30/03: Aethiopien - Markttag

In jedem kleinen äthiopischen Dorf gibt es einen Shop mit Seife, Mehl, Nudeln, Tomatenmark und Gin. Mehr ist es außerhalb der Städte nicht zu kaufen, es sei denn auf dem wöchentlichen Markt. Dort gibt es dann noch Linsen und Getreide, Zwiebeln, Knoblauch, Chili, Kartoffeln und Tomaten, Salz und Gewürze. Wir fahren also auf den Markt irgendwo zwischen Dessie und Bati und möchten uns mit frischen Sachen eindecken.

Beim Einkaufen gibt es allerdings ein paar kleine Probleme. Viele Händler haben Angst vor mir oder ignorieren mich. Dafür sind die Marktbesucher umso neugieriger, und ich bin bald umringt von Menschen, die mir Fragen stellen, mich anlachen oder mit ihrem Nachbarn diese merkwürdig weiße Erscheinung diskutieren. Äthiopier gehen gerne auf Tuchfühlung, ob Freund oder Fremder, und so sind bald überall Gesichter vor und Hände an mir. Es macht einen Riesenspaß, aber wir bringen den Marktbetrieb anscheinend nachhaltig durcheinander, und so gehen wir bald wieder, damit Ruhe einkehrt. Kaufen konnten wir nichts. Als wir schon fahren wollen, kommt ein Junge angerannt und überreicht uns von einer unserer Kameras die Verschlusskappe, die wohl offensichtlich verloren gegangen war. Natürlich will er dafür nichts haben. Auch das ist Äthiopien - außerhalb der Touristenpfade.
29/03: Aethiopien - Farbe

Für mich hat Äthiopien drei Farben:
- Terrakotta wie die Erde, viele Häuser und auch der Unterbau unseres Mats
- Grün in allen Schattierungen, vom Dunkelgrün der zähen Schirmakazie bis zum Hellgrün der terrassierten Reisfelder im Hochland
- Braun wie das Geröll der Pisten und die Farben der Ziegen und Kühe.

Es gibt kaum künstlich grelle Plastikfarben, sauber gewaschene Werbefarben oder strombetriebene Leuchtfarben. Die Dörfer und kleinen Städte spiegeln noch die Natur wider, die Häuser sind aus Lehm gebaut, die Baugerüste aus Holz, und alle Menschen und Tiere tummeln sich auf der Straße. Über allem strahlt hell die Sonne, da man sich fast immer höher als 2000 Meter befindet. Vielleicht hat sich Äthiopien ja auch deshalb tief in meinen Kopf gebrannt.
28/03: Aethiopien - OldWoldyaRoad

Erich und Alexandra sind gestern westwärts nach Bahir Dar gestartet, wir fahren heute nach Osten Richtung Weldiya, unsere Wege trennen sich also in Lalibella.
Da "Zurück ist doof" unser Wahlspruch ist, nehmen wir nicht die Hauptpiste, die in der Karte und den Reiseführern verzeichnet ist, sondern folgen einer wenig (und von Touristen gar nicht) befahrenen Piste, der Old Woldiya Road.
Wir schaukeln gemütlich über Stock und Stein, vorbei an kleinen Dörfern, durch trockene Täler und über kalte Bergpässe. Eine wunderschöne Landschaft. Auf einem Teilstück, mitten im Nirgendwo, bauen die Chinesen eine breite Teerstraße. Wir sehen nicht, woher die Straße kommen soll oder hinführt. Für uns ist das so absurd, wie wir für die Bewohner der stillen Bergdörfer fremd sind.

Nach ein paar Stunden stehen wir wieder an der geteerten Hauptstraße. Nach all den Kilometern durch Stein und Sand ist es entspannend und langweilig zugleich, auf den Teer aufzufahren. Natürlich kommt man viel schneller voran und wir sind bald im LAL-Hotel in Waldiya, wo man uns für 50 Birr auf dem großen und grünen Parkplatz übernachten lässt.
26/03: Aethiopien - Lalibela

Es war einmal vor 800 Jahren, da herrschte ein König namens Lalibela über die alte Stadt Roha. Dieser König wollte nach Jerusalem reisen und dort sterben, aber bevor er zu seiner Reise aufbrechen konnte, erschien ihm Gott, zeigte ihm im Traum die Heiligtümer Palestinas und befahl ihm, hier in Roha ein zweites Jerusalem zu bauen.
Also nannte König Lalibela den winzigen Fluß, der während der Regenzeit durch Roha strömt, in Yordanos um und benannte zwei Plätze nach Golgatha und Sinai. Das wichtigste aber: Er ließ ein paar Kirchen in den weichen Tufffstein hauen, und weil diese zu seinen Lebzeiten nicht mehr fertig geworden wären, bauten des Nachts die Engel weiter.

