Reiseberichte

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Category: Reiseberichte
Posted by: sabine
laq

Das Wetter hält, wir fahren wieder in die Ruhe. Nur ein paar Hirten treffen wir, mit denen wir ein paar Minuten freundschaftlich schweigen, weil es eigentlich nichts zu sagen gibt, man aber die Gesellschaft genießt und es ja auch nicht eilig hat.
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Posted by: sabine
foum
Berberfrau im traditionellen Tuch. Je nach Stimmung können die Bommel auch neckisch ins Gesicht gezogen werden.

Nur ein kurzer Halt in der letzten Stadt vor der Piste in die Dünen. Es ist bewölkt – wird es regnen? Und wenn – was passiert dann mit dem lehmigen Lac Iriki, dem ausgetrockneten See...? Wir fahren trotzdem, zur Not müssen wir eben wieder warten, bis die Sonne scheint. Denn dies ist, es ist unglaublich, unser erster regnerischer Tag seit 6 Wochen.



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Posted by: sabine
Studio ouarzazate
Kurzausflug nach Tibet. Sieht doch gut aus, oder?

„Ein Bett, ein Bett, ein Tibet!“ ruft Eddy Murphy in dem Film „Auf der Suche nach dem goldenen Kind“, als er eine hübsche Tibeterin verführen möchte. Witze über dieses gebeutelte Land, spirituelles Zentrum des Buddhismus, also wirklich, da ist doch Martin Scorsese’s „Kundun“ besser, da wird ein kleiner Junge als wiedergeborener Dalai Lama erkannt und über mehrere Filmstunden hochgeistig von seinen Lamas belehrt.

Schade nur, dass dieser Film überhaupt nicht in Tibet spielt, sondern in Marokko. Wir haben uns so was schon gedacht, denn im „Making of“ der DVD sieht man Strommasten, die den marokkanischen Standard-Strommasten doch verblüffend ähneln. Und tatsächlich, der buddhistische Tempel steht hier auf dem Gelände der Atlas Film Studios in Quarzazate. Der Schrein vor dem Tempel ist aus Plastik und die vielen goldenen Bücher und Statuen im Tempel aus Styropor. Eigentlich waren nur die Statisten echt, denn 350 Tibeter wurden für 3 Monate nach Marokko eingeflogen, in mittelmäßigen Hotels untergebracht und mit 100 Euro am Tag entlohnt. Für diese persönliche Grundsanierung sangen die Tibeter auch gerne ihre geistlichen Lieder in Playback und stellten ihre religiösen Feste nach. Ach, die Welt ist eben doch käuflich.

Studio ouarzazate
Bodo in einer seiner besten Rollen: Tempelwächter des Dalai Lama


studio studio
Hier das Flugzeug aus „Das Juwel vom Nil“ (1984). Das Ding ist aus Plastik, und Michael Douglas kann nur durch ein explodierendes Militärlager rasen, weil im Flugzeugattrappengestänge ein zweiter Pilot den VW-Motor steuert.

Studio ouarzazate
Bine verkündet die 10 Gebote, eigentlich die Aufgabe von Omar Sharif im gleichnamigen Schinken von 2005. Der war allerdings ernster dabei. In der gleichen Kulisse u.a. auch „Moses“ mit Ben Kingsley (1995) und „Der Legionär“ von und mit Jean Claude Van-Damme (1997).


Studio ouarzazate

Studio ouarzazate
Nicht ganz Ägypten, wie der Blick hinter die Kulissen zeigt, aber für „Cleopatra“ mit Timothy Dalton (1998) und „Asterix und Obelix“ mit Gerard Depardieu (2000) reicht’s.

Wir schlendern über das Set von „Alexander“ mit Angelina Jolie (nur ein paar Quadratmeter und billigste Fliesen) und fast klaue ich so eine hübsche Kachel, würde ja niemand auffallen und mein Heikili mag den Film bestimmt, mache es dann aber doch nicht und ärgere mich später. Dann durch den „Gladiator“-Sklavenmarkt von Ridley Scott (1998), enge Gassen mit Lehmbauten, die so aussehen wie jedes Dorf hier im Atlas.

