Reiseberichte

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Category: Tansania
Posted by: sabine


Zwischen Arusha und Daressalam kommen wir an den Usambara-Bergen vorbei. Da kommen unsere Veilchen her, sagt Bodo. Das stimmt, erinnere ich mich, in den 70er Jahren war diese kleine lila oder rosa Blume ein beliebtes Geschenk und klang wahnsinnig exotisch in einer Welt, in der schon ein Besuch in der Pizzeria fremd und aufregend war. Wir biegen also ab und fahren in die West-Usambaras. Unser Reiseführer verspricht uns ursprünglichen Bergregenwald und deutsch-koloniales Erbe in der Regionalhauptstadt Lusotho, ehemals Wilhelmstal. Geografisch erreichen wir nämlich jetzt die ehemalige deutsche Kolonie Ostafrika.



Wir sind gespannt und kurven uns langsam die Berghänge hoch. Die Straße zum beschriebenen Iringa-Aussichtspunkt wird allerdings immer enger, bis wir fast steckenbleiben und lieber umdrehen. In Lusotho suchen wir nach irgendwas Deutschem und finden ein paar herunter gekommene Häuser mit Dachziegeln, das ist in Afrika unbekannt und daher wohl deutsch. Das deutlichste Zeichen deutschen Einflusses ist die schöne Gardine, die ich im Friseurgeschäft entdecke. Vielleicht gibts innen auch Platzdeckchen. Wie hübsch. Wir fahren wieder, ein bisschen enttäuscht von der Normalität des Ortes. Vielleicht haben wir aber auch einfach schon zu viel Exotisches gesehen. Unverzeihlich bleibt aber: keine Veilchen weit und breit, ich hab genau gesucht.

Usambara
Wenn die großen Busse anhalten, versuchen die Frauen ihre Obst und Gemüse an die Fahrgäste zu verkaufen.
Category: Tansania
Posted by: sabine
Kilimanjaro

Die großen Begriffe afrikanischer Sehnsucht: Serengeti, Ngorogoro, Kilimanjaro - das alles findet sich nicht in Kenia, sondern in Tansania. Und dank externer Berater wissen die Tansanier auch genau, dass sie von den Touristen viel Geld für den Besuch dieser Höhepunkte verlangen können.

Im Ngorogoro-Nationalpark liegt der berühmte Ngorogoro-Krater, in dem sich viele Tiere auf kleinem Gebiet versammeln. Außerdem gibt es einen kleinen See mit Flusspferden, im neu-englischen Safarisprech "Hippo-Pool" genannt. Man muss durch den Ngorogoro-Nationalpark fahren, um zu dem Krater zu gelangen. Das kostet pro Tag 50 Dollar pro Person, 30 Dollar pro Person für Camping auf einem ausgewiesenen Platz ohne Toiletten und Duschen sowie 40 Dollar fürs Auto bzw. 200 Dollar für unseren LKW. Möchte man in den Krater, kostet das 200 Dollar extra. Für dieses Geld darf man an einer bestimmten Stelle in den Krater hinunter, und fährt dann, Stoßstange an Stoßstange mit anderen Fahrzeugen, einmal durch den Krater hindurch und dann wieder hinauf. Eigentlich könnte man hier auch wie in Disneyland Schienen verlegen und bunte Passagiergondeln fahren lassen, das wäre dann wenigstens weniger staubig. Für LKWs ist der Krater übrigens ganz verboten.

Das Highlight des Serengeti-Nationalparks ist die große Immigration der Steppenzebras und Weißbartgnus. Tausende dieser Tiere wandern auf der Suche nach Futter durch die Serengeti und müssen im Juni (also jetzt) den tiefen Grumeti-River durchqueren. Dort warten schon die Krokodile auf die schwachen, kranken oder dämlichen Tiere. Die Eintrittspreise sind wie im Ngorogoro-Park, den man auf dem Hin- wie auch dem Rückweg durchqueren muss, für den vollen Tagessatz, denn es gibt keinen Transit-Tarif.