Als die von Gott geforderten Kirchen fertig waren, war König Lalibela glücklich und froh. Er feierte große, ausschweifende Feste mit Wein, Weib und Gesang und übertrieb endlich so mit seiner Feierei, dass ein wütender Engel erschien. Der König fiel auf die Knie und flehte um Gnade. Der Engel forderte Besserung und eine weitere Kirche. Kaum war diese Kirche fertig, war der König Lalibela glücklich und froh und feierte aufs Neue, bis der nächste Engel erschien...
Irgendwann lernte der König, dass Enthaltsamkeit seinem Staatshaushalt besser bekam. Also war Schluss mit all den Parties. Trotzdem kam noch ein wütender Engel vorbei: So viele Heilige hätten ihre eigene Kirche, nur er nicht. Also rief König Lalibela wieder nach seinen Architekten und fügte sich in sein Schicksal, das hauptsächlich aus dem Bauen von Kirchen zu bestehen schien.

Diese Geschichte erklärt, warum es in Lalibela so viele Felsenkirchen gibt. An die Stelle der Engel sind heute Priester getreten, die mindestens ebensoviel Geld von dem reichen Touristen möchten wie der Kollege in der Nachbarkirche. Und wie in der Geschichte wohnen in Lalibela nun Geltungsdrang, Geld und echter Glaube friedlich Tür an Tür.
24/03: Aethiopien - Felsenkloster

Äthiopien ist berühmt für seine Felsenklöster. Bevor wir nach Lalibela fahren, dem kulturellen und touristischen Zentrum Äthiopiens, möchten wir erst einmal die kleine Felsenkirche Petros und Paulos in der Nähe von Wukro besuchen. Die Kirche ist ausgeschildert, trotzdem nehmen wir uns einen jungen Guide, einfach um uns nicht um alle die folgenden Jungen kümmern zu müssen, die uns ebenfalls führen möchten.

Kaum sind wir angekommen, bildet sich eine Menschentraube um unser Auto. Wir beauftragen ein Mädchen mit der Bewachung unseres LKWs. Sie leiht sich umgehend den Holzknüppel ihrer Mutter und bezieht Stellung. Super.

An einem Abhang kann man die Kirche schon sehen, wir müssen nur noch eine steile Felswand hinauf. Glücklicherweise hat man eine wackelige Holztreppe gebaut, sonst hätten wir mit Händen und Füßen in kleinen Löchern im Fels Halt suchen müssen. Unser Guide hat inzwischen den zuständigen Priester aufgetrieben und den Schlüsselwächter, in diesem Fall die Frau des Priesters. Oben angekommen, kommt es zur Preisverhandlung: Der Priester möchte Geld dafür, überhaupt da zu sein, seine Frau für die Öffnung der Tür, beide einen Bonus fürs Fotografieren sowie eins Extra für die Kirche. Wir einigen uns auf 20 Birr für jeden und dürfen eintreten.

Die Kirche wurde vor kurzem renoviert, das Holzdach ist neu, die schönen Malereien wurden restauriert und die Wände gestrichen. Es gibt einen Tümpel mit heiligem aber veralgtem Wasser, eine Felsennische mit ein paar Schädeln (hoffentlich auch heilig) sowie zwei Räume für die Messe. Der Ausblick ist fantastisch und die Gemälde sehr äthiopisch, naiv und gleichzeitig eindrucksvoll. Ein gelungener Besuch, und jetzt sind wir richtig gespannt auf Lalibella.

23/03: Aethiopien - Kinder

Kinder sind in Äthiopien überall. Egal, wo man hinkommt, sie sind schon da oder kommen gerade angerannt. Im Durchschnitt hat jede Familie 6 bis 8 Kinder und da die Mutter mit dem Haushalt (ohne Strom und fließend Wasser) genug zu tun hat, sind die Kleinen sich selbst überlassen bzw. arbeiten auf dem Feld, als Viehhirten oder Schuhputzer. Es gibt eigentlich genügend Schulplätze, der Unterricht ist aber marginal und wird vor großen Klassen und in Schichten abgehalten. Viele Eltern schicken ihre Kinder außerdem nicht in die Schule, schließlich waren sie ja auch nicht dort und es hat nicht geschadet.

Als echte Äthiopier sind eigentlich alle diese Kinder offen und kontaktfreudig. Natürlich gibt es nervige Kinder bis zur Bösartigkeit, darunter finden sich die Steinewerfer und hartnäckigsten Geldforderer. Das ist aber die Ausnahme. Fast alle Kinder freuen sich, wenn man mit ihnen spricht, dann präsentieren sie stolz ihr bisschen Englisch und machen Späße. Einige möchten auch etwas aus sich machen. Ein Junge von ca. 12 Jahren erzählte mir in gutem Englisch schüchtern von seiner Schule und fragte nach einem Kugelschreiber. Ich gab ihm einen Bleistift und ein leeres Heft. Er weinte fast und sagte, das gäbe ihm Mut auf seinem Weg, ein Doktor zu werden. Himmel!

