisschen Afrika-Müde. Mich nerven Apathie und Ignoranz vieler Ostafrikaner gegenüber den Dingen, die sie tun und auch gegenüber ihren Mitmenschen. Auf kaputte Motoren wird mit dem Hammer eingeschlagen, bis sie entweder funktionieren oder ganz hinüber sind. Dorfplätze füllen sich mit Plastikmüll, während ihre Bewohner in der Sonne dösen und ihre Kinder im Abwasserkanal spielen. Tankstellenwärter winken uns an Zapfsäulen, die nicht funktionieren. Es gibt keine Briefkästen und die Post hat nur stundenweise geöffnet - wann, weiß keiner so genau, denn die Uhr auf dem Vorplatz geht schon lange nicht mehr.

Afrikaner schaffen es sogar, einen mehrspurigen Kreisverkehr lahmzulegen, da niemand wartet oder ausweicht. Man braucht 10 Minuten, um eine große Straße zu überqueren und dann noch mal 10 Minuten, um eine Lücke zum Losfahren zu finden. Supermarkt-Besucher stellen ihre Wagen prinzipiell quer zum Gang, um dann irgendwohin zu verschwinden. Für jeden Kunden vor mir an der Supermarktkasse kann ich 15 Minuten rechnen, denn die Kassierer zeigen mit abwesendem Blick und Bewegungen in Zeitlupe, dass sie eigentlich gar nicht hier sind.

Es macht keinen Sinn, Polizisten nach dem Weg zum Amt zu fragen oder eine Versicherungs-Rezeptionistin nach dem richtigen Büro. Ein Eierverkäufer weiß nicht, dass sein Nachbar Brot verkauft und umgekehrt. Frage ich einen Tomatenverkäufer nach dem Preis für seine Tomaten, schaut er mich an, überlegt länger und nennt dann eine Summe. Ich kann mir aussuchen, ob er diese Frage für unanständig hält oder wirklich überlegt, was er einer Weißen für einen Preis berechnen kann.

Afrikamuede
Diese Teerstraße wurde einfach auf den sandigen Untergrund "gelegt"

Ich bin es manchmal so satt, dass nichts einfach funktioniert. Ich weiß, ich bin ungerecht und mir ist klar, dass das Problem auf meiner Seite liegt. Ostafrika ist das Land der Ostafrikaner und ich mit meiner deutschen Brille urteile nach Maßstäben, die hier nicht gelten. Das wirkliche Anderssein einer fremden Kultur ist nicht das unterschiedliche Essen, andere Tiere, Bäume oder Häuserformen. Es ist das, was die Menschen für so normal halten, dass sie sich nicht vorstellen können, dass es irgendwo auf der Welt anders sein könnte. Und das gilt auch für mich, sonst wäre ich nicht so frustriert und persönlich betroffen, wenn die Menschen um mich herum die Dinge so tun, wie sie es für richtig halten.

Was ist also normal? In meiner Welt kann man Fragen stellen und bekommt Antworten. Sind Dinge geklärt, ist Schluss. Diese Waren kann man für folgenden Preis kaufen. Diesen Service können Sie von mir haben. Die Versicherung bietet folgende Leistungen. Bohrt man weiter, stößt man auf Unverständnis, werden freundliche Menschen genervt: nein, so geht das nicht, das bieten wir nicht an, lesen Sie die Beschreibung!

In Afrika ist es genau umgekehrt: in ersten Schritt scheint nichts zu gehen, aber je länger man redet, desto mehr Möglichkeiten bieten sich. Ein Angestellter kann uns zwar die Versicherungskarte nicht verkaufen, geht aber mit uns auf die Straße, um uns ein anderes Büro zu zeigen und gibt uns seine Privatnummer, sollten wir dort nicht weiter kommen. Eine Tomatenverkäuferin verhandelt hart um den Preis, fast streiten wir, dann kaufe ich die Tomaten und sie schenkt mir noch ein paar Tomaten dazu, lacht und wünscht mir eine gute Reise. Bodo möchte Schmierfett kaufen, niemand in dem Laden hat Lust, jetzt zu arbeiten. Schließlich spricht ein Wachmann ein Machtwort, ein Verkäufer steht auf und sucht das Gewünschte zusammen, lachend und kein bisschen ungehalten über den Anschiss.