Wir rechnen kurz durch: durch den Ngorogoro-Park, durch die halbe Serengeti auf schlechten Pisten zur Immigration, einen Tag bleiben und Rückweg, insgesamt 6 Tage, würden uns 1500 Dollar kosten, ohne Sprit und ohne Krater. Wir freuen uns, dass wir in den letzten Tagen die Serengeti um den Nationalpark herum ganz umsonst, ohne Touristenkolonnen und auf bester Piste besucht haben. Vor den Toren des Ngorogoro-Nationalparks drehen wir ab. Andere Länder haben auch schöne Parks mit den gleichen Tieren, zu einem fairen Preis.

Wir fahren jetzt erstmal zum Kilimanjaro. Der ist nun leider im Juni und Juli fast immer von Wolken bedeckt. Trotzdem haben wir Glück und gegen Abend leuchtet der Gipfel im Abendrot. Wir finden einen schönen Schlafplatz mitten im Busch und genießen den Anblick.

P.S. Den Kilimanjaro kann man auch besteigen, wahlweise auf einem flachen, längeren oder einer kurzen, steilen Weg. Für 5 Tage mit eigener Camping-Ausrüstung in einer Gruppe zahlt man inkl. Guide ca. 1500 bis 2000 Dollar pro Person. Und wenn man noch Schnee am Kilimanjaro sehen möchte, muss man sich beeilen, denn in ein paar Jahren ist dank Klimaerwärmung auch der letzte Rest geschmolzen.
Category: Tansania
Posted by: sabine
Chamäleon

Vor diesem Tier gruseln sich viele Ostafrikanerinnen. Ich wollte schon lange mal ein "wildes" Chamäleon sehen und heute, heute stand es dann einfach vor uns mitten auf der Piste und schaukelte vor sich hin.

Chamäleon

Es ließ sich widerstandslos auf die Hand nehmen, rollte seinen Schwanz ein und versuchte, seine Farbe Bodos orangem Hemd anzupassen. Auf schnelle Bewegungen reagierte es nervös, indem es langsam sein zahnloses Maus aufsperrte. Ein freundlicher Kerl, der jeden von uns mit einem seiner Augen beobachtete.

Chamäleon
Category: Tansania
Posted by: sabine
Massaidorf

Massaidorf

Massaidorf

Gestern mussten wir uns viel zu spät, nämlich im Dunkeln, ein Lager suchen. Wir kreuzten also mit Scheinwerfern durch die Prärie und stellten uns neben das größte Gestrüpp, das wir finden konnten. Der Motor war kaum aus, als schon eine Gruppe Massai neben uns stand. Bewachen wollten sie uns, ok, dachten wir, die möchten was verdienen, denn in der Wildnis kann uns mit unserem Auto eigentlich wenig passieren. An jede Ecke unseres LKW legte sich also ein Massai und wir schliefen alle friedlich bis zum Morgen. Genauer gesagt bis zum Morgengrauen, denn dann klopften die Massai freundlich und wollten ihr Geld, damit sie mit den Herden aufbrechen können.

Bei Tageslicht betrachtet wurde uns klar, warum die Massai am Abend vorher so schnell vor Ort waren. Im Dunkeln hatten wir, ohne es zu sehen, ihr kleines Dorf einmal umrundet und waren dann direkt vor ihrem Außenpferch zum Stehen gekommen. Das mussten wir uns genauer anschauen. Und nach kurzer Preis-Verhandlung durften wir auch gerne mitkommen.

Massaidorf

Das Dorf ist eigentlich eine Großfamilie, die ihre kleinen Lehmhütten für die einzelnen Paare und ihre Kinder um einen Platz für die Kuhherde gruppiert hat. Das Ganze wird von einem Dornwall gegen wilde Tiere geschützt. Nachts sind alle zu Hause, früh morgens vor Sonnenaufgang gehen die älteren Frauen oder auch die Mädchen ohne eigene Kinder kilometerweit Wasser holen. Strom gibt es keinen, dafür jede Menge Kuhscheiße. Es gibt wenig Hausrat, ein paar Schüsseln und Plastikkanister, zum Anziehen die typischen Massaidecken, die durch einen Gürtel zusammen gehalten werden. Die Schuhe werden aus alten Autoreifen gemacht. Massai tragen gerne jede Menge Perlenschmuck. Manche Familienmitglieder haben kreisrunde Ziernarben im Gesicht, andere blutige Pflöcke in den Ohrläppchen, um die Löcher zu weiten.