Äthiopiens Bevölkerung explodiert. Äthiopier möchten viele Kinder, denn erstmals seit Jahrzehnten ist stabiler Frieden, und man kann in Ruhe sein Feld bebauen. Und die Kinder sorgen für einen, wenn man alt ist. Nur wird es, wenn all diese Kinder groß sind, nicht genügend Jobs für alle geben. Und noch lange keine übergreifende Infrastruktur für Strom, Wasser, Transport und Müll.
22/03: Aethiopien - Axum

Axum ist für die Äthiopier das Rom der Europäer. Hier in der alten Kathedrale soll sich angeblich sogar die Bundeslade befinden. Von unserem Übernachtungsplatz kann ich auf die Kuppel der Kathedrale schauen und denke mir, dass ich sie gerne sehen würde, die Tontafeln mit den 10 Geboten, die Gott Moses diktiert hat. Das aber ist schwierig, denn erstens ist Frauen der Zugang zur Kathedrale verboten, und dann befindet sich die Lade natürlich in einem Versteck, dessen geheime Position seit Jahrtausenden von Priestern gehütet und nur auf dem Totenbett an den Nachfolger weitergegeben wird. Das steht so im Reiseführer und ich begnüge mich mit Träumen vom heiligen Schatz.

Am nächsten Tag besuchen wir den Stelenpark, laut Reiseführer "das Wahrzeichen äthiopischer Kultur". Die Stelen sehen aus wie Obelisken, sind aber eigentlich Grabsteine. Sie haben eine Scheintür und einige angedeutete Stockwerke, stellen also ein Haus dar.
Die erste und größte Stele (33,5 Meter hoch) ist schon beim Aufstellen umgestürzt und liegt nun seit Hunderten von Jahren gemütlich herum. Die zweite Stele haben die Italiener nach Rom gebracht und erst 2002 zurückgegeben. Im Stelenpark gibt es einige dunkle unterirdische Gänge, die man mit Taschenlampen erforschen kann und einen großen Steinhaufen, wahrscheinlich historisch wichtig, im Moment aber von einer Hündin bewohnt, die ihren frischen Wurf Welpen laut verteidigt.

Von Gondar aus geht es nach Norden, unser Ziel ist der Simien-Nationalpark. Dies ist eine der Hauptstrecken Äthiopiens, aber trotzdem nur eine Piste in streckenweise katastrophalem Zustand. Am ersten Tag schaffen wir gerade mal 60 Kilometer, am zweiten immerhin 120. Am dritten Tag schließlich erreichen wir nach weiteren 180 Kilometer Axum. Vor uns soll eine deutsche Reisegruppe in eigenen Fahrzeugen die gesamte Strecke an einem Tag geschafft haben. Vielleicht ist das möglich, wenn man Mensch und Fahrzeug schonungslos über über Schlaglöcher und Wellblech jagt. Die Gruppe soll danach jedenfalls ein paar Reifenschäden und eine längere Ersatzteil-Anforderungsliste an den deutschen ADAC haben. Wir dagegen kommen heil und recht entspannt an.

Den Simien-Nationalpark selber kann man von der Hauptstraße aus erreichen. Er kostet Eintritt und man muss sowohl Führer als auch Guide (einen zur Bewachung, einen zur Beantwortung evtl. Fragen) auf eigene Kosten mitnehmen. Schamlose Geldmacherei, keine Frage, aber das hätten wir alles gemacht. Leider ist die Mitnahme von Tieren nich erlaubt. Keine Ausnahmen und unsere Katze lassen wir nicht allein, also bleiben wir draußen.

Aber auch die Hauptpiste führt mitten durchs Gebirge. Wir machen viele Fotostopps und trinken einen Kaffee an den schönsten Aussichtspunkten. Dann bekommen wir schnell Besuch von Kindern, die das übliche möchten: Kugelschreiber (you! Bin! Gimmi!) und Geld (You! Many! Pay!). Das kennen wir schon. Neu ist allerdings der Wunsch: You! Plastic!
Plastik? Wir rätseln länger, bis wir herausfinden, dass sie Plastikflaschen, -behälter oder -tüten suchen. Nicht einmal das können sich ihre Familien leisten. Was wir nicht brauchen, geben wir ihnen.
20/03: Aethiopien - Gonder

Irgenwann müssen wir aus dem Paradies wieder raus auf unsere Route. Wir besuchen heute also Gonder, unsere erste größere äthiopische Stadt.
Schön, hier gibt es viele Restaurants. Leider, so lernen wir, ist Fastenzeit und damit gibt es für die nächsten 55 Tage kein Fleisch, d.h. während unseres gesamten Äthiopien-Aufenthalts. In den nächsten Tagen essen wir also Pommes mit Ketchup, Spaghetti mit Tomatensauce und Pizza, etwas anderes gibt es nicht. Kein Fleisch, kein Käse, kein Gemüse für die nächsten Wochen in Äthiopien.

Im 18. Jahrhundert gab es in Gondar einen richtigen Königshof mit Rechtsgelehrten und Künstlern, Musikern und einem höfischen Leben, das dem in Europa in nichts nachstand. Einige europäische Reisende haben damals davon berichtet, aber man glaubte ihnen zu Hause nicht.
Heute geht es uns nicht anders. Man ist in Afrika, kommt aus der Wüste über die Berge, geht durch ein steinernes Tor und steht in einer Palastanlage, die auch in Italien stehen könnte. Große Bankettsäle mit originalem Parkett, Kirchen, Wehrtürme, Tore, Badehäuser und Bibliotheken. Zeitzeugen berichten, einige Räume seien mit Elfenbein ausgekleidet gewesen, andere mit venezianischen Spiegeln. Eine wunderschöne Königin soll hier regiert haben, und es gibt heute noch Bilder von ihr in alten Bibeln, die sie wohl bezahlt hat und dafür auch dort verewigt wurde.

