
Wir sind in Nairobi in der Jungle Junction. Hier finden wir, was das Travellerherz momentan begehrt: kühles Bier, warme Duschen und Internet. Außerdem einen Supermarkt in der Nähe, der solche Köstlichkeiten wie Schokolade und frisches Fleisch bereit hält. Es gibt nette Gesellschaft von anderen Reisenden aus aller Welt, neue Geschichten und alte Diskussionen.

So sah unser Diesel-Vorfilter aus...
Wir brauchen einen Plan für die nächsten Wochen, müssen waschen und blöde Finanzamtsdinge klären. Außerdem steht am MAT einiges an: Dieselfilter austauschen, Separ-Zusatzfilter und Laderegler einbauen, Batterien laden, Reflektoren anbringen... Die Liste ist länger als es Spaß macht, aber fangen wir einfach mal an.

Heute schießen wir alle Tiere, die uns vor die Linse kommen, mit unserem kleinen Tele ab. Ich kriege das Fernglas gar nicht von den Augen. Ist das toll.



Wie sehen jede Menge Zebras, Büffel und Thompson Gazellen. Am lustigsten sind eindeutig die Warzenschweine. Sie sind so hässlich wie selbstbewußt. Meist liegen sie faul und unsichtbar in Sandlöchern, bis man vorbeikommt und sie unter Protest aufspringen und mit wehender Mähne weglaufen. Dabei schwenken sie ihren kleinen Schwanz wie eine Fahne hektisch hin und her. Sie sind meine absoluten Favoriten.

Unser erster afrikanischer Nationalpark! Wir haben uns Hells Gate ausgesucht, weil man zu Fuß darin umherspazieren kann und weil er übersichtlich und angeblich noch nicht unchristlich überteuert ist. Und hier bekommen wir es zum ersten Mal mit der organisierten Nationalpark-Abzocke zu tun.
25 Dollar pro Person und Tag, 10 Dollar Camping (also nur Parken mit unserem MAT, keine Versorgung) und der MAT selber 50 Dollar pro Tag. Insgesamt also etwa einmal das durchschnittliche kenianische Monatseinkommen. Das Geld wandert übrigens nicht in den Park, sondern in die Taschen von Verwaltung und Polizei.
Wir verkaufen den MAT als "German Special Aluminum Light Car" mit einem Gewicht von nur 2,8 Tonnen und kommen so mit 20 Dollar für den LKW durch. Trotzdem ein teures Vergnügen.
Gratis bekommen wir nur ein Informationsblatt, das die Preise der bekannteren und größeren Parks auflistet: 60 Dollar pro Person und Tag für Massai Mara und Tsavo zum Beispiel. Und der LKW unbezahlbar. Das wird in Tansania sogar noch schlimmer: Serengeti für uns und den LKW pro Tag .Mittefristig brauchen wir einen Plan B.

Nachdem wir uns durch das Aufgebot an wartenden Führer gekämpft haben, die uns alle klar machen, dass wir ohne sie die Schlucht niemals finden und wenn doch niemals wieder zurück finden würden, steigen wir hinab in die Hell’s Gate- oder Njorowa-Schlucht. Wir sind fast alleine und in den engen Schluchten gibt es viele Fotomotive.

20/04: Kenia: Thompson Falls

Unser erster afrikanischer Wasserfall! Wir treffen Overlander, die von Südafrika hier hoch gekommen sind und über diese Thompson Falls in Niahururu vermutlich nur nur die Schultern zucken, aber wir finden's toll. Wir steigen zum Fuß des Wasserfalls hinab und finden eine verzauberte Welt voller Urwald, Chamälions und Sprühregen. Andere Touristen treffen wir nicht, aber einen kenianischen Langstreckenläufer, der die gefühlten 300 Stufen gar nicht merkt (im Gegensatz zu mir) und mir nur lachend von Löwen erzählt, die auf der anderen Seite der Schlucht hausen sollen.
Vor der Aussichtsplattform lerne ich die Kenianerinnen Ann, Elisabeth und Joan kennen, die ihre eigenen kleinen Bretterbuden mit Souvenirs (Curios) betreiben. Sie sind geschäftstüchtig, robust und lustig und ich genieße die Gesellschat und das langwierige Handeln um kleine Souvenirs. Das sind die ersten einheimischen Frauen seit Europa, die im öffentlichen Leben ihren Mann stehen.
19/04: Kenia: Am Äquator