Die Familienmitglieder, vom alten Opa in der warmen Decke bis zum Fünfjährigen mit erstem eigenen Speer sind alle ausnahmslos freundlich zu uns. Unsere digitalen Fotoapparate, auf denen man die gemachten Bilder sehen kann, sind der Hit. Ein paar Massai machen Bilder von sich selbst und ein Massai ist dabei, der wirklich Begabung zum fotografieren hat. Aber was nützt es ihm hier?

Massaidorf

Ein Gegenbesuch im LKW ist fällig. Die jungen Hirten verstehen unsere Einrichtung wohl so wenig wie wir ihre. Ein Junge kaut auf einem Ast herum, das ist die hiesige Zahnpflege. Ich zeige ihm meine Zahnbürste, er ist begeistert und putzt sich gleich damit die Zähne. Er gibt die Bürste weiter an seinen Kumpel, der ebenfalls hingebungsvoll putzt. Da niemand sonst in der Zahnputzschlange steht, bekomme ich die Zahnbürste zurück. Hm, denke ich, und schenke den beiden die gelbe Plastik-Zahnbürste und wünsche viel Spaß.

Massaidorf

Wir mögen diese Familie gerne, sind aber entsetzt über das Fehlen jeglichen Wissens über Hygiene und damit verbundene Krankheiten. Ein Säugling hat schrecklichen Durchfall und sieht mit seinem großen Kopf, dem dicken Bauch und den dünnen Ärmchen aus wie aus einem Bob-Geldorf-Hungerspende-Spot. Die junge, offensichtlich überforderte Mutter lässt das kleine Mädchen im vollgekackten Tuch sitzen, daher sind überall Fliegen, die das Kind zusätzlich quälen. Ich habe natürlich keine Ahnung, was dem Baby wirklich fehlt, immerhin ist mir klar, dass man einem Säugling nicht unsere Erwachsenen-Medikamente gegen Durchfall geben kann. Ich versuche der Mutter zu erklären, in bestem TV-Swahili (Hatari - Gefahr, Daktar - Doktor), sie soll zum Arzt gehen und ernte ein verständnisloses Lächeln. Vielleicht versteht sie nur Massai, vielleicht ist ihr der Gedanke fremd, ein krankes Kind zum Arzt zu bringen oder überhaupt zum Arzt zu gehen. Ich hole ihr Vitamintabletten und zeige ihr, wie sie diese in einer Tasse auflöst. Sie hebt ein Stöckchen voller Kuhmist vom Boden auf und rührt in der Tasse herum. Da bleibt nicht viel Hoffnung für das Baby.

Massaidorf

Die Hirten möchten mit ihrem Vieh losziehen und auch für uns ist es Zeit, weiter zu fahren. Lebt wohl, ihr Massai, und alles Gute.
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Posted by: sabine
Lengai

Unser Ziel ist der Ol Doinyo Lengai, der heilige Berg der Massai, oder für Europäer: der einzige aktive Natron-Vulkan der Erde. Im Internet recherchieren wir den Zustand der Pisten dorthin. Die eingeflogenen Forscher, die den Vulkan regelmäßig aufsuchen, beschweren sich in ihren Blogs über lange, holprige und staubige Pisten. Wir finden den Weg hervorragend, haben aber auch nicht vor zwei Stunden noch in der Frankfurter Flughafen-Lounge einen Cappuccino geschlürft.



Zwei Giraffen-Herden kreuzen unseren Weg. Der ersten versuchen wir noch, zu Fuß mit den Kameras hinterher zu rennen, natürlich vergeblich. Sie sind so schön, die Giraffen, groß und freundlich zudem. Sie beobachten so interessiert wie wir sie, sind aber schneller im Busch unterwegs und entfernen sich schließlich gemächlich in ihrem anmutigen Zeitlupengalopp.