Wir stehen in einem Hotelinnenhof und sind eingepfercht zwischen Mauern. Nach den wundervollen Tagen am Lake Tana ist das heftig. Daher bleiben wir nur zwei Tage und reisen weiter, in die berühmten Simienberge, die höchsten Berge Äthiopiens.

Die Kleidung fast aller ländlicher Äthiopier wird eigentlich nur noch von den Nähten zusammen gehalten. Wir könnten jedem, dem wir begegnen, eines der Kleidungsstücke geben, die wir von Freunden in Deutschland für genau diesen Zweck bekommen und im LKW unter dem Bett liegen haben.
Aber das ist nicht so einfach. Denn dann gilt wieder, da kommen reiche Fremde und verteilen grundlos teure Dinge, der eine bekommt etwas und der andere nicht und der nächste Fremde, der vorbeikommt, wird wütend beschimpft, wenn er nichts verteilt.
Hier im Tim and Kim-Village allerdings arbeiten viele Einheimische aus der Umgebung. Für heute wurden also alle Arbeiter und ihre Familien eingeladen. Wir stapeln vorher alle Kleider und Schuhe im zentralen Haus. Schüchtern kommen die Familien und setzen sich (schön nach Männern und Frauen mit Kindern getrennt) auf die Stühle, die in einer Reihe an der Wand stehen. Kim, ihre Mutter und ich schauen, wem was passen könnte und verteilen so der Reihe nach alles was da ist. Besonders beliebt sind Schuhe, Anzüge und Taschen.
Als es an die Computer- und Damenhandtaschen geht, verlieren die Männer ihre Schüchternheit und stürzen sich auf den Stapel. Ein Mann entschuldigt sich zuerst bei seinem Nachbarn, schubst ihn dann beiseite und angelt sich eine kleine schwarze Lackhandtasche. Damit geht er zu seiner Frau, die auf der anderen Raumseite ruhig auf einem Stuhl wartet. Mit Tränen der Freude in den Augen nimmt sie die Tasche von ihrem Mann. Alle Anwesenden lachen vor Freude.
Wir verteilen alles. Jeder nimmt drei oder vier Kleidungsstücke mit nach Hause, wir haben insgesamt 9 große blaue Kleidersäcke verteilt, aber es scheint uns trotzdem noch zu wenig. Wie leben wir zu Hause doch im Überfluss!
Am nächsten Tag kommen stolze Arbeiter in neuen T-Shirts in die Lodge. Das ist so schön. Vielen Dank an alle, die uns ihre Spenden mitgegeben haben, ihr habt diesen Äthiopiern ein großes Geschenk gemacht.

Foto: Tim und Kim am verteilen
--- Infos ---
http://www.timkimvillage.com
Tim und Kim stammen aus Holland. Sie arbeiteten als Manager einer Spielzeugkaufhauskette und reisten privat mit dem Rucksack durch die Weltgeschichte, bis sie sich entschlossen, in Äthiopien ein gemeinnütziges Projekt zu starten. Sie gründeten eine Stiftung, fanden das Grundstück am Lake Tana und fingen ganz von vorne an.
Zuerst errichteten sie ein zentrales, großes Haus als offenes Restaurant mit Theke und einer schönen Sitzecke. Vor dem Haus ist ein großer Platz und es gibt weitere Ebenen am Hang zum Parken von Autos (sogar für unseren großen MAT ist Platz), umrahmt von Blumen und Sträuchern.
Tim und Kim sorgen hier nicht nur die Organisation und die Beschaffung aller Nahrungsmittel und Materialien, sie graben auch, sie mauern, zementieren, kochen und schlachten sogar selber. Gleichzeitig bilden sie Einheimische aus und beschäftigen sie als Küchenkraft, Guard oder Bauarbeiter.
Sie zahlen einen guten Lohn an ihre Arbeiter (300 Birr / 17 Euro, der äthiopische Durchschnittslohn eines Arbeiters) und sich selbst 500 Birr (28 Euro), die aber meist für Essen und Unterkunft bei Ausflügen nach Gonder oder Addis draufgehen, wenn sie für die Lodge Besorgungen machen.
Überall in ihrem Projekt lauern Herausforderungen. Bis jetzt ist die Lodge nicht ans Stromnetz angeschlossen und muss mit Solarstrom auskommen. Das Wasser wird in einen Tank gepumpt und gefiltert - per Generator. Es gibt nicht immer Benzin für das Auto, um in die Stadt zu fahren. Werkzeug und Geräte gibt es nur in Addis Abeba, und selbst da nur auf offenen Märkten, die von chinesischen Plagiaten nur so wimmeln. Tim und Kim managen ruhig und stetig all diese Schwierigkeiten und bleiben dabei optimistisch und lustig. Das macht diese besondere Stimmung der Lodge aus.
Fast alle Traveller bleiben länger, weil es ein so wunderschöner Platz ist. Manche helfen auch, so z.B. Chris (haben wir in Kairo kennen gelernt) bei der Solaranlage. Momentan bauen Tim und Kim wunderschöne kleine Hütten mit Schlafzimmer und Bad im traditionellen runden Stil zum Vermieten an Traveller. Immer, wenn es auf dieser Reise Stress gibt, überlegen wir, eine dieser Hütten mit Seeblick für ein paar Monate zu mieten. Bestimmt könnten wir auch irgendwo helfen.
18/03: Aethiopien - Lake Tana II