Wir sind auf der Südhalbkugel! Begeistert halten wir vor diesem Schild an, steigen aus und machen ein Foto mit Selbstauslöser, obwohl mehrere Händler darauf lauern, uns Massaidecken zu verkaufen oder den tollen Trick zu demonstrieren, wie Wasserstrudel ihre Richtung vor und hinter dem Äquator ändern. Das verdirbt etwas den historischen Augenblick.
Nach einem Kilometer kommt noch ein Äquator-Schild, ebenfalls mit Verkaufsbuden umsäumt. Und nach einem Kilometer... Wir fragen uns, wie breit der Äquator eigentlich ist?

Nach Isiolo fahren wir an den Mount Kenia, mit 5.199 Metern der zweithöchste Berg Ostafrikas. Die Unesco hat diese Landschaft zum Weltnaturerbe erklärt und es ist auch wirklich einzigartig, alles ist grün und dicht bewachsen und riesengroß. Wir übernachten in der Mountain Rock Logde neben Pferden und Pavianen, außerdem gibt es heiße Duschen, deren Wasser durch Holzfeuer erhitzt wird. Herrlich.

Wir sind in einem Gebiet, das vor fast nackten und dafür reich verzierten und bemalten Ethnien (auf neuenglisch "Tribes") nur so wimmelt.
Da gibt es die Samburu (auf dem Foto), die vor allem in Marsabit und Isiolo mit Kopfschmuck, freiem Oberkörper, vielen Perlen und Silberketten und oft schreiend bunten (bevorzugt Pink) Röcken wie die Pfauen flanieren.
Die Hamer sind bekannt durch ihre mit rotem Ton gefärbten Haare, die Frauen lassen sich bei gegebenen Anlass auch gern mit nacktem Oberkörper auspeitschen. Garantierter Grusel und Gesprächsstoff für jede europäische Reisegruppe.
Die Karo haben einen Dorn in der Unterlippe, die Mursi eine runde Tonplatte, die Surmi eine eckige Tonplatte und so geht es weiter. Ein riesiger Menschenzoo. Busweise werden Touristen angekarrt, die den Hamermarkt dann hinter einem Maschendraht beobachten dürfen. Angekurbelt wird das Geschäft mit den "Urvölkern" durch Tourguides, von denen sich jeder rühmt, noch eine "von der Zivilisation unberührte" Familie zu kennen.
Die Völker selbst wissen meist um ihren Wert und fordern für jedes Foto Geld. Die Touristengruppen sind zufrieden, ihnen wird ja was geboten. Wir haben Rotel getroffen, gebucht haben die Kunden 3 Wochen von Addis nach Nairobi inklusive 5 Naturvölker für über 3000 Euro. Da es aber am Lake Turkana viel geregnet hatte, weigerte sich der Reiseführer vernünftigerweise, die Piste zu befahren, was ihm einen halben Aufstand seiner Gäste eintrug, die doch die Mursi und die Hamer "machen" wollten, und dafür letztendlich auch bezahlt hatten. Auch Hauser verspricht auf seiner Website reißerisch: "Die Surma haben sehr wenig Kontakt zur Außenwelt, ihre Traditionen sind daher noch lebendig. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen Donga (Stockkampf) erleben, ist sehr groß. Die bei diesen Kämpfen verwendeten Stöcke werden von einer phallusartigen Spitze geziert - es kann Blut fließen."
Der Individualreisende bekommt hier in der Gegend merkwürdige Probleme. Wenn man gar nicht fotografieren möchte, kann es passieren, dass man mit Waffengewalt zum Foto und zur Bezahlung gezwungen wird. Die Mursi (mit den Tellerlippen) kann man ab dem Nachmittag und nach dem Abzug des organisierten Tourismus nur noch betrunken antreffen. Die Somali dagegen zücken wütend ihre Gewehre, wenn man auch nur ihre Kamele fotografieren möchte, ihnen ist es einfach zu viel.
Uns auch, wir verzichten auf die große Volksgruppen-Besichtigungstour und treffen auch unterwegs auf spannende Menschen.