Bei uns muss man sich beweisen und funktionieren, dann ist man sicher. Die Bösen werden bestraft, gute Taten belohnt, sagen die Märchen. Du kannst alles schaffen, wenn Du nur willst, sagt das Kino. Regeln gelten für alle, zumindest theoretisch. In Afrika geht es um das bestmögliche Überleben. Nimm Dir, wenn es möglich ist, ansonsten geht es auch irgendwie weiter. Sicherheit gibt es nicht. Natürlich gelten Regeln nicht für alle. Böse Taten werden selten bestraft. Sei trotzdem gut, wenn es geht.

Afrikamuede
Liebevoll gestaltete Werbung für einen Shop, der gar nicht existiert.

Ein Freund bescheißt Dich, weil er in Not ist. In Deutschland ein Grund, die Freundschaft zu kündigen, denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.... Und es zeigt nur, dass der Freund kein Vertrauen hat, sonst hätte er einfach um Hilfe bitten können. Die selbe Situation: In Afrika vielleicht ein Streit, vielleicht aber auch nur ein Schulterzucken. Der Freund war in Not, oder nicht? Kann jedem mal passieren. Vic Guhr ist in seinem Buch "The Trouble With Africa" der Meinung, wir hätten das Einfache verlernt, das Leben, wie es ist. Ein interessanter Ansatz, über den ich noch nachdenke, während ich das Schulterzucken übe.
Category: Sambia
Posted by: sabine
Sambia Border

Grenzübergang Malawi - Sambia. Es ist schon Routine: die restliche Währung auf dem Schwarzmarkt umtauschen, also 10 Minuten Feilschen mit dem Schwarzhändler einplanen. 10 Prozent mehr als der anfangs genannte Preis sind immer drin. Dann zur Immigration, Geld bezahlen und Stempel abholen und anschließend zu den Customs, das Auto-Carnet stempeln. Das ist alles so unproblematisch, dass es sich eher wie Eintritt bezahlen anfühlt und nicht wie ein offizielles Visa. Für 4 Wochen in Sambia sind 50 Dollar pro Person fällig (nur in Dollar bezahlbar) plus 200.000 sambische Kwacha Road Tax für das Auto (umgerechnet ca. 40 Dollar, aber nur in Kwacha bezahlbar, auch wenn diese Kasse direkt neben der anderen liegt).

Ich erwarte eigentlich wenig von Sambia. Ein Durchfahrts-Land mit der mir nun schon bekannten ostafrikanischer Kultur. Ruhig und langweilig, denke ich. Das Land mit der höchsten Entwicklungshilfe, von der auf den ersten Blick nur wenig zu sehen ist. Sogar die Edelstahl-Wasserpumpen, die in den malawischen Dörfern stehen, fehlen hier zwischen den strohgedeckten Lehmhütten.

Aber die Menschen sind freundlich, wirklich nett. Und man muss bedenken, dass es Sambia nicht leicht hat mit seinen 8 Nachbarn: da sind Mosambique und Angola, beide heute recht stabil, aber nach langen und fürchterlichem Bürgerkrieg. Zimbabwe ist wirtschaftlich ruiniert und stablisiert sich gerade wieder etwas. Die DRC (Democratic Republic of the Congo, ehemals Zaire) ist immer noch chaotisch. Nur mit Namibia, Botswana und Tansania kann überhaupt Handel getrieben werden, Malawi ist dazu viel zu arm.

Sambia Border

Touristen besuchen in Sambia nur den Nationalpark South Luangwa, sind davon aber sehr begeistert. Dann wird durchgefahren bis zu den Viktoriafällen, die sich Sambia mit Zimbabwe teilt.

Nach der Grenze halten wir im Zulu-Camp. Der Platz ist wunderschön gelegen, man hat eine fantastische Aussicht in eine weite Ebene. Als Dusche dient ein Rohr, das direkt aus der Wand ragt. Die Toilette ist ein Brett mit einem Loch, das zur Verschönerung mit Klebefolie verziert wurde. Überall liegt Bauschutt. Ein paar nackte Birnen beleuchten nachts die kahlen Mauern. Der sambische Verwalter ist schüchtern, freundlich und gibt sich Mühe, hat aber offensichtlich keine Ahnung, was Besucher aus Europa oder Südafrika erwarten. Wir schauen beide auf den Platz, ich sehe eine Schutthalde, viel Potential und Arbeit, aber was sieht er?