Ebendieser Regisseur drehte hier auch „Kingdom of Heaven“ und bereitet gerade sein nächstes Epos vor. Leider durfte man nicht in die aktuellen Kulissen, schade, schade. Vielleicht könnte man mit Brad Pitt und seiner Frau das Herkunftsland ihres nächsten Babys diskutieren.

Abends diskutieren wir über die Kulissen und sind skeptisch, ob solch grobe Täuschung überhaupt funktionieren kann. In allen Kulissen bröckelt der Putz, Dekors sind nur angedeutet und die Materialien nur Ersatz. Dann aber sehen wir die Fotos, und selbst da sieht alles großartig und überzeugend aus, und alle Makel sind verschwunden.
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Posted by: sabine
Der Weg in die Wüste führt von Marrakesch über den Hohen Atlas. Nachdem uns der Anti-Atlas nicht so sehr gefallen hat, haben wir uns von dieser Strecke auch nicht viel versprochen, doch wieder einmal kommt es anders. Die Landschaft ist wunderschön, Lehmdörfer kleben an den Bergwänden, im Hintergrund schneebedeckte Gipfel, als Farben kontrastieren das Blau des Himmels mit dem Lehmrot des Bodens und dem Grün der Hänge.

Zusätzlich haben wir das Glück, genau die Zeit der Mandelblüte erwischt zu haben. Die zarten weißen und rosa Blüten passen eigentlich gar nicht zu der eher groben Umgebung, doch genau dieser Kontrast ist so schön.

hoher atlas

hoher atlas




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Posted by: sabine
Zwei Tage lang schaue ich mir Marrakesch an. Erstmal suche ich mir ein Riad, ein zum Hotel umgebautes traditionelles Stadthaus mitten im Gewirr der engen Innenstadt-Gassen. Ich finde ein schönes Zimmer im Riad Yasmin, mit einer feudalen Badezimmer-Schwingtür, einer fantastischen Dachterrasse und dem üblichen marokkanischen Chaos: Der Besitzer hat gewechselt, der neue lässt sich nicht blicken, einige Zimmer sind halb umgebaut, aber es hat ja keine Eile, die Bauarbeiter wohnen solange in den anderen Zimmern. Die Atmosphäre ist gemütlich, wir sitzen morgens zusammen beim Frühstück und wir reden darüber, wie korrekt und pünktlich in Deutschland gebaut wird, denn davon sind alle hellauf begeistert. Dann wird erstmal noch ein Tee aufgesetzt.

marra
Ein typischer Soukladen, natürlich für Touristen, aber wunderschön. Hier kaufe ich meine Souvenirs. Obwohl ich zäh gehandelt habe und der Verkäufer am Ende verzweifelt mit den Händen rang, hat er mich gut übers Ohr gehauen, wie mir am nächsten Tag klar wurde.

Zentrale Anlauf- und Orientierungsstelle in Marrakesch ist der berühmte Platz der Gehenkten, der Djemaa el-Fna. Busladungen voller Touristen verlaufen sich in noch größeren Mengen von Einheimischen und Wahl-Marrakschis aus aller Welt. Hier lässt sich bequem ein ganzer Tag verbringen. Morgens vor Arbeitsbeginn werden Geschichten von ganz erstaunlichen Wunderheilungen und Zähmungen wilder und gefährlicher Tiere erzählt. In einer Stadt, in der die meisten von einem Fernseher nur träumen können, ist das noch echte Unterhaltung. Mittags werden Schönheitsmittel, bemalte Straußeneier und frisch gepresster Orangensaft verkauft, nachmittags treten Gaukler und Musiker auf. Wasserverkäufer suchen in ihren auffälligen roten Gewändern und den golden schimmernden Trinkgefäßen nach Touristen. Schon längst leben sie nicht mehr vom Wasserverkauf, sondern lassen sich pro Foto gut bezahlen.

Abends werden dann Fressstände aufgebaut. Ich probiere Auberginenmus, Dorade, Tomatensalat und Gemüsetajine. Den gesottenen Schweinekopf, die frischen Innereien und die geringelten Suppenschnecken hebe ich mir für mutigere Tage auf. Alle sind so freundlich, und satt und zufrieden gehe ich in mein Riad.


marrakesch
Harmloses Entertainment: wer es schafft, den Gummiring an Ende der Angel über einen Flaschenhals zu bekommen, gewinnt die Flasche und lautes Beifallsgemurmel. Alle Stunde macht der Chef (in der Mitte des Bildes) das Kunststück vor.

marrakesch

Nach zwei Tagen Enge, Trubel und Menschenmassen war dieses Schild ein Zeichen: Wir müssen wieder in den Sand.