Hinter Yabello beginnt in Äthiopien ein Gebiet voller riesiger Termitenhügel. Rechts und links der Straße sieht es aus wie in einem Skulpturenpark. Wir sehen Mönche, Madonnen und glubschäugige Monster, sogar Rodins Denker ist hier vertreten.

Fast alle Bäume in der Gegend sind Akazien. Schirmakazien mögen wir besonders, die sind so fotogen. Aber auch die Flötenakazien sind interessant, denn sie leben mit speziellen Ameisen in Symbiose. Hier eine Flötenakazie mit Webervogelnestern.
Und dann gibt es noch die Fieberakazie, die so heißt, weil die Menschen, die sich unter ihr schlafen legten, bald Malaria bekamen. Das lag dann aber nicht am Baum, sondern am nahen Wasser, welche diese Akazienart und die Anophyles-Mücke gleichermaßen bevorzugen.

Außerhalb der Regenzeit ist es stellenweise sehr trocken. Und wenn dann Regen fällt, blüht die Wüste sofort, obwohl der Boden noch rissig von der Trockenheit ist.

So sieht die gefürchtete Moyale-Strecke also aus. Die Piste bietet alles: Felsen, große Steine, kleine Steine, jede Menge Wellblech und roten Sand in jeder Form von gleichmäßig festgefahren bis sehr tief ausgewaschen. Für Autos sind diese 500 Kilometer keine große Herausforderung, vorausgesetzt, es regnet nicht. Denn dann wird der rote Sand zur Rutschpartie und harmlose Flußdurchfahrten zu kleinen Seen.

Man kann auch bei gutem Wetter nicht schnell fahren, wir schafften zeitweise nur einen Schnitt von 15 km/h. Es zieht sich, aber die Gegend ist sehr abwechslungsreich und bietet viele Wüsten- und Savannenlandschaften. Nur die etwa 60 Kilometer Wellblech vor Isiolo waren nervtötend. Die drei Motorradfahrer unserer Gruppe hatten vor allem in den Passagen mit tiefem Kieselbett Schwierigkeiten.
Wir sind die Strecke in gemütlichen 4 Tagen gefahren. Wenn man sehr früh morgens und mit wenigen kurzen Pausen bis zur Dunkelheit fährt, kann man die Strecke auch in zwei Tagen schaffen. Bushcamping war kein Problem.
Es gibt auf der Strecke keine Konvoipflicht mehr, und wir wurden auch nicht überfallen oder bedroht. Am gefährlichsten sind wie immer die Busse und LKW, die so schnell fahren, dass die Fahrer eigentlich kaum noch Kontrolle über ihr Fahrzeug haben.

Äthiopischer Diesel ist in Yabello und Moyale zu haben, in Kenia dann im kenianischen Moyale und in Marsabit.
Mit Benzin sieht es schwieriger aus. In Yabello gibt es schon mal Engpässe und im äthiopischen Moyale gibt es Benzin offiziell nur für Taxis und Minibusse. Auf dem Schwarzmarkt gibt es aber nur unwesentlich teureres Benzin. In Marsabit gibt es meistens Benzin.

Die Chinesen bauen von Isiolo aus nach Norden eine Teerstraße. Im Moment (April 2010) sind ca. 60 Kilometer fertig. In 6 Monaten soll die Straße Marsabit erreichen, das ist aber eine sehr optimistische Planung. Schon jetzt ist die fertige Straße sehr wellig und in ein paar Jahren, wenn China genügend Geld mit dem Warentransport zwischen Äthiopien und Kenia verdient hat, ist die Straße wahrscheinlich schlimmer als die aktuelle Piste.

12/04: Äthiopien - Regenzeit

Die Zeit drängt, wir müssen weiter und dieses Tierparadies verlassen. Im April beginnt die Regenzeit in Kenia. Schon auf dem Weg in den Süden fängt es an zu schütten. Neben den Straßen sind Sturzbäche, die rote Erde verwandelt sich in große Matschflächen, Mensch und Vieh drücken sich unter die kleinen Vordächer der Hütten. Als wir vor nur wenigen Wochen in Äthiopien ankamen, haben wir über die Leute mit den Regenschirmen gelacht - jetzt wissen wir, wie sinnvoll so ein Ding sein kann.