Morgen wollen wir die 500 Kilometer bis in die Hauptstadt Lusaka fahren, denn unsere Versicherung läuft aus und die können wir nur in Lusaka verlängern. Außerdem steht dort der erste Bankomat, der funktioniert.
Category: Malawi
Posted by: sabine
Lilongwe MArcel

Gestern sind wir in der Hauptstadt angekommen. Auf dem Mabuya-Camp treffen wir nach langer Zeit endlich wieder einen echten Overlander. Marcel kommt aus Rosenheim und bastelt seit 2 (!) Monaten hier in Lilongwe am Kurbelwellenlager seines Mercedes Oldtimer (eine Feuerwehr Baujahr 1955) herum. Eigentlich war die Reise bis Namibia geplant, aber die Reparatur hat zu lange gedauert. Seine Frau und die zwei Töchter sind schon wieder in Deutschland und Marcel arbeitet fieberhaft daran, sein Schmuckstück zum Laufen zu bringen.

Bei Bier und Chips reden wir abends über gemeinsame Bekannte: die Seabridge-Gruppe aus Tunesien mit Renate und Joachim, Kathy und Jonathan, Achim und Andrea und noch einige mehr. Wer eine Reise durch Afrika plant, dem können wir versichern: So allein ist man nicht, wie man denken könnte.

Heute morgen dann plötzlich Lärm, Dieselwolken, Blaulicht und Hurrah-Rufe: die Feuerwehr fährt wieder! Morgen fährt Marcel weiter und wir wohl übermorgen, Richtung Sambia.
Category: Malawi
Posted by: sabine
Rose Rumphi

Außerhalb der großen malawischen Städte Lilongwe und Blantyre gibt es zu kaufen: Bananen, Tomaten, Süßkartoffeln, Maniok, Spinat, Erdnüsse, Eier, Brot und Öl. Man verhungert nicht. Verhungern ist sowieso ein Afrika-Mythos, wenn man Reisender ist. Aber die Auswahl ist doch sehr eingeschränkt und nach einer Woche haben wir alles aufgegessen, was noch an Konserven, Marmelade, Honig und Keksen im MAT zu finden war. So tief unter dem Bett haben nicht mehr nach Lebensmitteln gegraben, seit wir den MAT 2005 ausgebaut haben.

Lilongwe ist zu weit für heute, wir fahren nach Rumphi. Hier gibt es ein Metro, da finden wir zum gewohnten Angebot noch Seife, Shampoo und Tee. Hilfe! Wo ist das Fleisch, die Schokolade oder Käse? Auf dem Parkplatz spricht mich die 72-jährige Rose an. Sie erzählt von ihrer Familie, kaum einer ist mehr übrig. Sie wohnt in einem Zimmer direkt an der Straße und hat sogar ein T-Shirt von einer Hilfsorganisation bekommen. Das rückt unsere Welt zum Glück wieder ein wenig ins rechte Maß.

Rose freut sich über unseren Besuch und fragt, ob wir von außerhalb Malawis kommen. Sogar von außerhalb Afrikas, sage ich. Da schreibt sie mir ihre Adresse auf, sie würde gerne mal Post von so weit her bekommen. Wer ihr also schreiben möchte (in english):
Rose D. Musafuhrwa, Box 66, Rumphi, Malawi.

Rose Rumphi

Rose Rumphi
Category: Malawi
Posted by: sabine
Tauchen

Der Malawisee ist ein großer und tiefer Süßwassersee. Er ist 575 Kilometer lang und bis zu 85 Kilometer breit. Nach Westen hin kann man die Küsten von Tansania und Mosambique erkennen. Richtung Süden sieht man aber nur Wasser bis zum Horizont, ein Meer. Der Malawisee gilt als sauber und fischreich, natürlich und unberührt. Wir haben wunderschöne Bilder gesehen, auf denen Kajaks auf durchsichtigem türkisfarbenen Wasser zu schweben scheinen. Diese Bilder, das lernen wir nun, wurden im Sommer aufgenommen und jetzt ist Winter. Jede Nacht gibt es heftigen Wind, der erst mittags abflaut und hohe Wellen mit Schaumkämmen über den See schickt.

Und hier lerne ich also tauchen. Dafür muss ich mir zuerst ein Video anschauen, in denen fitness-gestählte Amerikaner mir enthusiastisch erklären, wie einfach Tauchen ist und wie viel Spaß das mit den Buddies macht. Ich will schon wieder aufgeben, aber dann wird es doch noch interessant. Weitere Videos reden von Auftrieb, Druckausgleich und Strömungsverhältnissen. Tauchlehrerin Elize erklärt mir die umfangreiche Ausrüstung und ich werde mit einem dicken Buch voller Erläuterungen nach Hause geschickt.