Lake Tana ist konzentrierte Natur. Es gibt Hunderte von Vögeln, darunter unzählige kleine, unterschiedlich bunte Singvögel, ein paar Papageienarten, Möwen, ein Schwarm Ibisse und sogar ein Seeadler-Pärchen schiebt sich gerne ins Bild, wenn man die Kamera aufstellt.
Im März erst beginnt die kleine Regenzeit, es ist jetzt seit Monaten trocken und die Hügel sind voller trockener Gräser, die der heißen Sonne standhalten. Sobald wir hier einen Schritt gehen, sind wir außer Atem. Wir wundern uns über unsere mangende Fitness, aber endlich fällt uns ein: Wir sind über 2000 Meter, auch wenn wir am felsigen Seeufer sitzen und die Sonne brennt. Daran muss sich die Lunge erst mal gewöhnen.

Auf dem See gibt es außer einer wöchentlichen Fähre nur Fischer, die mit ihren Papyrusbooten, den sogenannten Tanquas, über den See paddeln. Diese nur mit Schnüren zusammen gebunden Boote liegen tief im Wasser, man wird richtig nass, aber sie sinken nicht.
Auch im Camp gibt es zwei Tanquas zum Ausprobieren und ca. 200 Meter vor dem Ufer liegt eine kleine Insel mit einer verlassenen Fischerhütte. Wir aber sind zu faul und träumen deshalb nur davon, über den See zu paddeln.
Ansonsten herrscht hier absolute Ruhe, für die Ohren, aber auch für Geist und Seele. Wir klopfen den Reisestaub aus unseren Kleidern und allen Ecken im LKW, lüften uns richtig durch, essen und schlafen. Wie nötig war das.
17/03: Aethiopien - Lake Tana I

Wir haben von einer Lodge gehört, am Lake Tana gelegen im kleinen Ort Gorgora, einer der wenigen Camplingplätze Äthiopiens. Sofort fangen wir an, von Ruhe, warmen Duschen und einem schönen Strand zu träumen.
Vom Grenzstädtchen Metemma aus ist die Straße bis fast Azezo (Gonder) frisch asphaltiert. Eine schöne Überraschung. Die restlichen 50 Kilometer bis Gorgora sind staubige, aber ganz gut befahrbare Piste. Wir fragen in Gorgora nach Tims & Kims Village. Natürlich geht es durch enge Gassen mit tief hängenden Telefondrähten. Ich klettere aufs Dach, um all die Drähte über unseren hohen MAT zu heben, während Bodo langsam die größten Schlaglöcher umfährt. Wir sind staubig und müde und fragen uns ernstlich: Ist das den Aufwand wert?

Ein Blick auf den Campingplatz und diese Frage ist eindeutig beantwortet. Wir stehen mitten in der Natur mit einem phantastischen Ausblick auf den Lake Tana. Ein Seeadler landet zur Begrüßung auf einem großen Baoab direkt vor uns am Ufer. Auf dem nächsten Hügel stehen kleine Hütten (Schlafzimmer und Bad) zum Mieten und ein größeres Haus, in dem man frühstücken, Abendessen, lustig trinken und Musik hören kann.

Wir wollten so ein, zwei Nächte bleiben. Aber so schnell bringt uns hier keiner wieder weg. Wir denken über Monate voller Ruhe und mit Seeblick nach...
16/03: Äthiopien - Annäherung

Äthiopien, das weiß jeder aus den Medien, ist Hunger (weinendes, schwarzes, abgemagertes Kind) und Kaffee (endlose Plantagen im Hochgebirge, darin Pflücker mit weißen Kopftüchern und braunen Kaffeesäcken).
Äthiopien ist bei einer Afrikadurchquerung außerdem ein eher unbeachtetes Durchgangsland zwischen der Wüstenperle Sudan und der Steppenlandschaft Kenias voller Löwen, Elefanten und Giraffen.
Andere Reisende haben uns von weiteren Dingen erzählt: Man kann nicht anhalten, ohne von einer Menge neugieriger und (haut)kontaktfreudiger Äthiopier umringt zu werden. Nie ist man alleine. Alle wollen Geld. Selbst beim Fahren ist man nicht sicher, denn alle äthiopischen Kinder werfen Steine, die großen Schaden anrichten. Jemand kennt einen, der sich ein Bein gebrochen hat bei dem Versuch, einen solchen Übeltäter zu stellen. Selbst die friedlichsten Traveller haben überlegt, ob man nicht ein oder zwei greifbare Kinder verhauen sollte, stellvertretend und prophylaktisch. Äthiopien raubt einem den letzten Nerv, so die Meinung, und man kann nicht schnell genug durch, obwohl schnell relativ ist, denn man muss auf schlechten Pisten ein paar Tausend Kilometer durchs Gebirge fahren.
Der Reiseführer aus dem Knowhow-Verlag lobt Äthiopien als "ein Land der Faszination, der Widersprüche, ein Land, das einen Reisenden nie mehr loslassen wird. Wer Äthiopien einmal lieben gelernt hat, der wird es immer lieben". Aha. Wir sind gespannt.