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit dem Auto von Äthiopien nach Kenia zu kommen. Die landschaftlich schönere Strecke führt am Lake Turkana vorbei. Wenn es zu viel regnet, wird diese Strecke allerdings unbefahrbar. Man kann sich nach jedem Regen aussuchen, ob man ein paar Tage wartet, bis die Erde wieder trocken ist oder sein Auto aus dem Schlamm buddelt. Außerdem gibt es an der Grenzstation keinen Einreisestempel für Kenia. Den muss man sich in Nairobi besorgen und bis dahin ist man mehr oder weniger illegal im Land.
Die Hauptpiste mit offizieller Grenzstation führt über Moyale und Marsabit naxh Isiolo. Diese Piste soll allerdings in einem fürchterlichen Zustand sein. Typisch für Afrika ist, dass wir keine richtige Information über diese Piste bekommen, selbst von Leuten nicht, die gerade nordwärts über die Straße nach Äthiopien kamen. Manche zucken nur die Schulter, andere sprechen von der schrecklichsten Erfahrung ihres Lebens.
Da es munter weiter regnet und damit die Turkana-Strecke für uns ins Wasser fällt, werden wir es ja bald selber wissen.

Neben den Meeerkatzen wohnt auch eine Colobus-Familie in der Hotelanlage. Diese Affen sehen wirklich lustig aus. Ihr Gesicht erinnert mich an einen deutschen Rentner mit akkurat geschnittenem Bart und kritisch-aufmerksamen Blick. Auf ihrem schwarzen Rücken befindet sich ein weißer Haarkranz, der bei Sprüngen von einem Baum zum anderen lustig flattert. Vervollständigt wird das Bild durch einen langen Schwanz mit einem dicken weißen Haarbüschel.

Dieser Colobus späht in die Führerkabine von Achim und Andrea. Wäre dort etwas zu essen, würde er eine Möglichkeit suchen, daran zu kommen. Schiebefenster sind da kein Hindernis.

Unser Campingplatz ist eine Wiese vor einem Hotel. Wir stehen direkt am See und hier gibt es so viele Tiere, dass man sich gar nicht bewegen muss, nur schauen.
Eine Gruppe von sechs riesigen Fischadlern kreist über dem Wasser. Auf einem Baobab sitzen Marabous, ebenfalls eindrucksvoll groß. Wir sehen sogar zwei seltene Sattelstörche vorbeifliegen, daneben Schwärme von Ibissen und eine bunte Gänsefamilie. Ein schwarz-weiß marmorierter Eisvogel steht flatternd über dem Wasser, bis er seine Beute erspäht und senkrecht hinabstößt.
In etwa 200 Meter Entfernung schnauben drei Flußpferde laut vor sich hin. Nachts kommen sie manchmal auf unsere Wiese grasen, sagt der Manager, dann sollten wir lieber nicht spazieren gehen. Wir möchten aber sowieso nicht nachts spazieren gehen, dann können die Hippos die Wiese für sich haben.

Eine große Horde von grünen Meerkatzen erkundet unsere Autos. Sie lassen sich füttern und sind sehr zutraulich, vor allem aber neugierig. Nichts ist vor ihnen sicher. Als ich aus dem Küchenfenster schaue, sehe ich etwa 20 Affen mit roten Nasen an mir vorbeirennen: Andrea und Achim haben ihre Dachluke offen gelassen, das haben die Affen ausgenutzt und alle Tomaten geklaut.