Wir fahren durch die Steppe auf Pisten, manchmal querfeldein, es ist ein wunderbarer Tag und wir sind ganz allein mit Zebras, Thompson-Gazellen und einem einsamen Büffel.



Am Abend sind wir schließlich am Vulkan. Die weiße Kuppe ist kein Schnee, sondern erstarrte Lava, die an diesem speziellen Ort eher hell austrocknet. Man kann den Vulkan besteigen, mit einem ortskundigen Führer, alleine ist das wegen verborgener glühender Lava und vieler durch Lavaströme entstandenen Sackgassen nicht zu empfehlen. Bodo überlegt, aber die nächsten zwei Tage sind wolkig, der Gipfel des Berges ist komplett im Neben verborgen, und damit erübrigt sich dieser Plan.
Category: Tansania
Posted by: sabine
Massai

Wir haben Glück und treffen im schönen Abendlicht auf eine große Rinderherde mit ihren jungen, freundlichen Massaihirten. Sie möchten gerne fotografiert werden und tauschen untereinander ihren Perlenschmuck aus, um möglichst gut auszusehen. Es wird ein richtiges Fotoshooting.

Massai

Nach einigen Minuten kommen noch zwei ältere Frauen des Weges. Wir begrüßen uns alle freundlich und achtungsvoll, aber dann ist Ende mit der Kommunikation. Sie sprechen nur massai und wir verstehen kein Wort. Aber sie sprechen sowieso wenig und lächeln nur kurz. In ihrem Leben gibt es keinen "zivilisierten" Smalltalk, keine Selbstdarstellung, keine Phrasen. Ich versuche, in ihren Gesichtern zu lesen, sie wirken freundlich, aber wenig interessiert. Gütig, aber völlig fremd. Als wir fahren, laufen die Hirten zurück zu ihrer Herde und die Frauen setzen ihren Weg fort. Die merkwürdigen Fremden nehmen sie wohl wie das Wetter, das man beobachten, aber nicht ändern kann.

Massai
Category: Tansania
Posted by: sabine
Massai Steppe

Wir sind in Tansania! Der Grenzübergang war problemlos, 50 Dollar für das Visum und fertig. Auch mit der kenianischen Ausreise hatten wir Glück. Wir hatten nur für einen Monat Road-Tax bezahlt, aber der Grenzbeamte in Moyale hat uns drei Monate eingetragen, seinen Irrtum bemerkt und dann wild in den Dokumente herumgekritzelt. Zusätzlich sollten wir dann noch 150 Dollar Road-Tax zahlen, weil wir im LKW unterwegs sind. Wir bestanden aber auf unserem "Privat-Car and Mobile-Home", und nach längerer Diskussion meinte der Grenzbeamte dann grummelnd, wir sollten doch bei der Ausreise zahlen, wir würden dann schon sehen. Hier in Namanga seufzen die Grenzbeamten über ihre Kollegen vom Land und lassen uns ziehen, ganz ohne Nachzahlen.

Massai Steppe

Wir bleiben nicht lange auf der Hauptstraße, sondern biegen ab in die Engaruka-Ebene. Das ist Safari-Afrika: sandige Wege, gelbes Gras und grüne Akazien. Die Landschaft ist fantastisch, wir fahren wieder einmal durch das Rift Valley. Dieser große afrikanische Grabenbruch zieht sich durch Äthiopien, Kenia, Tansania, Uganda, Ruanda, Burundi und ist so groß, dass ihn sogar Astronauten mit bloßem Auge sehen können. In kurzer Zeit, erdgeschichtlich gesehen, wird sich Ostafrika in diesem Grabenbruch vom Rest Afrikas abtrennen und als neue touristische Trauminsel Karriere machen. Oder als riesige Pirateninsel, behält Somalia die Vormacht. Alles allerdings vorausgesetzt, es gibt die Menschheit dann noch.