Nachdem wir im Sudan ausgecheckt haben, fahren wir ins 100 Meter entfernte äthiopische Metemma. Vor uns ist als offizieller Grenzübergang ein Strick über die Straße gespannt. Es sieht hier schon anders aus. Rechts und Links stehen runde Lehmhütten mit Strohdach. Vor den Hütten sitzen Frauen, die Hülsenfrüchte in Körben sortieren oder auf Holzfeuern kochen. Überall laufen Ziegen und Esel frei herum. Jungen mit selbstgebauten Schubkarren transportieren Holz und Steine.
Ein kleiner Knirps mit einer lustigen Punkfrisur, nackt bis auf ein schmutziges Hemdchen, ist glücklich damit, mich eine Stunde lang erstaunt anzustarren. Niemand scheint sich um ihn zu kümmern. Auf meine Fragen reagiert er nicht, auch der Schokoriegel ist nicht so interessant wie ich. Mir scheint, wir sind hier weniger an einem anderen Ort gelandet als eher in einer anderen Zeit.
Ich sehe keine PKWs, nur LKWs und Busse. Betonhäuser sind selten und ohne Fensterscheiben. Viele Frauen tragen Kleider, die Männer alte Hosen und T-Shirts. Nur selten sieht man Jeans, das einzige Produkt aus Plastik scheinen große gelbe Wasserkanister zu sein.
Was in dieses Bild nicht recht hineinpasst, das sind wir und die Teerstraße. Letztere scheint ziemlich neu zu sein und so fahren wir noch ein paar Kilometer in das Land hinein, bevor wir uns einen Schlafplatz auf einem Plateau suchen. Wir bleiben alleine, nur ein paar fremdartig aussehende Rinder und Vögel besuchen uns.
15/03: Sudan: Land und Leute

Landschaftlich hat der Sudan viele Gesichter, und bei unserem kurzen Besuch konnten wir nicht alle sehen. Der Nil mit seinen grünen Ufern direkt in der Wüste ist sicher das eindrucksvollste Bild, aber auch die Geröllwüsten direkt hinter Wadi Halfa, die Sandfelder auf den Kameltracks und um die Meroe-Pyramiden herum und schließlich die Savanne hinter Gedaref auf dem Weg nach Ethiopien waren eindrucksvoll und wunderschön.

Wir sind Nomaden und Dorfbewohnern begegnet, Viehhirten und Bauern, Kameltreibern und Truckfahrern. Wir haben in Hütten Kaffee getrunken, die aus ein paar Ästen gezimmert waren, haben aber auch in Khartoum mit Bankiers und Zuhältern gesprochen, deren Leben aus klimatisierten Büroräumen, teuren Geländewagen oder heißen Partynächten besteht.
Wir haben uns völlig sicher gefühlt, konnten hingehen, wo wir wollten und über Nacht stehen, wo es uns gefiel. Es gibt in diesem riesigen, größten afrikanischen Land auch Krieg, aber in Khartoum und auf den Routen, die wir bereist haben, ist davon nichts zu sehen. Die Menschen, die ruhigen und freundlichen Sudanesen, machen es einem sehr einfach, Land und Leute zu entdecken.
14/03: Sudan: Portraits

Menschen auf dem Weg: Mandrine, eine junge Frau aus Khartoum.

Zwei Nomadenkinder, die mit ihrer Ziegenherde an unserem Übernachtungsplatz in der Wüste vorbeikommen.

Wenn man in Khartoum ist, muss man Freitags die tanzenden Derwische sehen. Auf jeden Fall sind außer uns auch alle anderen aktuellen ausländischen Touristen (ca. 20 Stück) vor Ort.
Die Anhänger der Tariqa schreiten in ihren grünen und teils abenteuerlich gepatchworkten Kutten (Leopardenmuster!?) feierlich zum Grab des Sheik, dann wird musiziert und getanzt. Einige Derwische drehen sich im Kreis, einige schütteln ihren Stab, viele singen aber einfach nur oder begrüßen sich feierlich.

Es sind viele Einheimische da, die in den Gesang "La ila allah ila allah" - es gibt keinen Gott außer Gott - einfallen und einen Kreis um die tanzenden Derwische bilden. Die Stimmung ist ganz sudanesich entspannt und freundlich. Einige Sudanesen bieten mir ihren besseren Platz an in der Menge an, damit ich besser fotografieren kann. Die Stimmung ist feierlich und durch den Gesang fast hypnotisch. Noch lange klingen mir am Abend die Stimmen der Derwische nach.