Was sie nicht essen können, lassen die Affen eigentlich in Ruhe. Aber heute greift sich eine Meerkatze eine Waschmitteltablette, freut sich schon, lässt das Päckchen nach dem ersten Probieren dann aber doch fallen. Wir haben eine Menge Spaß mit dieser Affenbande.
09/04: Äthiopien - Einbrüche

Endlich wieder Asphalt! Auf dem Weg von Sodo nach Shashemene werden wir von einem deutschen 911er überholt, auch ein Mercedes Benz, aber älter als unser Modell. Achim und Andrea (www.paulchen-on-tour.de) fahren nach Norden, sie sind seit 19 Monaten unterwegs, über die Westküste Afrikas gestartet und nun auf dem Weg nach Hause.
Gemeinsam fahren wir durch Awassa, als ihr Auto plötzlich in Schieflage gerät. Ein Reifen ist die Kanalisation eingebrochen, die Betonplatte über dem Kanal hat das Gewicht des Autos nicht ausgehalten. Sofort bildet sich eine große Menge von Schaulustigen. Überall sind Äthiopier, so dass wir kaum Platz haben, das Abschleppseil anzulegen.
Unser MAT zieht den Rundhauber im ersten Anlauf aus dem Loch. Von der Zementplatte bleiben nur kleine Brocken übrig. Die Menge applaudiert und wir schauen, dass wir Land gewinnen. Sonst kommt noch einer auf die Idee, die weißen Millionäre könnten ein paar Hundert Dollar für das dünne Betonplättchen bezahlen.
Wir finden einen wunderschönen Campingplatz direkt am See und machen es uns gemütlich. Auch Kathy und Jonathan treffen ein, die zwei Lüneburger mit ihrem Volvo, die wir schon in Kairo kennen gelernt haben. Die Traveller-Welt ist doch klein.

Zweiter Pistentag: heute 30 Kilometer geschafft. Wenn wir in diesem Tempo weiter kommen, brauchen wir ca. 2 Wochen für die Strecke. Aber die Gegend ist so schön. Weite Täler, ein Bauernhof neben dem nächsten, jeder mit hübschen Rundhütten, Gemüsebeeten, Trockenplätzen und sogar Blumenrabatten.

Fast alle Äthiopier außerhalb von Addis wohnen in Rundhütten mit Strohdach. An der Tür sowie der Konstruktion und Bemalung der Außenwand und der Spitze des Mittelpfahls kann man verschiedene Völker und sogar Familien unterscheiden. Mir ist die Möblierung ein Rätsel: wie bekommt man Betten und Schränke in eine runde Hütte?


Nach Jimma und Bonga könnten wir weiter westwärts fahren, aber diese Pisten sind einsam und schlammig, das scheint uns doch eine ungemütliche Kombination. Die Straße zurück zu fahren ist aber langweilig. Also nehmen wir die alte Piste in Richtung Sodo. Hier ist in den letzten Jahren kaum ein Auto entlang gefahren. Unser guter MAT macht die Bergziege und klettert langsam, aber sicher über Steine jeder Größe. An diesem ersten Pistentag schaffen wir ganze 20 Kilometer.

Wir treffen ein paar Fußgänger und Reiter. Die meisten schauen interessiert, manche springen aber auch angstvoll ins Gebüsch, als sie diese merkwürdig weißen Fremden sehen. Touristen sind hier anscheinend sehr selten, es gibt keine Anmache, keine Bettelei, nur ruhige und freundliche Menschen; wir fühlen uns pudelwohl.
06/04: Äthiopien - Omo River

Hier ist das Panorama des Rift Valley mit dem Omo River. Da müssen wir durch. Auf den nächsten 20 Kilometer heißt es also von 2600 Meter runter auf 200 Meter und auf der anderen Seite wieder hoch.
05/04: Äthiopien - Feldarbeit

Es ist kurz vor der Regenzeit und die Felder müssen vorbereitet werden. In Äthiopien geht das mit zwei Ochsen, einem Pflug aus Holz und Eisen und viel Kraft.
04/04: Äthiopien - Berge

Vor dem Bergregenwald liegen die Kaffeeplantagen am Weg. Ich erwarte, was mir die Werbung über äthiopischen Hochlandkaffee versprochen hat: lächelnde Äthiopier mit schneeweißen Kopftüchern, die vor einem atemberaubenden Panorama den in Reihen gepflanzten Kaffee fröhlich von den Büschen pflücken.
Wir suchen stundenlang, finden aber nur meterhohes Gebüsch und Bäume. Irgendwann merken wir, dass das der Kaffee ist. Wenn keine roten Bohnen daran hängen, sehen diese Kaffeeplantagen so aus wie ein unordentlicher Urwald. Die Werbung hat da also schamlos an der Wahrheit gedreht. In Reihen gepflanzt werden nur die kleinen Setzlinge, die Damen tragen keine weißen Tücher und das Panorama ist voller Urwald. Aber: das Lächeln ist echt.
03/04: Äthiopien - Addis Ababa