Nach zwei Tagen Büffeln schaffe ich den Test und darf, zum ersten Mal in voller Montur, ins kleine Tauchbecken. Tauchanzug, Maske, Schnorchel, Flossen, Luftzylinder, Gewichtsgürtel, Schwimmweste, überall Schläuche und Schlaufen, ich komme mir vor wie auf dem Weg in den Weltraum. Unter Wasser höre ich nur meinen Atem, das klingt wie Darth Vader. Die Sicht ist klar, aber eingeschränkt durch die Maske. In drei Pool-Sessions muss ich Schweben, Signale und Notsituationen üben: Maske voller Wasser, keine Luft mehr im Zylinder, Atemgerät verloren etc.

Tauchen

Dann endlich darf ich in den See. Mit dem Motorboot springen wir über die Wellen, drei gut gelaunte Mädels auf dem Weg in die Tiefsee. Über den Bootsrand lasse ich mich rückwärts ins Wasser fallen und plötzlich ist alles blau und voller Fische. Toll. Auf 12 Meter liegt ein Bootswrack und ein alter VW. Der Gründer der Tauchschule hat das alles vor 10 Jahren hier versenkt und jetzt bilden sich Korallen an der Windschutzscheibe und die bunten Fische fühlen sich pudelwohl. Eine Fischmutti nimmt erschrocken ihre 100 Babies ins Maul, als wir vorbeischwimmen. Einen kleinen Wels sehe ich noch, häßliches Viech, und ein paar weiße Krebse.

Drei Tauchgänge im See habe ich, alles viel zu kurz und zu schnell vorbei. Am Ende ging es richtig gut, das Tauchen und ich darf jetzt mit meinem neuen Schein weltweit tauchen gehen. Für Bodo ging die Zeit langsamer um, eine Woche musste er auf mich warten, der Arme. Morgen brechen wir wieder auf und schauen, was Neues passiert.

Tauchen
Category: Malawi
Posted by: sabine


Wo geht es heute hin? Sambia oder Malawi? Wir entschließen uns spontan, als wir an der Kreuzung stehen, setzen den Blinker und fahren nach links, Richtung Malawi.

malawi

Malawi ist klein, lang und schmal. Der Malawisee ist sehr wichtig für das Land, das sonst über keine nennenswerten Bodenschätze verfügt und von Fischerei und Tourismus lebt. Ohne Bodenschätze, hat in den letzten Jahrzehnten auch keine Industrienation versucht, Präsidenten zu bestechen, das Land auszubeuten oder einen Stellvertreterkrieg zu führen. So konnten sich die Hilfsorganisationen ungeniert austoben. Deutlich merkt man heute die übliche Trennung in reiche mildtätige Weiße mit Landcruisern und arme dankbare Schwarze mit Feldhacke, aber immerhin stehen auch überall propere Backsteinbauten und Wasserpumpen.



Der Reiseführer lobt die freundlichen Malawis und das gefahrlose Reisen im Land. Ich fand jetzt auch die anderen Länder nicht gerade gefährlich und die Ostafrikaner sind im allgemeinen sehr aufgeschlossen. Dafür stoßen wir auf eine im Reiseführer nicht erwähnte, für uns neue Spezies: Südafrikaner auf Campingurlaub. Nach tausenden Kilometern durch tiefstes Afrika stehen wir jetzt plötzlich vor Horden teurer Pickups mit Wohnanhängern, darin riesige Kühltruhen voller Koteletts, dutzende Grillsoßen, einige Kinder und Berge frischer Bügelwäsche. Natürlich, Malawi und Mosambique sind für einen Südafrikaner Naherholungsgebiete. Strände, gutes Klima und günstiges lokales Service-Personal, das den Campingplatz fegt und dann abends schön außerhalb des Camps in seiner Hütte verschwindet, das funktioniert gut für die Südafrikaner, die uns bis jetzt über den Weg gelaufen sind.