12/03: Sudan: Khartoum

Wir sind in Khartoum und kampieren stilvoll im Blue Nile Sailing Club. Ein Parkplatz, ein paar Bäume, direkt am Nil. Hinter uns, auf dem Trockenen liegend, ein Kanonenboot, mit dem der britische Lord Kitchener Ende des 19. Jahrhunderts rigoros gegen die zahlenmäßig überlegene, aber gegen Gewehre und Kanonenboote hilflose sudanische Mahdi-Armee vorging.
Früher war der Platz ein beliebter Treffpunkt für Traveller, aber mittlerweile sind die Preise viel zu hoch und die sanitären Anlagen nicht mehr zu betreten. Wir bleiben trotzdem, weil es kein anderes Camp gibt und weil ich nicht ganz transportabel bin. Eine Bronchitis hat mich erwischt und ich vegetiere ein paar Tage bei Fieber, Husten, 40 Grad im Schatten und staubiger Luft vor mich hin.

Eine schöne Begegnung: die Pistenkuh fährt auf den Parkplatz. Seit Jahren schauen wir uns die Reisen von Sabine und Burkhard im Internet (www.pistenkuh.de) und auf DVD an. Endlich können wir sie auch kennen lernen. Leider müssen wir alle am nächsten Tag weiter, sie nach Norden, wir nach Süden. Aber vielleicht treffen wir uns ja mal wieder, in Südamerika, Marokko oder in Asien.
11/03: Sudan: Meroe

Fast direkt an der Hauptstraße von Atbara nach Khartoum stehen die Pyramiden von Meroe wie eine Reihe abgebrochener Zähne im hellen Mittagslicht. Wir fahren erst mit dem Auto um das Areal, ein Stacheldrahtzaun ist die einzige Abgrenzung. irgendwo steht ein kleines Häuschen, das ist wohl der Eingang. Davor einige Sudanesen, die kleine Marktstände aufgebaut haben. Andere Touristen: Fehlanzeige.
Wir parken vor dem Tor und warten auf besseres Licht. Einige Einheimische kommen näher, wir warten schon auf Verkaufsgespräche, aber sie verschwinden einfach. Wohin nur? Bodo schaut nach: unser MAT ist als Schattenspender ein Magnet. Die Menschen setzen sich fast darunter, um der heißen Mittagssonne zu entgehen, und anderer Schatten ist nicht in der Nähe.

Nachmittags gehe ich hinein, Bodo bleibt draußen, um mich vor den Pyramiden zu fotografieren. Also habe ich den Auftrag, mich dekorativ an einen großen Steinhaufen zu lehnen. Aber kaum bin ich um den Berg herumgelaufen, stehe ich vor dutzenden von Pyramiden, die man von der Straße aus nicht sehen kann. Einige sind in gutem Zustand, einige fast verschwunden, manche restauriert, manche restauriert und wieder verfallen. Es ist ein riesiges Areal und ich bin ganz allein. Den Fußspuren im Sand nach zu urteilen, waren in den letzten Wochen auch nicht allzuviele Menschen hier.

Die Pyramiden haben einen tunnelartigen Eingang und ein größeres Tor mit nachträglich eingebauter Holztür davor. Die Eingänge sind offen und die Tunnel enthalten wunderschöne Reliefhieroglyphen. Ich stöbere durch verschiedene Pyramiden, finde verlassene Tunnel voller Sand, zerdrückte Holztüren und vergessene Steinquarder im Sand.
Die ersten "Entdecker" der Pyramiden (ich finde das europäische Entdeckerprinzip lustig, denn den Einheimischen sind die jeweiligen Funde seit jeher bekannt gewesen) übersahen die Meroe-Pyramiden, denn sie befinden sich nicht direkt am Nil. Die späteren Entdecker waren vor allem auf die erwarteten Schätze aus. 1834 entdeckte ein Italiener namens Ferlinini direkt in der ersten Pyramide ein goldenes Amulett und einige Grabbeigaben. Darauf hin haute er alle Pyramiden um, die er schaffen konnte, wurde aber nicht weiter fündig. Die Artefakte gingen nach Europa, den Sudanesen blieben die zerstörten Pyramiden. So entsteht Geschichte.
Ein toller Platz zum Entdecken und Träumen, und ich kann mich nur schwer losreißen. Wir übernachten in einem Camp, ein paar hundert Meter von den Pyramiden entfernt und betrachten sie noch lange im Sonnenuntergang, bis sie im Dunst verschwinden.
10/03: Sudan: Karimar

Wir sind in Karimar. Der Jebel Barka (Heiliger Berg auf arabisch) ragt als massiver Berg über den Nil. Daneben stehen, für ihr Alter perfekt erhalten, die Tempel und Pyramiden des Königreichs von Kush.

Ein paar Kilometer weiter, in einem kleinem Dorf, ohne Hinweisschild oder gar Straße, besuchen wir die Gräber von El Kurru. Als wir ankommen, ist der Fahrer eines Eselskarren so freundlich, den Mann mit dem Schlüssel zu den Gräbern zu holen.