Wir sind in der Hauptstadt Addis Abeba. Treffpunkt aller europäischen Durchreisenden ist hier Wims Place. Direkt neben dem Hauptbahnhof (von dem nur ein Zug nach Dschibuti fährt) befindet sich das Grundstück mit einem kleinen Campground und einer großen holländischen Kneipe.
Hier bleiben wir erstmal, obwohl es recht eng und teuer ist, denn wir müssen Visa beantragen und eine Auto-Versicherung für die nächsten Länder abschließen. Außerdem brauchen wir endlich wieder Internet und möchten mal etwas anderes essen außer dem Schaumstoffbrot Injiera mit Linsen. Und es sind viele lustige Leute da, mit denen man abends ein schönes Bier trinken und abenteuerliche (meist ausgedachte oder zumindest übertriebene) Overlander-Geschichten austauschen kann.
Addis selbst ist eine laute, schmutzige und schnell wachsende Stadt voller Straßenverkäufer, Schuhputzer, Businessmen, Studenten und Bettler. Bis vor ein paar Jahren, so erzählt uns Wim, gab es nur ein einziges Hochhaus und einen Baukran, was die Orientierung recht einfach machte. Jetzt wird überall gebaut, und wie üblich besetzen die Banken und großen Hotels die größten Gebäude.
Mit den Minibussen hangeln wir uns von einem Verkehrsknotenpunkt zum nächsten, besorgen uns ein Verlängerungsvisa für Äthiopien und auch schon mal das Visum für Kenia. Geht alles ohne Probleme und wird schnell erledigt, kostet nur Geld. Wir kaufen uns ein zusätzliches Handy und eine äthiopische SIM-Karte, und ich kann damit wenigstens Heike noch anrufen, bevor uns das Handy wieder gestohlen wird. Wir essen Spaghetti, Pizza und Kuchen, alles sehr lecker und günstig. Im Restaurant bestellt ein deutscher Geschäftsmann neben uns tatsächlich einen Salat und beschwert sich dann über die tote Kakerlake zwischen den Salatblättern. Anfänger!
Nach ein paar Tagen sehnen wir uns nach Ruhe, Raum und frischer Luft, und so verlassen wir Addis in südlicher Richtung. Wir haben gelesen, dass es in den westlichen Bergen noch primären Regenwald gibt, das wollen wir uns mal anschauen.
02/04: Aethiopien - Die Afar
Am Straßenrand stehen einige ungewohnte Gestalten: Große dunkle und stille Männer mit langen Haaren und Holzkämmen darin. Das müssen Afar sein, denken wir, das wilde Volk der Danakil-Wüste. Wir fahren jetzt durch ihr Gebiet...

Die Afar leben in der Danakil-Wüste. In dieser Wüste herrschen Hitze und Dürre, die höchsten jemals auf der Erde gemessenen Temperaturen wurden hier aufgezeichnet. Die Afar haben sich diesem Lebensraum angepasst, sie sind rauh und zäh, und sie sind stolz. Die heutigen Ländergrenzen von Äthiopien, Eritrea oder Djibouti sind ihnen ziemlich egal. Sie halten sich auch nicht gerne an geltende Landesgesetze. Sie sind kriegerische Nomaden, die früher vom Salzhandel lebten und heute vor allem Vieh halten.
Noch bis 1930 war es lebensgefährlich, ohne ihre Erlaubnis durch die Danakil zu reisen. In jedem Reiseführer steht, dass ein junger Afar die getrockneten Genitalien eines Feindes bringen musste, um als Mann anerkannt zu werden. Ob wahr oder nicht, bis noch vor ein paar Jahren war auf den Danakil-Straßen Konvoipflicht und ein lange in Äthiopien wohnender GTZ-Mitarbeiter erzählte uns später, dass es oft Überfälle gab, bei denen zwar niemand getötet wurde, aber alle Wertsachen eingesammelt wurden.