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Posted by: sabine
Unser Anlasser macht wieder Schwierigkeiten und springt manchmal erst nach dem vierten oder fünften Versuch an. Wolfgang und Brigitte, die in wenigen Tagen Richtung Marokko starten, haben zwar in Deutschland bei Mercedes Benz einen neuen Magnetschalter für den Anlasser besorgt, es wird aber noch einige Zeit dauern, bis wir uns treffen. Da wir fürchten, dass unser Anlasser in Kürze an einer dann womöglich unpassenden Stelle seinen Geist komplett aufgibt, fahren wir erst mal zügig nach Marrakesch, um auf die Schnelle vor Ort einen Magnetschalter zu besorgen. Und die Stadt wollte ich mir ohnehin anschauen.

Wir finden einen Laden für Ersatzteile. Der Verkäufer schaut in den Fahrzeugbrief, dann in den Computer und hat in minutenschnelle das richtige Ersatzteil identifiziert. Allerdings soll der Magnetschalter auch hier über 150 Euro kosten, weil er (wie in Deutschland) nur als Original-Mercedes-Ersatzteil erhältlich ist – die Version von Bosch für 38 EURO, wer hätte es gedacht, ist auch hier nicht erhältlich. Der freundliche Verkäufer gibt uns den Tipp, es auf dem Schrottplatz zu versuchen und gibt uns gleich noch die Wegbeschreibung mit.

marrakesch
Nerven braucht´s schon im Straßenverkehr, die Stimmung ist aber friedlich.

Der Schrottplatz vor den Toren Marokkos ist eher eine kleine Stadt. In der Hauptstraße werden in großen Hallen lautstark Ersatzteile verhandelt, in den Gassen bieten kleine Läden alles an, was jemals irgendwo in irgendeinem Fahrzeug verbaut worden ist. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Nichts ist zu alt, um noch irgendwo Verwendung zu finden und nichts zu kaputt, um nicht doch noch repariert oder ausgeschlachtet zu werden. Autos, die bei uns nur Liebhaber-Garagen stehen, sind hier Normalität: Nachkriegsmodelle der Berliet- und Bedford-Laster, Mercedes-Benz 200/8, Ford-Transporter, Renault R4 und der unvermeidbare Peugeot 405.


marrakesch
Bodo und der Meister.

Wir werden zu Abdullah geschickt, der über zwei Räume voller Anlasser herrscht, komplett und in Teilen. Wir geben den Austausch des Magnetschalters in Auftrag (laut unserer Garage war das ja das Problem), verhandeln den Preis und los geht’s. Eine Stunde später ist der neue Magnetschalter eingebaut, wir starten – es geht nicht. Der Meister hört beim Startversuch zu und ruft empört: „Das ist nicht der Magnetschalter, das ist der Freilauf, hab ich ja gleich gesagt!“ Stimmt leider, und wir denken, das hört der einfach so? Nun gut, soll er den eben auch noch austauschen, hier ist das finanziell ja alles überschaubar. Ein entsprechendes Teil für unseren 1017 ist schnell gefunden und eingebaut, wir starten – einwandfrei. Das sind eben noch Fachleute.

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Posted by: sabine
Wir merken, wir sind genervt, wir brauchen doch mal ein paar Tage richtige Auszeit. In Ounara, 20 Kilometer vor Essaouira, finden wir einen schönen Campingplatz und bleiben einfach.

ounara

Hier in der Umgebung werden die wunderschönen Einlegearbeiten gefertigt, die dann in Essaouira verkauft werden. Dieser Tisch ist eine Auftragsarbeit und wird gerade endpoliert. Wir überlegen, ob wir nicht ein verziertes Brett für Caputh mitnehmen.

Als ich anderntags so durch die Straßen ziehe, sehe ich in Häusern (rohe Betonstein-Wände mit Stampfboden) Kindergruppen im Dunkeln auf dem kalten Boden sitzen und kleine Holzkästchen mit Einlegearbeiten polieren.