Wir bezahlen 20 Pfund (7 Euro), der Mann schließt auf und wir steigen , mit Taschenlampen bewaffnet, eine dunkle Treppe hinab. Das Erlebnis ist das direkte Gegenteil vom Tal der Könige. Hier kann man selbst entdecken, die Wandmalereien sind gut erhalten, aber ich bin trotzdem froh, als wir wieder im Tageslicht stehen. Irgendwie ist das doch ein Platz für die Toten.
09/03: Sudan: Kamelkarawande

Weiter gehts am Nil entlang, Richtung Khartoum. Beidseitig der Straße ist Sand, durchzogen von unzähligen Kamelspuren. Wir sind an einem Haupt-Karawenweg Afrikas. Sudanesische Kamele werden hier in großen Herden tausende von Kilometern nach Kairo in die Schlachthöfe geführt, denn Kamelfleisch ist günstig und die Nachfrage aus Ägypten groß.
Kamelfleisch wird nach Kilo berechnet, also gibt es während des Tracks keine Rücksicht für alte Kamele oder Neugeborene. Niemand macht sich die Mühe, Kadaver zu entsorgen. Die heiße Saharasonne trocknet alles Leben aus und so wächst Jahr für Jahr die Anzahl der Sandhaufen rechts und links des Weges, aus denen Knochen und Fellreste ragen.

Ich habe ein merkwürdiges Gefühl dabei. Da ist der marktwirtschaftliche Faktor, Angebot und Nachfrage, die Logik des günstigen Lebend-Transports der Kamele, die ja selber laufen und als Wüstentiere wenig Nahrung und Wasser brauchen. Als tierliebe Europäerin sehe ich auch die Tiere, die doch Persönlichkeit und Seele haben, gerade die charakterstarken und beeindruckenden Kamele. Und dann ist da die Legende, eine der schönsten Geschichten Afrikas von Kamelkarawanen als der einzigen Möglichkeit, Salz und Tauschwaren durch die heiße Wüste zu transportieren. Diese Karawanen gibt es eigentlich nicht mehr, LKWs fahren jetzt durch die Wüste, Asphalt wird verlegt, auch hier wird die Welt kleiner, und die Abenteuer und Geheimnisse weichen zurück.
Die Kamelkarawanen nach Kairo haben keine Geheimnisse und keinen Anspruch, außer sich selbst am Ende selbst zu zerfleischen. Irgendwie macht mich das traurig.
08/03: Sudan: Dongola
Dongola - das klingt nach Afrika, nach Geschichten aus Märchenbüchern, nach vergangenen Königreichen. Wir finden eine lebendige Stadt vor, in der Mittagshitze bummeln wir durch die Hauptstraße und gönnen uns einen frittierten Nilbarsch.

Eigentlich ein gemütlicher Tag, wenn da nicht der Kontrollposten wäre, der ein Papier von uns möchte, dass wir nicht haben. Wir versprechen, das Papier zu besorgen und umfahren dann weiträumig diesen Posten. Sowas lernt man in Afrika.


Eigentlich ein gemütlicher Tag, wenn da nicht der Kontrollposten wäre, der ein Papier von uns möchte, dass wir nicht haben. Wir versprechen, das Papier zu besorgen und umfahren dann weiträumig diesen Posten. Sowas lernt man in Afrika.

06/03: Sudan: Suchtmittel Kaffee

Kaffee - für uns ein Suchtmittel im Sudan. Das Business ist fest in Frauenhand. Überall auf den Straßen sieht man die kleine Kaffee-Stände und wir haben den Ehrgeiz, so viele wie möglich auszuprobieren. Der traditionelle Kaffee wird in kleinen silbernen, merkwürdig geformten Kannen serviert. Es ist eine Art türkischer Mokka, mit Ingwer und Kardamon aufgegossen und ziemlich scharf.
Wahlweise kann man auch Hibiskustee trinken. Der ist schön rot und sauer und schmeckt so, wie man denkt, dass Hagebuttentee schmecken sollte (dann aber nie tut).
Natürlich wird in alle Getränke massenweise Zucker geschüttet. Drei Löffel pro Mokkatasse sind normal für den gesamten arabischen Raum. Sogar die Säfte sind extra gezuckert. Bodo findets toll, ich brauch wohl noch ein paar Jahre, um mich daran zu gewöhnen.
04/03: Sudan: Kleiderspende

Diese Familie haben wir am Nil getroffen. All ihr Hab und Gut passt auf einen Handkarren und die Familie ist ohne Haus auf Gelegenheitsarbeiten angewiesen. Auch hier war ein Kleidersack eine große Hilfe - Danke an die Spender nach Deutschland.

Hier möchte ich niemanden überfallen, sondern werde im Gegenteil selbst angegriffen - von Millionen von Fliegen. Das ist am Nil so eine Sache: die Fliegen kommen gegen 17 Uhr, bleiben in den Haaren hängen, kriechen in Mund, Nase und Ohren und nerven wirklich gewaltig. Wenn es dunkel wird, machen sie Feierabend und sind plötzlich verschwunden.

Da die Fliegen zu zahlreich sind, um sie zu verscheuchenund außerdem nicht stechen, arrangiert man sich eben. In den Dörfern tragen manche Männer ein Netz um dem Kopf, die Frauen nehmen ihre Kopftücher und wir bleiben einfach so lange im Auto, bis der Wahnsinn vorbei ist.