Massai Steppe

In der Engaruka-Ebene leben die Massai, ein in Deutschland hinlänglich durch kitschige Liebesromane bekanntes Naturvolk. Die dort gelobte Ursprünglichkeit haben sich die Massai in Kleidung und Hüttenbau bewahrt, aber unter Travellern haben sie den wenig schmeichelhaften Beinamen "Bettelvolk". Tatsächlich treffen wir viele Massai, aber nur wenige stolze und freundliche Krieger, die nicht die Hand aufhalten. Der neueste Trend ist Wegelagerei: Willst Du auf der Straße durch mein Dorf, musst Du zahlen ("only little money for you, few dollars"). Der Hinweis, dass wir gerade in ihrem Dorf einkaufen waren, hilft nichts. Wir weigern uns und ernten nachgeworfene Steine.

Category: Kenia
Posted by: sabine
Drei Wochen wollten wir bleiben, zwei Monate sind daraus geworden. Heute fahren wir zur tansanischen Grenze und lassen ein Land hinter uns, mit dem ich mich schwer getan habe, das aber trotzdem meine erste und intensive Erfahrung mit dem afrikanischen Afrika war. Schwarz sind die Menschen auch im Sudan, aber das ist noch Arabien. Auch die Äthiopier sind mittelbraun, aber Äthiopien, also, das ist eben Äthiopien. Hier in Kenia dann: Dicke Mamas verkaufen gerösteten Mais an der Straße, lautstarker Gesang tönt aus Kirchen und Hallen, Gruppen von Schulkindern in weißen Kniestrümpfen winken uns zu. Überall tönt uns ein fröhliches "Jambo" entgegen, meist will uns dann jemand etwas verkaufen. Ruhe hatten wir in Kenia eigentlich nie und es ist das erste Land, in dem wir meist in bewachten Camps stehen.

Kadjiado

Kurz vor der Grenze sehen wir eine Cessna mehrfach durchstarten und machen uns auf die Suche nach der Flugschule. Wir finden den Flieger auch, aber der Pilot schläft neben seiner Maschine, während die Dorfjugend die Technik bestaunt. Wir werden von der Dorfabordnung freudig begrüßt und der ansässige Priester erklärt uns stolz, hier in Kadjiado käme jetzt auch der Fortschritt. Nach ein paar Minuten taucht ein teurer Mercedes auf, ein Geschäftsmann hat einen Flug nach Nairobi gebucht. Und so verschwindet zwar die Cessna schnell wieder aus dem Dorf, nicht aber die Hoffnung. Der Priester möchte sich in den nächsten Wochen eine Email einrichten, dann sollen wir ihm die Fotos schicken. Machen wir!
Category: Kenia
Posted by: sabine
Josephat Besuch

Um 10.00 Uhr morgens kommt mich Josephat abholen, wir gehen seine Mutter besuchen. Sie wohnt auf einem Grundstück der Familie außerhalb von Nairobi, und wir müssen erstmal mit Matatus (die kenianischen Minibusse) zwei Stunden durch die Stadt fahren. Auf der Fahrt versucht mir Josephat seine Familie zu erklären, aber ich komme ständig durcheinander mit seinen zahlreichen Onkeln, die sich öfter scheiden lassen und wieder heiraten oder gleich mehrere Frauen heiraten, ohne sich vorher scheiden zu lassen. Auch Josephat hat verwirrend viele Halbgeschwister und ich beschließe irgendwann, mich einfach überraschen zu lassen.

Josephat Besuch

Mitten im Nirgendwo um Nairobi steigen wir aus dem Matatu. Und jetzt? Eine Motorradgang steht im Schatten eines Baobab und mustert uns interessiert. Josephat steuert auf die Typen zu und fragt mich, welchen ich möchte. Wie bitte? Aber Josephat ist schon hinter einen Motorradfahrer geklettert und ich kapiere endlich: das hier ist eine Taxistation. Ich steige also auf das nächste Motorrad und los gehts. Es macht einen Heidenspaß, über die sandige Piste zu rasen, durch (zum Glück im Moment) seichte Flussdurchfahrten oder auch mal querfeldein. Viel zu schnell sind wir schon da, an einem Maisfeld, mehreren Mangobäumen und drei Steinhäusern. Hier wohnt Josephats Familie, ohne Strom und Wasser, aber ruhig und in Frieden. Die verstorbenen Familienmitglieder werden im Maisfeld begraben und bekommen schöne Blumenhügel auf ihrem Grab. Die Nachbarn kommen öfter auf einen Schwatz vorbei und finden es unglaublich lustig, dass so eine Muzungu (Weiße) hier zu Besuch ist.