Natürlich, diese Berge von billigen Schnitzarbeiten in Essaouira, das geht betriebswirtschaftlich nur mithilfe von billigen Kinderhänden. Bei dem Gedanken an ein günstiges Schnäppchen wollte ich wohl nicht so genau nachdenken. Jetzt kaufe ich nichts, was bei den Kindern wiederum auf Unverständnis stoßen würde, denn sie helfen wesentlich bei der Ernährung ihrer Familie und sind stolz darauf. Was für ein Dilemma!
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Posted by: sabine
Wir landen gut in Essaouira, schlendern durch die Altstadt und den Hafen und suchen auch hier vergeblich nach deutschen Zeitschriften. Nur britische Boulevard-Magazine, Kochbücher und Immobilienheftchen auf Englisch. Dem Bericht von vor zwei Jahren ist wenig hinzuzufügen.

essaouira essaouira
Blogbericht: Shoppen in Essaouira und Orientalisches Einkaufsparadies.

Dafür ein Hinweis in eigener Sache:
Nach unseren Berichten mag der Eindruck entstehen, Marokko sei tiefstes Drittland ohne jegliche zivilisatorische Entwicklung. Dem ist natürlich nicht so. Wir sind so verrückt und fahren gerne Pisten, kaufen in möglichst kleinen Läden und schauen auch neugierig in Hinterstraßen.

In Marokko gibt es zwischen allen Städten gute Teerstraßen, etliche Campingplätze und in den Großstädten auch europäisch sortierte Supermärkte. Die Freundlichkeit der Menschen ist hier für jemanden, der den deutschen Umgangston gewöhnt ist, schlichtweg überwältigend.

Die Kriminalität ist geringer als in Südeuropa. Marokko geht hart mit Neppern, Schleppern und Bauernfängern um und es gibt eine extra Touristenpolizei, die auch hart durchgreift. Die Bettelei ist überschaubar. Ein guter Muslim gibt sowieso den Armen ab und es ist nicht ungewöhnlich zu sehen, wie Bettler (meist Alte, kranke Menschen oder allein stehende Frauen) von Marokkanern einen Dirham bekommen, während die Touristen verärgert wegschauen.

Man kann jeden Marokkaner nach dem Weg fragen oder einen Handwerker danach, was er gerade macht und bekommt sicher eine gute Erklärung. Deutsche Sauberkeit findet sich zwar selten. Aber die Atmosphäre von Gemeinschaft und einer positiven Lebensauffassung ist allgegenwärtig und erinnert vielleicht ein wenig an ein Deutschland von vor 40 Jahren, als es mehr um Inhalt und Aufbau statt um Status und Profit ging.

womos
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Posted by: sabine
20 Kilometer nördlich von Agadir bläst der Wind ganzjährig kräftig auf lang gestreckte Sandstrände. Das klingt nach einem feuchten Surfertraum und ist es auch. Wir machen Halt in Taghazoute, ein normaler kleiner marokkanischer Ort und gleichzeitig ein internationaler Surfspot.

Es gibt einen zentralen Platz, an dem sich Taxis und Busse behupen, Gemüsehändler ihre Kisten stapeln, hier und da Erdnüsse geröstet werden, Männer gemütlich Tee trinken, während die Frauen, gestresst von kleinen Kindern und großen Einkaufstüten, sich eilig in die Taxis und Busse pressen. Eine Moschee lädt zum Gebet, im gleichen Gebäude eine Fischbraterei und ein Surfladen. Dieser Gegensatz macht uns erstmal blinzeln.

Taghazoute
Surfladen im Moschee-Gebäude

Es fallen noch mehr Ungereimtheiten auf. Die Cafes heißen hier „Restaus“, in denen es „P´tit Dejs“ gibt. Das coole Französisch der Jugend regiert. In den „Restaus“ sitzen dann auch mehrere Bob Marleys mit wilden Frisuren, Koreaner mit den aktuell angesagten, aber trotzdem dämlichen Wollmützen und lässig-blonde Australier mit Endless-Summer-T-Shirts. Außerdem ein paar Mädels mit Röcken im Hawaii-Design, die mit nackten Beinen und unablässigem Haare-Schütteln die männlichen Einheimischen entzücken.

Taghazoute

Bei so viel Rebellion geben sich auch die hiesigen Berber mutig. Als Volk offiziell nie anerkannt, aber mit großer, eigener Geschichte, eigener Schrift und verständlichem Stolz kämpfen sie um ihre Kultur. Hier mit einem Aufkleber auf einem Lieferwagen (Ich bin Berber, ich bleibe es auch).