Ich möchte tauchen lernen. Wir versuchen es in Nkhata-Bay, einem Backpacker-Paradies, aber hier sind uns die Einheimischen zu bekifft. Wir finden das Kande Beach Ressort, ein weitläufiger Platz mit Restaurand, Bar, langem Sandstrand und einer guten Tauchschule. Zwei Tauchlehrerinnen aus Südafrika, Elize und Caren, sind nur für mich da. Wow. Der PADI Open Water ist mein Ziel und morgen gehts los...
Category: Tansania
Posted by: sabine
Was uns in Afrika immer wieder überrascht, sind nicht die Dinge, die passieren, sondern die Reaktionen der Afrikaner darauf. Wir Deutsche gehen davon aus, dass eine bestimmte Aktion prinzipiell immer und für alle die gleichen Folgen hat. Hier in Afrika dagegen ist so gut wie jede Reaktion möglich und fast alles verhandelbar.

Letzte Woche wurden wir auf der Landstraße mit 59 km/hm erwischt, 50 sind erlaubt. Ich musste reumütig zu einem Officer, der in seinem Polizeiauto die Finanzen verwaltete. 20.000 Tansanische Shilling (ca. 12 Euro) sollten wir bezahlen. "So viel!" reagiere ich entsetzt und das Spiel beginnt. Der Polizist weist mich auf die Schwere unseres Vergehens hin, ich heuchele Unwissen usw usw. Am Ende einigen wir uns auf 10.000 Shilling und sind beide zufrieden.

Weightbridge

Heute sind wir nun an einer Fahrzeugwaage (Weightbridge) vorbeigekommen. Interessiert uns nicht, dachten wir, ist nur für lokale Frachtunternehmen, die ihre LKW wiegen lassen möchten. Nach 10 Kilometern überholt uns ein schneller Pickup und bremst uns aus. Zwei Männer springen aus dem Auto und fragen uns aufgeregt, warum wir die Weightbridge umfahren haben. Da fällt uns eine Geschichte ein, die uns Achim erzählt hat. Wer eine Weightbrigde mit seinem LKW in Tansania umfährt, muss 2000 Dollar Strafe zahlen oder ins Gefängnis. Hm. Wir drehen also um und fahren zurück, eskortiert vom Pickup, damit wir ja nicht abhauen (Wohin? Hier ist nur Savanne). Im Büro des Managers erkläre ich, wir wären nur dumme Touristen, hätten ja keine Ahnung gehabt etc. Ich bekomme ein Blatt weißes Papier und einen Kugelschreiber und tatsächlich: mit einem Entschuldigungsbrief ist die Sache erledigt. Ich schreibe also: "Dear Mr. Manager of the weightbridge, we apologize (...) so sorry (...) will never do that again (...) next time we promise (...) Yours sincerely, Sabine Stoessel & Bodo Bastian from Germany". Dann lassen wir den MAT wiegen und hochoffiziell wird festgestellt, dass wir unter 16 Tonnen liegen. Darum ging es nämlich, sonst müssten wir extra Roadtax bezahlen. Wir schütteln nochmal Hände und fahren weiter.

An der nächsten Weightbridge stellen wir uns brav an und ernten fassungsloses Kopfschütteln der Beamten. Was wir hier wollen? Wir müssten uns doch nicht wiegen lassen, wir sind doch klar unter 16 Tonnen! Dann winken sie uns ungeduldig weiter. TIA - This is Africa.
Category: Tansania
Posted by: sabine
Old Farm House

Abends machen wir Station am Old Farmhouse in der Nähe von Iringa. Seit drei Generationen bewirtschaftet hier eine englische Familie eine große Farm. Die jetzige Besitzerin hat sich vor 20 Jahren bei Übernahme der Farm überlegt, was man neben dem Farmgeschäft noch tun könnte und dann einen Campingplatz angelegt.

Vom ersten Tag an wurde sie von den Besuchern unterstützt, erzählt sie uns. Das Campingareal ist riesig und hat viele kleine Wege und Parkplätze, die sich hinter Obstbäumen und im Gebüsch verstecken. Die Sanitäranlagen sind aus Backstein gebaut und werden mit Solarenergie beleuchtet. Nachmittags wird ein Feuer gemacht, um das Duschwasser zu erhitzen. Wunderschön ist das alles und sehr gepflegt.

Old Farm House

Wir kaufen Hackfleisch aus der Hausschlachtung, das Kilo für umgerechnet 3 Euro. Das Fleisch ist sehr mager, absolut frisch und riecht, wie Fleisch riechen sollte, in Deutschland aber schon lange nicht mehr tut. Nach der heißen Dusche gibt es heute Frikadellen - wir haben ein Luxusleben.