Josephat Besuch

Die nächsten Stunden sitze ich mit Josephats Mutter, seinem Zwillingsbruder Kimani und seinem Halbbruder Henry im schattigen Hof, esse Kürbis und rede über Kenia. Die Mutter spricht nur Suaheli, aber die Brüder übersetzen schnell. Ein kleiner Welpe wuselt uns um die Füße, später gibt es Tee. Ausgeruht und versöhnt mit Kenia fahre ich den ganzen Weg mit Motorrad und Matatu wieder zurück ins Stadtzentrum.

Josephat Besuch
Avocados wachsen auf großen Bäumen. Wer hätte das gedacht?

Auf dem Weg kommen wir an einem zerbeulten Minibus vorbei, der in einer Blutlache steht. Einige hundert Meter weiter wieder ein verunglücktes Matatu mit einem Toten davor und ratlosen Menschen daneben. Die Passagiere meines Matatus zucken nur die Schultern und schimpfen über die schlechte Straße. Die Straße ist in einwandfreiem Zustand. Welcome back in Africa.
Category: Kenia
Posted by: sabine
C103

Wir brauchen wieder mal ein wenig Piste und kenianisches Leben außerhalb des organisierten Touristenwahnsinns. Also fahren wir einfach landeinwärts. Die Piste führt durch Plantagen und kleine Dörfer, in denen ich Kekse und Brot kaufe. Schokolade gibt es nicht, wie mir auf Anfrage die versammelte Dorfjugend bedauernd erklärt. Wir werden kaum beachtet und genießen die schöne Landschaft.

C103

Am Himmel kündigen schwarze Wolken ein Gewitter an, das die Straßen in eine Matschhölle verwandeln würde. Aber wir haben Glück und erreichen abends wieder die Hauptstraße, gerade noch rechtzeitig zum tropischen Regenguss.
Category: Kenia
Posted by: sabine
Kilifi

Nach drei gemütlichen Fahrtagen erreichen wir Mombasa. Leider ist mit der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit gestiegen. In unserer ersten Nacht liegen wir bei 36 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit im LKW und versuchen, in Schweiß gebadet und nach Luft schnappend zu schlafen. Keine Chance.

Um 1 Uhr nachts geben wir auf. Zum ersten Mal seit wir mit dem MAT unterwegs sind, nehmen wir uns ein Hotelzimmer - mit Klimaanlage. Ich wundere mich etwas über die anzüglichen Blicke der Angestellten, das große Himmelbett und eine Dusche, die größer ist als unser Wohnzimmer zu Hause. Als ich am nächsten Morgen an den anderen Tischen mäßig attraktive und ältere Europäerinnen mit jungen, knackigen Kenianern sehe, wird mir allerdings einiges klar.

Eine Woche treiben wir uns in und um Mombasa herum. In der Twiga-Lodge stehen wir neben Palmen direkt am indischen Ozean. Am Nachthimmel blinkt das Kreuz des Südens und auch unser Reisebegleiter Orion ist noch am Horizont zu sehen - allerdings verkehrt herum. Der weiße Sand ist teilweise so fein wie Mehl. Ich lasse mich im tiefblauen Wasser treiben, so warm ist es hier und so schön. Wenn es regnet, ist das Meer wärmer als die dicken Regentropfen und beim Schwimmen ist dann überall Wasser.

Wir fahren südlich bis zum Diani-Beach, dann wieder nach Norden bis nach Kilifi. Nach 5 Nächten ohne Tiefschlaf, dafür mit viel Schweiß geben wir auf und fahren zurück ins kühle Landesinnere. So heiß war es, dass ich sogar vergessen habe, Fotos der Traumstände zu machen. Aber egal, einfach die Bounty-Werbung anschauen, dann passt das schon!
Category: _ Spendenaktion
Posted by: sabine
Baobab eV

Heute besuchen wir das Hilfsprojekt Baobab. Jahrelang habe ich hier mein Patenkind Josephat unterstützt. Wir haben uns regelmäßig Emails geschrieben und heute werde ich Josephat zum ersten Mal sehen. Natürlich ist er längst kein Straßenkind mehr, sondern mittlerweile 23 Jahre alt. Wie er wohl so ist? Ich bin sehr gespannt.