In tausenden von Jahren konnte niemand und nichts die Afar bezwingen, kein König, keine Armeen, keine Kolonialmächte, keine Religion. Aber der globale Kapitalismus mit seiner Jagd nach persönlichem Wohlstand hat es geschafft. Die besten äthiopischen Teerstraßen führen von Addis aus durch die südliche Danakil zum Hafen von Dschibouti, damit die LKW die für den Export bestimmten Waren schnell zum dortigen Hafen bringen können.
Mit dieser Straße müssen und wollen die Afar heute leben, denn die LKW-Fahrer kaufen auch die Kohle und das Feuerholz, dass die Afar-Familien am Straßenrand verkaufen. Geschäft ist auch hier Geschäft.

Wir bleiben auf der Hauptstraße, trinken Kaffee in kleinen Dörfern und schauen uns um. Die Männer sind ernst und stumm. Frauen tragen Perlenschmuck im Haar, schwarze Kleidung, sind manchmal oben ohne, schlank und oft wunderschön.
Wie überall in Äthiopien (oder eigentlich ganz Afrika) tragen die Männer schwer an ihrer Autorität, während die Frauen Wasser und Holz schleppen, die temporären Hütten errichten, im Haushalt schuften, sich um die Kinder kümmern und wunderbarerweise dabei trotzdem immer noch besser gelaunt sind als ihre Männer.
Es sind eindrucksvolle Tage und ich würde gerne länger bleiben. Aber unser Visum läuft bald aus und wir müssen nach Addis, um es zu verlängern. Schade.
---- Info ----
Wir fragen grundsätzlich, bevor wir jemanden fotografieren, aber die meisten Afar verneinen, und dann lassen es auch. Die Strecke Bati - Mile - Gesane - Awash wird ansonsten kaum von Touristen befahren und schon gar nicht von organisierten Touren. Wir haben direkt neben der Hauptstraße übernachtet und wurden nicht behelligt. Zwischen Bati und Mile ist teils sehr löchrige Steinpiste. Ab Mile herrscht viel (LKW)Verkehr, und die Straße ist von dort an Richtung Addis in hervorragendem Zustand.

Die Afar leben in der Danakil-Wüste. In dieser Wüste herrschen Hitze und Dürre, die höchsten jemals auf der Erde gemessenen Temperaturen wurden hier aufgezeichnet. Die Afar haben sich diesem Lebensraum angepasst, sie sind rauh und zäh, und sie sind stolz. Die heutigen Ländergrenzen von Äthiopien, Eritrea oder Djibouti sind ihnen ziemlich egal. Sie halten sich auch nicht gerne an geltende Landesgesetze. Sie sind kriegerische Nomaden, die früher vom Salzhandel lebten und heute vor allem Vieh halten.
Noch bis 1930 war es lebensgefährlich, ohne ihre Erlaubnis durch die Danakil zu reisen. In jedem Reiseführer steht, dass ein junger Afar die getrockneten Genitalien eines Feindes bringen musste, um als Mann anerkannt zu werden. Ob wahr oder nicht, bis noch vor ein paar Jahren war auf den Danakil-Straßen Konvoipflicht und ein lange in Äthiopien wohnender GTZ-Mitarbeiter erzählte uns später, dass es oft Überfälle gab, bei denen zwar niemand getötet wurde, aber alle Wertsachen eingesammelt wurden.

In tausenden von Jahren konnte niemand und nichts die Afar bezwingen, kein König, keine Armeen, keine Kolonialmächte, keine Religion. Aber der globale Kapitalismus mit seiner Jagd nach persönlichem Wohlstand hat es geschafft. Die besten äthiopischen Teerstraßen führen von Addis aus durch die südliche Danakil zum Hafen von Dschibouti, damit die LKW die für den Export bestimmten Waren schnell zum dortigen Hafen bringen können.
Mit dieser Straße müssen und wollen die Afar heute leben, denn die LKW-Fahrer kaufen auch die Kohle und das Feuerholz, dass die Afar-Familien am Straßenrand verkaufen. Geschäft ist auch hier Geschäft.