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Posted by: sabine
agadir

Wir fahren nach Agadir mit dem Plan, deutsche Zeitungen zu kaufen. Agadir ist das touristische Zentrum Marokkos und Ziel fast aller Pauschalreisen. Das ganzjährig ausgeglichene Klima lockt zudem die schon öfter erwähnten Wohmobil-Überwinterer aus Europa an. Legendär war die „Platte von Agadir“, auf der bis vor kurzem die Wohnmobile in Zehnerreihen standen, insgesamt mehrere Tausend, so sagt man. Das wurde mittlerweile verboten und jetzt verteilen sich die Winterflüchtlinge auf die gesamte Gegend. Wir sind also auf das Schlimmste gefasst. Und wie immer kommt es anders als man denkt: Agadir ist eigentlich ganz schön!

agadir

Die Strandpromenade ist fast europäisch mit all den Restaurants. Die Menschen sind modern gekleidet, die Straßen sauber und die Autos neu. Wir essen eine wirklich gute Pizza, jeder vom eigenen Teller, mit Besteck und Tischdecke. Sind wir wirklich noch in Marokko?

Aber da sehen wir schon, wie unser Kellner dem Parkwächter diskret Geld in die Hand schiebt, damit der die fettesten Autos (und reichsten Insassen) vor seinen Laden lenkt. Auch hier ruft kein Marokkaner mit seinem Handy jemanden an, jeder wird angerufen (das kommt daher, dass jeder ein Handy, aber wenige auch ein Guthaben dazu haben). Wir sind wieder beruhigt.
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Posted by: sabine
tiznit

Heute bleiben wir einfach noch hier. Einen ruhigen, abgelegenen Strand haben wir da gefunden, nur besucht von einigen Hobbyfischern. Zum Baden ist es zu kalt, aber die Sonnenuntergänge sind spektakulär.

tiznit

tiznit

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Posted by: sabine
tiznit

Über Tiznit fahren wir nach Sidi Moussa D´Aglou ans Meer. Die Küstenstraße führt direkt am Meer entlang und alle paar hundert Meter führt eine Piste zum Wasser. Wir finden ein wunderbares Plätzchen an einem schönen Felsen über einem Sandstrand und hören ein paar Stunden dem Meer beim Rauschen zu...

tiznit

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Posted by: sabine
Tafraoute begrüßt uns mit einer meterhohen Coca-Cola-Werbung an einer Lehmburg, die erste Werbung seit Wochen überhaupt, denn eigentlich ist Marokko außerhalb der Großstädte eher werbefreie Zone. Wir blinzeln.

Die Landschaft ist bizarr. Starke Winde haben große, runde Felsbrocken zurückgelassen, die in der Landschaft herumliegen, als wären Riesen beim Murmelspiel gestört worden und hätten alles in Unordnung hinterlassen. Einige Formationen sehen nicht gerade stabil aus, aber da die Steine schon seit Jahrhunderten so liegen, werden wir da heute wohl auch noch gut vorbeikommen, hoffen wir.

tafroud

Die Wege hier sind eng, voller Windungen, Palmen und steinerner Hindernisse. Wir haben nicht das richtige Fahrzeug für ausgedehnte Touren durch das Gelände, da bräuchten wir Motorräder, die man aber hier nicht leihen kann. Hier hält uns wenig. Gebirge soll es wohl im Augenblick nicht sein. Also beschließen wir, morgen an die Küste zu fahren.
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Posted by: sabine
„Der Anti-Atlas!“ empfahlen uns Globetrotter mit ähnlichen Fahrzeugen, die wir unterwegs so trafen. Der Anti-Atlas, das ist das kleinere Gebirge südlich des Atlas und da fahren wir also hin. Wir sind schon sehr gespannt.

tafroud

Es geht über karge Gebirgspässe und durch blühende Täler wie z.B. das Ammelntal, ebenfalls Schwarm aller Reiseführer. Hm. Vielleicht ist es nicht unser Tag, vielleicht sind ist unser Kopf noch voller Wüste, aber die Landschaft lässt uns eher kalt.