Baobab eV

Baobab e.V. ist ein deutscher Verein. In einem zweistöckigen Haus in Mikindani werden Waisen und Straßenkinder aufgenommen, sie werden eingekleidet, betreut, bekommen regelmäßige Mahlzeiten und werden zur Schule geschickt. Wir treffen Morris, den kenianischen Projektleiter und lassen uns die Örtlichkeit und das Projekt erklären.

Dann gehen wir zu den Kindern im Hof, die sich für ein Foto T-Shirts anziehen sollen. Sie sind aber mehr an meiner Kamera interessiert und kommen so nahe, dass Fotos unmöglich sind. Zum Glück kann Bodo Bilder machen und die Kinder überbieten sich mit coolen Posen, die sie sich aus Fernsehen und Internet abgeschaut haben.

Baobab eV

Endlich treffen wir auch Josephat. Ich mag ihn gleich. Er ist höflich und zurückhaltend, lacht gerne und ist sichtlich gerührt, mich endlich kennen zu lernen. Das wiederum ist mir fast peinlich, denn so ein großes Opfer waren die monatlichen Beiträge nicht. Und doch war es eine wichtige Hilfe für Josephat, um weg von der Straße und der Schnüffeldroge Klebstoff zu kommen.

Nachdem wir wieder in unserem LKW sind, diskutieren Bodo und ich noch lange über diesen Besuch. Das Haus ist in einem erbärmlichen Zustand, die Wände schimmelig, die Küche dreckig und alles Mobiliar kaputt. Im Haus modert ein großes vermülltes Beet vor sich hin und hinter dem Hof verläuft eine schmutzige Wasserrinne. Alles, was deutsch an uns ist, schreit empört: was kann so schwer daran sein, mit einem Eimer Farbe das Haus zu streichen, den Abwasserkanal umzuleiten, die Möbel zu reparieren, das Beet trocken zu legen...

Aber es ist schwer, nicht wegen der Arbeit, sondern weil die Angestellten mit anderen Dingen beschäftigt sind, mit dem Pflegen von Beziehungen und dem Organisieren alltäglicher Dinge. Geld besorgen, Lebensmittel verhandeln, Transportmittel suchen etc, das braucht Zeit in Afrika. Denn niemand hat hier den deutschen Anspruch, die Dinge möglichst effektiv und strukturiert anzugehen. Da bleibt wenig Zeit für unwichtige Verschönerungen, denn das wäre ein Anstrich nach hiesiger Meinung.

Auch Macht und Hierarchie ist wichtig, eigene Familienmitglieder werden eingestellt, sobald es möglich ist, ohne Rücksicht auf ihr Können, Fachwissen und die Auswirkungen auf das Projekt und diejenigen, die vielleicht geeigneter wären. Diese Probleme könnten wohl nur mit einem Manager ohne afrikanische Familie vermieden werden, aber es ist niemand da.

Andererseits haben hier Kinder ein Zuhause, die ansonsten verwahrlost auf der Straße leben würden. Baobab recherchiert über Monate hinweg den Hintergrund der Kinder, die bei Ihnen landen. Wenn eine Familie vorhanden ist, wird versucht, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Sind die KInder schon seit Jahren auf der Straße, haben sie hier bei Baobab genug Zeit und viele Spielfreunde, um langsam zurück in eine funktionierende Gemeinschaft zu finden. Baobab engagiert sich auch in der AIDS-Aufklärung und baut aktuell ein neues Haus in Homer Bay am Viktoriasee auf.

Wer sind wir also, wir Kurzbesucher, dass wir urteilen können über ein solches Projekt? Soviel Arbeit steckt jetzt schon in dem Haus, der Organisation und der Website. Wo wären die jetzt erwachsenen Kinder ohne die Unterstützung? Es mag also jeder selbst urteilen.