Old Farm House
Category: Tansania
Posted by: sabine
Baobab valley

Zwischen Iringa und Moshi führt die Hauptstraße durch ein Tal voller jahrhundertealter Baobab-Bäume. Eigentlich sind Baobabs Einzelgänger, die weit voneinander entfernt wachsen. Hier aber steht über Kilometer ein gespenstig silber schimmernder Baobab neben dem anderen. Es herrscht Windstille und drückende Hitze. Der trübe Ruaha->Fluß, der mitten durch das Tal fließt, wird nur von Krokodilen bewohnt, Menschensiedlungen gibt es keine.

Das "Baobab-Valley" wurde schon von den ersten europäischen Entdeckern in ihren Reisetagebüchern beschrieben. Aber bis heute weiß niemand, warum ausgerechnet hier so viele und so riesige Baobabs wachsen und die andere Vegetation verdrängen. Unheimlich.

Baobab valley
Category: Tansania
Posted by: sabine
Mikumi NP

Der relativ kleine Mikumi-Nationalpark liegt zwischen Daressalam und Iringa. Die Hauptstraße führt direkt durch den Nationalpark und wir haben Traveller getroffen, die einfach drei Tage lange auf dieser Straße hin und hergefahren sind, sich so die Eintrittsgebühren gespart haben und trotzdem jede Menge Tiere gesehen haben. Bei einem Eintrittspreis von 500 Dollar am Tag nur für den Truck finden wir diese Idee ganz charmant.

Die Landschaft ist wunderschön, der Blick geht weit ins Rift Valley hinein: eine große Ebene voller Steppengras und Akazien, Safari-Afrika aus dem Bilderbuch. Wir sehen einen Büffel, Thompson-Gazellen und jede Menge Affen. Mehr ist wohl nicht zu erwarten, denken wir uns, denn am Straßenrand wird das trockene Buschgras großflächig abgebrannt. Warum, ist uns schleierhaft. Es scheint auch keiner darauf zu achten, ob die Brände vielleicht außer Kontrolle geraten. Das wiederum ist typisch afrikanisch.

Mikumi NP

Den Elefanten ist so ein bisschen Buschbrand aber wohl egal, denn direkt vor unserer Nase überquert eine ganze Großfamilie die Straße. An der nächsten Kurve stopft sich eine weitere Gruppe büschelweise Gras ins Maul, direkt am Straßenrand. Wir halten an und zücken die Kamera. Die Elefanten kauen ungerührt weiter und drehen uns ihre wenig fotogenen Hintern zu. Hm.
Category: Tansania
Posted by: sabine
Sansibar

Sansibar ist inspirierend. Überall Motive sowie genügend Zeit und Raum, um alles selbst zu erkunden. Vor einigen Jahren hat ein Engländer wochenlang die Gassen mit dem Fahrrad abgefahren und eine erste Karte des Stone Town Labyrinths gemalt. Diese Karte ist ausverkauft, wir laufen also einfach so drauf los.

Sansibar

Wir verirren uns ständig, was ja egal ist, da wir kein Ziel haben. Wenn wir hungrig sind, essen wir Fish und Chips und als es Abend wird, finden wir ein schönes Zimmer im kleinen Hotel Coco de Mer.

Sansibar

Am nächsten Tag löscht eine unserer Kameras selbständig alle gemachten Fotos. Die Bilder sind noch in unseren Köpfen, aber leider nicht mehr auf der Speicherkarte. Was für ein Mist. Und wir müssen zurück, denn wir haben den Katzmaten im LKW im Sunrise Beach Ressort gelassen. Wir nehmen die Abendfähre, so schnell geht plötzlich alles. Für mich steht fest: Ich muss irgendwann nochmal zurück, zurück nach Sansibar

Sansibar
Category: Tansania
Posted by: sabine
Sansibar

Sansibar - das klingt nach Exotik, Abenteuer und Sehnsucht, nach Gewürzen, Geschichten vom Sklavenhandel und hinter kunstvoll geschnitzten Holzfenstern versteckten arabischen Prinzessinnen. Es kann eigentlich nur eine Enttäuschung sein, wenn man persönlich dort hinreist. Ich jedenfalls bereite mich auf eine viel magerere Realität vor mit Pauschaltouristen, überteuerten Hotels und hässlichen DDR-Bauten, die im Rahmen eines Aufbauprogramms in den 70ern von deutschen Ingenieuren dort errichtet wurden.