Recht hohe Berge und hübsche Dörfer, das stimmt schon. Überall an der Straße freche Berberfrauen und -mädchen in bunter Tracht. Da sich auf über 50 Kilometern Bergpässe kein rechter Schlafplatz findet, bleiben wir einfach irgendwo stehen und versuchen, das frühmorgendliche Klopfen und Rufen nach „Madame! Madame! Cadeau!“ so lange zu ignorieren, wie es eben geht. Irgendwann geben wir auf und fahren ohne Frühstück weiter nach Tafraoute.
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Posted by: sabine
Voll von Wüsteneindrücken – innerlich voller Ruhe, äußerlich voller Sand – treffen wir in Tata ein. Hier standen wir vor zwei Jahren schon auf dem nahezu leeren städtischen Campingplatz und genossen die ausgeglichene Atmosphäre der Stadt.

Dieses Mal stehen wir auf dem Campingplatz plötzlich inmitten blitzsauberer, dicht an dicht stehender Hymer-Campingmobile. Davor ihre Bewohner, wohlgenährte Senioren mit Shorts, kurzen Tops und beschleiften Yorkshire-Terriern, die uns interessiert mustern. Ich kreische, Bodo legt den Rückwärtsgang ein, und wir flüchten in einen abgelegenen Palmenhain. Fotos von all dem ersparen wir dem geneigten Leser.
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Posted by: sabine
sonne

Nach vier Tagen und fast 170 Kilometer Piste ist der Spaß leider vorbei. Die Teerstraße hat uns wieder. Für uns heißt das: Reifendruck normalisieren, tanken, Essen kaufen und Campingplatz suchen, um mal wieder zu duschen. Alles eigentlich schöne Dinge, zivilisierte Dinge, aber so richtig sind wir noch nicht wieder da. Kopf und Herz sind doch noch auf der Piste.

luft
Die Reifen brauchen wieder mehr Druck für die Teerstraße. Luft ablassen und auch das Aufpumpen klappen prima, aber das dauert...

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Posted by: sabine
sonnz

Heute geht’s vom Lac Iriki in Richtung Foum Zguid, das Ende der Piste naht. Wir verfahren uns noch mal genussvoll und finden dabei einen schönen Brunnen, ein paar trockene Oueds, lauschige Akazienbäume und können uns eigentlich gar nicht trennen von dieser Menge Ruhe und Natur. Diese Berge machen süchtig...

pist

pist



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Posted by: sabine
duene

In der Nähe des Lac Iriki finden wir einen tollen Übernachtungsplatz, halb Düne, halb Steinfeld, perfekt. Abends gibt es einen Sonnenuntergang vom Feinsten und wir opfern unseren letzten Alkohol für einen standesgemäßen Martini-Sundowner. Praktischerweise kann man sich nach dem Sonnenuntergang einfach um ca. 180 Grad drehen und dem Mondaufgang zusehen. Und Martini macht sich auch gut als Moon-Setter.

duene

Bei näherer Betrachtung unserer Schlafplatzumgebung ist unsere Überraschung allerdings groß: Die Steine erweisen sich als Fossilien-Fundgrube! Auf und unter jedem Stein tummeln sich Belemniten, Kopffüßler, ähnlich unseren heutigen Tintenfischen, die hier vor 385 Millionen in die tektonischen Bewegungen und damit arg unter Druck gerieten. Wunderschön.

fossil

fossil

01/02: Lac Iriki

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Posted by: sabine
fatamorgana

fatamorgana

Wir erreichen den Lac Iriki, eine weite trockene Lehmfläche. Am Horizont verschwimmen Land und Himmel, das durstige Auge erblickt weite Seen – leider nur eine Luftspiegelung, eine Fata Morgana. Kommt man dem See näher, löst er sich in die Luft auf, aus der er von Anfang an bestanden hat.

Obwohl wir den Trick schon kennen, sind wir von der realistischen Darstellung doch überrascht. Welche Qual für jemanden, der dringend Wasser benötigt.

laciriki

Gleißende Sonne, trockener Lehmboden – aber eine prima Fahrfläche. Man kann schnell und zügig fahren, ohne Hindernisse. Und nur der Horizont bremst den Blick.

laciriki
„Zeitsee“ heißt, dass es manchmal hier Wasser gibt. Der Boden ist trocken, aber es sieht schon nach ehemaliger Feuchte aus.