Baobab eV
rechts nach links: Collins, Stanley, Ochieng im Vordergrund, Amer im Hintergrund. Ochieng und Amer suchen noch Pateneltern.

Drei der kleinen Kinder suchen noch nach einem Paten. Für mich hat es sich gelohnt, für Josephat bis jetzt auch. Und da ich nicht bleiben kann, um all das zu machen, von dem ich glaube, dass es gemacht werden sollte, darf ich mir wohl auch kein abschließendes Urteil erlauben. Ich wünsche dem Projekt und vor allem den Kindern auf jeden Fall alles Gute.
Category: Kenia
Posted by: sabine
Tsavo
Mitten durch den Tsavo-Nationalpark führt eine alte Eisenbahnstrecke, die von Güterwagen und dreimal pro Woche auch von einem Personenzug befahren wird. Viele Bahnstationen der Strecke sind geschlossen und verfallen vor sich hin, eine romantische Kulisse aus "Jenseits von Afrika".

Die Straße von Nairobi nach Mombasa führt mitten durch zwei Nationalparks: Tsavo East und Tsavo West. Wir fahren nicht in die Nationalparks hinein, sehen aber auch so neben der Straße einige Zebras und einen großen Familienverband Paviane.

Es wird merklich wärmer und zunehmend stehen große Baobabs (Affenbrotbäume) an der Straße. Diese Baumriesen erreichen einen Durchmesser von bis zu 5 Metern und haben merkwürdig dünne, dafür aber sehr viele Äste. Der Sage nach wollte der Baobab schöner und größer sein als alle anderen Bäume und als ihm dies nicht gelang, steckte er vor Scham seinen Kopf in die Erde und die Wurzeln in den Himmel. Tatsächlich sieht der Baobab irgendwie anders aus als alle anderen Bäume.

Tsavo
Ein Baobab inmitten einer großen Fläche voller weißer Flechtenblüten. Ein Traum, diesmal aber eher aus einem Tim-Burton-Film.

Category: Kenia
Posted by: sabine
Mombasaroad

Wir fahren in Richtung Mombasa. Die Teerstraße ist für afrikanische Verhältnisse sehr gut, die Fahrweise allerdings kenianisch, also selbstmörderisch. Wir kennen schon die LKW- und Buswracks am Straßenrand. Aber heute erleben wir live, wie sich drei Laster auf gerader, freier Straße ineinander verkeilen und auf die Seiten kippen.

Da die Straße durch die verunglückten LKWs blockiert ist, bildet sich eine kilometerlange Schlange. Einige Fahrer möchten nicht warten und versuchen, durch die Pampa an den wartenden Autos vorbei zu kommen. Und bleiben im Matsch stecken wie auf dem Bild der gelbe Kleinlaster.

Der folgende rote Bus sieht zwar, dass der Vordermann stecken geblieben ist, aber das kann ja nur daher kommen, dass er nicht Auto fahren kann. Auf jeden Fall komme ich selbst viel besser daran vorbei, denkt sich der Busfahrer, bis auch er stecken bleibt. Die Passagiere müssen aussteigen und bei 32 Grad buddeln und schieben.

Nicht auf dem Bild ist ein weiterer roter PKW, der zwar die stecken gebliebenen Autos sieht, sich aber denkt: die können einfach nicht fahren, ich komm da schon vorbei....

Der Stau hat sich über Stunden hingezogen, da nur ein kleiner Bagger zur Verfügung stand, um die ineinander verkeilten Unfall-LKWs auseinander und von der Straße zu ziehen. Irgendwann denken wir uns, mit unserem MAT kommen wir doch daran vorbei...?

Und tatsächlich schaffen wir es, als einziges Fahrzeug aus der ganzen Schlange, der Allradantrieb machte den Unterschied. Und die Kenianer, anstatt sich zu ärgern, dass sie warten oder gar buddeln müssen, sie freuen sich für uns und applaudieren. Manchmal ist Afrika doch ganz schön.