Wir bleiben auf der Hauptstraße, trinken Kaffee in kleinen Dörfern und schauen uns um. Die Männer sind ernst und stumm. Frauen tragen Perlenschmuck im Haar, schwarze Kleidung, sind manchmal oben ohne, schlank und oft wunderschön.
Wie überall in Äthiopien (oder eigentlich ganz Afrika) tragen die Männer schwer an ihrer Autorität, während die Frauen Wasser und Holz schleppen, die temporären Hütten errichten, im Haushalt schuften, sich um die Kinder kümmern und wunderbarerweise dabei trotzdem immer noch besser gelaunt sind als ihre Männer.
Es sind eindrucksvolle Tage und ich würde gerne länger bleiben. Aber unser Visum läuft bald aus und wir müssen nach Addis, um es zu verlängern. Schade.
---- Info ----
Wir fragen grundsätzlich, bevor wir jemanden fotografieren, aber die meisten Afar verneinen, und dann lassen es auch. Die Strecke Bati - Mile - Gesane - Awash wird ansonsten kaum von Touristen befahren und schon gar nicht von organisierten Touren. Wir haben direkt neben der Hauptstraße übernachtet und wurden nicht behelligt. Zwischen Bati und Mile ist teils sehr löchrige Steinpiste. Ab Mile herrscht viel (LKW)Verkehr, und die Straße ist von dort an Richtung Addis in hervorragendem Zustand.
01/04: Aethiopien - Vogelwelt

Äthiopien ist voller Vögel, es ist unglaublich. Ich bin kein Spezialist für Vögel, eigentlich interessieren sie mich gar nicht. Aber hier fliegt so viel schönes buntes Gefieder herum, dass ich doch mal das Kapitel im Reiseführer aufgeschlagen habe. Die meisten Vögel sind nicht scheu, sondern eher neugierig und damit gut zu beobachten.

Der häufigste Vogel am heutigen Tag ist der Rotschnabeltoko. Alle paar Meter sitzt einer im Baum oder fliegt vor uns über die Piste. Weiter unten in der Ebene gibt es mehr Akazien und damit Schwärme von blau- und grünschimmernden Singvögel, die nicht in meinem schlauen Buch vorkommen. Die Pfirsischköpfchen sind hübsch grün mit orangenem Kopf, und man hört ihr Papageiengemurmel schon bevor man sie sieht.

Als wir für einen Kaffeestopp anhalten, kommt ein Riesentrappen-Pärchen vorbei und schaut, was wir da machen. Katzmat schleicht hin, mutig mutig, die Viecher sind größer als er. Und auch schneller, wie sich zeigt.
In einem Busch direkt an der Straße sitzen Perlhühner eng beieinander. Sie haben einen blauen Kopf, schwarzes Gefieder mit weißen Tupfen, einen roten Rand um den Schnabel und ein martialisch aussehendes kleines Horn auf dem Kopf. Dieses Horn passt eigentlich nicht zu den etwas dummen und eher feigen Hühnern, und wem soll das eigentlich Angst machen?
Mitten in der Stadt Mile sitzen ein paar Nimmersatt auf dem Müllberg eines Hotels. Sie sehen fast so aus wie Störche, sind aber noch größer. Über der Stadt kreisen wie üblich sehr viele Bussarde. Laut Buch gibt es mindestens 6 Arten, dazu diverse Falken und Habichte, die ich erst gar nicht versuche auseinander zu halten. Nur den majestätischen afrikanischen Fischadler, den erkennt man sofort. Was ist nur passiert in Europa, dass man alle diese herrlichen Raubvögel nur noch in überfahrenem Zustand auf der Autobahn sieht?

Höhepunkt des heutigen Tages ist allerdings ein Massai-Straußenpärchen, das vor uns über die Straße läuft. Zwei Meter hoch sind die Viecher und 50 bis 70 km/h schnell. Das heißt: Der Strauß kann erst mal bei voller Pistengeschwindigkeit neben uns herlaufen und zum Fenster reinschauen, um uns dann elegant aus dem Kniegelenk zu überholen und davonzulaufen.