Sansibar

Mehrere Fähren starten täglich Im Hafen von Daressalam nach Sansibar. Der Tickethandel ist ein hartes Geschäft und wir heute wohl die einzigen Touristen / Opfer. Wir werden von echten und weniger echten Händlern umringt, angeschrieben und herumgezerrt. Angeblich ist die nächsten Fähren ausgebucht, die Hafensteuer gerade gestiegen und man muss die Rückfahrtickets in Daressalam kaufen, weil es auf Sansibar keine Verkaufsstelle gibt oder die Tickets dort 10 Dollar teurer sind. Alles natürlich Quatsch. Das Geschreie und Gelüge geht uns mächtig auf die Nerven und wir kaufen unsere Tickets kurzerhand bei dem einzigen Händler, der einfach ruhig dasitzt und gar nichts sagt. 35 Dollar kostet die Schnellfähre und nach zwei Stunden Fahrt über den indischen Ozean, vorbei an einsamen kleinen Trauminseln mit weißem Sandstrand und Fischerbooten mit dreieckigen Segeln sind wir da, in Sansibar.

Sansibar

Sansibar hat eine bewegte Geschichte voller Perser, Araber, Inder, Portugiesen, dann wieder Araber, Engländer und schließlich als eigenständige Insel, die 1964 gemeinsam mit Tanganyika den neuen Staat Tansania gründete. Bei der Einreise muss man seinen Reisepass vorlegen und bekommt einen Stempel, das finde ich ja schon mal klasse, ein Sansibarstempel im Pass! Der "Fährhafen" (ein Steg und eine Halle) liegt mitten in der alten Stone Town von Sansibar. Das ist ein unübersichtliches Gewirr von kleinen Straßen und alten Gebäuden aus allen Jahrhunderten, eng, lebendig und wunderbar heruntergekommen. Es gibt arabische Häuser mit großem, kühlem Innenhof, indische Häuser mit umlaufenden, verzierten Holzbalkonen, portugiesische Herrenhäuser und alte Forts.

Sansibar

Die Gassen sind voller Menschen. Ich sehe Inderinnen im bauchfreien Sari und verschleicherte Muslima. Kleine Jungen in weißen Gewändern hüpfen aus der Koranschule. Afrikaner schnitzen und malen auf der Straße vor ihren Souvenirshops oder verkaufen Pommes Frites. Und alle scheinen sich gut zu verstehen, grüßen fröhlich und lachen laut. Viele kleine Mädchen tragen selbstgenähte, gerüschte Röcke und mehrere Tops übereinander. Eine kleine Piratenprinzessin hat sogar geringelte Orangenschalen als Krone auf ihrem Kopf. Sie spielt mit ihrer kleinen Freundin Beauty Salon, hat ihre Puppen (zusammengebundene Stoffreste) in eine Reihe gesetzt und pflegt sie mit Palmöl.

Sansibar

Es ist warm, aber nicht heiß, und das Abendlicht ist wunderbar. Im "Livingstone", einer Cocktailbar in einem alten Herrenhaus direkt am Strand, schauen wir den Fischern beim Einlaufen und Entladen zu. Kleine Jungs springen von der Kaimauer ins warme Meer, schlagen Saltos am Strand und haben eine Menge Spaß. In den Gassen hinter uns sitzen die Menschen auf kleinen Plätzen zusammen und schauen sich die WM-Berichterstattung auf kleinen Fernsehern an. Ich liebe Sansibar.



Category: Tansania
Posted by: sabine
Football Africa

Die Weltmeisterschaft ist im fußballbegeisterten Afrika natürlich ein großes Thema. Wir haben keine Probleme, einen Fernseher zu finden, egal wann und egal wo wir uns gerade befinden. "Public Viewing" ist hier kein Marketingkonzept, sondern Alltag. Zum einen hat nicht jeder einen Fernseher und alle treffen sich bei demjenigen, der ein solches Gerät besitzt. Dann ist es im Haus viel zu warm, um gemütlich Fußball zu schauen. Da es draußen aber zu hell für den Bildschirm ist, steht der Fernseher drinnen und die Menschen schauen von draußen durch Türen und Fenster zu.



