Jungel Junction

Langsam reicht es sogar mir jetzt mit der Jungle Junction hier in Nairobi. Ich bin ausgeruht und bereit, die nächsten Wochen wieder ohne den Luxus warmer Duschen, einer sauberen Küche und naher Supermärkte zu verbringen. Und einsam war es nie. Da die Jungle Junction unter Travellern in ganz Afrika berühmt ist, kommen einige seit Jahren regelmäßig hier vorbei, andere haben ernsthafte technische Probleme und möchten die Werkstatt nutzen. Auf jeden Fall hatte ich in den letzten Tagen viel Spaß mit den unterschiedlichsten Reisenden aus aller Welt.

Drei Wochen lang haben Kay und Bernd aus Hamburg ihren Bulli wieder in Ordnung gebracht. Die beiden St. Pauli Fans haben Karten für ein WM-Spiel am 11. Juni in Südafrika und auf ihrem Weg alle Schwierigkeiten mitgenommen, die sich ihnen so geboten haben: mehrere Einbrüche mit Diebstahl von iPhone und Navigationsgeräten in Nordafrika, 4 Tage und Nächte Schlammbuddelei für 400 Meter Strecke im Mago-Nationalpark in Äthiopien (wegen fehlender Bäume mussten sie ihren Reseverreifen eingraben, Winde und Winsch gingen dabei zu Bruch), Motorbrand in Kenia und anschließend noch Malaria. Vor der Reise haben sie beschlossen, sich nicht ärgern zu lassen und durch Zuhilfenahme der hiesigen Biervorräte gelang ihnen das bis jetzt auch ganz gut (http://www.vom-kiez-zum-kap.de/).

jungle

Mud Ronnsen and Mad Manu haben bei eBay günstig ein altes Feuerwehrauto erstanden. In die Doppelkabine haben sie ein Bett mit Zebrabezug eingebaut, ansonsten haben sie vom Anstrich bis zur Ausstattung alles im Originalzustand gelassen und sind eines Tages aus Bielefeld einfach losgefahren. Ihr Ziel ist ebenfalls die WM in Südafrika (http://downtocapetown.blogspot.com/).

Den großen Speicherraum in ihrem Auto nutzen sie gerne, um andere Traveller mitzunehmen, so z.B. Hendrik, der mit einer alten Enfield durch Afrika fährt, sich aber im Sudan ein Bein gebrochen hatte. Die Enfield wurde hinten verstaut, der fußlahme Hendrik vorne und so kamen sie immerhin bis Äthiopien. Hendrik wiederum sammelt Geld aus Deutschland und verteilt es persönlich auf Hilfsprojekten unterwegs (http://www.SocialWayDown.org). Auf der schwierigen Strecke von Moyale bis Isiolo konnte Natcho mitfahren. Natcho aus Spanien durchquert Afrika allein auf seiner Vespa, auch das ist möglich.

Jungle Junction

Hier gewinnt man den Eindruck, dass wirklich jeder durch Afrika so reisen kann, wie er möchte. Die meisten fahren einen Geländewagen mit Dachzelt, viele Motorradfahrer reisen mit Zelt. Manche nehmen öffentliche Verkehrsmittel oder das eigene Fahrrad. Und dann gibt es noch die ausgebauten Busse und LKWs. Die Leute arbeiten in ihrem Heimatland als Bankkaufleute, Krankenschwestern, Sozialarbeiter, Manager, Lehrer, Programmierer, Redakteure, Übersetzer, manche studieren noch, alles ist dabei. Sie haben sich unbezahlten Urlaub genommen oder nutzen die Zeit zwischen zwei Jobs. Einige kommen jedes Jahr für ein paar Wochen nach Afrika, für andere ist Afrika nur eine Station auf ihrer jahrelangen Weltreise. Die Art des Reisens, was Komfort, Geschwindigkeit und Geselligkeit anbelangt, variiert stark unter den Reisenden. Aber eins wird klar: Eine Reise zu machen ist letztendlich eine bewusste Entscheidung, die nicht am Budget scheitert.

Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir Carola mit ihrem Mann und den zwei Kindern Andreas (13) und Thomas (2). Als Nomaden auf Zeit sind sie schon mit einem kleinen Boot um die Welt gesegelt und zu Fuß durch Europa und Amerika gelaufen. Jetzt erkunden sie Afrika und nutzen dabei fleißig Couchsurfing. Zuletzt haben sie sich ein billiges Auto in Südafrika gekauft und sind damit bis Kenia gekommen. Am Busbahnhof Nairobi mussten sie ihr Auto aufgeben und sind seitdem wieder mit Rucksack und Bus unterwegs, durch die letzten Winkel Äthiopiens bis in den Sudan (http://nomadenaufzeit.de/blog/).

Da man sich unter Overlandern immer wieder trifft, bin ich schon gespannt, wen ich wiedersehe, in Sansibar oder am Malawie-See, an den Viktoria-Fällen, in der Kalahari- oder der Namib-Wüste. Afrika ist nicht so groß, wie man meinen könnte.