Das größte Problem beim Fußballschauen sind die nicht seltenen Stromausfälle. Nichts ist ärgerlicher, als wenn in der 85. Minute oder, noch besser, beim Elfmeterschießen alles Dunkel wird. Bei der Planung der WM war die Stromknappheit und schlechte Infrastruktur auch in Südafrika ein Thema. Jetzt werden während eines Spiels schon mal ein paar nahe gelegene Slums vom Stromnetz genommen, um mehr Power für das Stadion zu haben. Die Slumbewohner können die Spiele schließlich ja auch über ihre Batterieradios verfolgen.



Aber zurück zum Fußball. "The Cup must stay in Africa" haben wir auf einem Schild gelesen und so haben wir es erlebt: Hauptsache, irgendeine afrikanische Mannschaft gewinnt. Kamerun und Ghana waren die Hoffnungsträger und das letzte Aus für Ghana war ein harter Schlag für Afrika. Trotzdem bleiben die Menschen hier fair und verfolgen die WM weiterhin begeistert.

Football Africa

Ein paar kleine Momentaufnahmen:

  • Tansania, abends, in der Abfertigungshalle im Hafen von Daressalam. Hunderte von Menschen warten gedrängt auf die nächste Fähre. Viele sind müde vom harten Arbeitstag und der feuchten Hitze. Die Frauen tragen ihre Kinder auf dem Rücken und auf dem Kopf noch Säcke voller Nahrungsmittel. Einige Männer verkaufen lautstark Limonade oder Orangen. Wenn die Fähre anlegt, muss man schnell sein, denn das Schiff legt sofort wieder ab und wer nicht auf die Ladefläche laufen oder springen konnte, muss sein Glück bei der nächsten Fähre versuchen. Es ist schummrig in der Wartehalle, die meisten Neonröhren sind kaputt und auf dem Boden häuft sich der Müll. Aber es gibt einen Großbildschirm, auf dem ein Spiel mit Kamerun übertragen wird, ein Fleckchen neuester Technik in einer dreckigen Halle voller müder Menschen. Kamerun schießt ein Tor und Jubel bricht aus. In diesem Augenblick legt die Fähre an. Fröhlich laufen die Menschen zur Fähre, eher tanzend als drängelnd und wir mittendrin.

  • Im offenen Strandrestaurant des Sunrise Beach Ressort südlich von Daressalam. In diesem Feriendomizil sind Einheimische vor allem unter den Angestellten zu finden, denn die für uns moderaten Preise sind für jemanden aus dem Ort nicht zu bezahlen. Heute Abend aber sitzt ein Dorfbewohner allein an einem Tisch direkt vor dem Fernseher. Er hat ein gutes Hemd angezogen und gönnt sich eine Fanta. Gebannt verfolgt er das Spiel. Am Nachbartisch versuchen ein paar dicke Jungs mit protzigen Uhren, ihre laut kichernden Begleiterinnen mit halbgarem Fußballwissen zu beeindrucken, während sich ihr Tisch unter Bier, Hühnchen und Burgern biegt. Der Tansanier dreht sich um, lächelt und erklärt freundlich, dass hier Uruguay und nicht Paraguay spiele und worin genau der Unterschied besteht. Ohne auf eine Reaktion zu warten, wendet er sich wieder dem Fernseher zu und genießt das Spiel.

  • Mbeya, tansanisches Hinterland. Auf der Suche nach Eiern lande ich in in einem kleinen Shop. Drei ältere Männer sitzen schweigend auf dem Boden rund um einen Fernseher und verfolgen ein Fußballspiel. Wo ich herkomme, möchten sie wissen. Normalerweise sind die Gesprächspartner beeindruckt von "Good Germany". Aber heute, einen Tag nach unserem schwachen Spiel gegen die Serben, muss ich mir detailliert anhören, welchen taktischen Schwächen die Deutschen so aufweisen. In Ostafrika bringt man älteren Menschen Respekt entgegen, also höre ich aufmerksam zu und formuliere schon mal eine Mail: "Lieber Yogi Löw, in Tansania ist man der Meinung, Sie sollten..."

    Football Africa
  • Category: Tansania
    Posted by: sabine
    Sunrise

    Indischer Ozean bei Daressalam: türkisblaues Wasser, weißer Sandstrand, Schwimmen direkt nach dem Aufstehen, Stunden in der Hängematte, eine frische Brise durch die Palmen, zwischendurch eine frische Kokosnuss, vom nächsten Abenteuer träumen. Malawi? Simbabwe? Auf jeden Fall Viktoria-Falls. In die Kalahari?

    Wenn die Sonne untergeht, gibt es WM und einen Sundowner unter dem Kreuz des Südens.