31/01: Im Erg Chegaga

Das Erg Chegaga ist ein Dünengebiet an der algerischen Grenze und in den letzten Jahren groß in Mode gekommen bei Touristen und örtlichen Veranstaltern. Rund um die Dünen sind Camps mit Zelten angelegt und jetzt, zur Nebensaison, langweiligen sich die Hüter der Zelte so ganz ohne Touristen. Das hat zur Folge, dass wir sofort belagert werden, wenn wir in den Dünen stehen wollen, dabei suchen wir doch die Ruhe.

Bei unserer Flucht vor „Alles klar“ und „Want a tee“-Gesprächen kreuzt ein noch selteneres Tier als der Nebensaison-Tourist unsere Route: Ein Wüstenfuchs saust an uns vorbei, mann, ist der schnell!
30/01: Mhamid: Auf die Piste
Vor Mhamid, der letzten Stadt am Ende der Straße, warnt schon der Reiseführer. Und es stimmt, Mhamid ist ein Gaunernest. Freundliche Menschen zeigen nicht auf die gesuchte Piste, sondern in Richtung der Hotels ihrer Freunde und Familien. Kinder laufen vors Auto und versuchen, arme Hundewelpen durchs Fenster zu quetschen. Der Benzinpreis wird nachträglich erhöht, neben zerlumpten Bettlern stehen die Gewinner des Wüstenhypes in ihren dicken Toyotas. Weg hier! Wir finden die Piste und fahren in die Weite, die Ruhe und die Natur.

Der Untergrund ist teils bequem sandig, teils aber auch steinig oder Wellblech. Unser MAT schluckt alles widerstandslos. Wir haben etwas Luft abgelassen und müssen kein einziges Mal schaufeln. Toller LKW!

Granit- und Basaltboden. Es knackt und knirscht, wenn die Reifen die Steine beiseite räumen, aber alles geht gut.

Der LKW im Dünenfahren, kein großes Problem

Der Untergrund ist teils bequem sandig, teils aber auch steinig oder Wellblech. Unser MAT schluckt alles widerstandslos. Wir haben etwas Luft abgelassen und müssen kein einziges Mal schaufeln. Toller LKW!

Granit- und Basaltboden. Es knackt und knirscht, wenn die Reifen die Steine beiseite räumen, aber alles geht gut.

Der LKW im Dünenfahren, kein großes Problem
29/01: Moussem in Tamegroute

Wir verlassen Zagora Richtung Mhamid, um dort weiter zum Erg Chegaga (Dünengebiet) und Laq Iriki (ausgetrockneter Zeitsee) zu fahren. Schon nach ein paar Kilometern geraten wir in Tamegrout in ein Moussem, eine Art Dorffest zum Gedenken des Dorfheiligen. Auf Moussems kann man wie auf einem Souk einkaufen, zusätzlich kommt aber noch Gaukler- und Heilervolk, der König schickt ein paar Schafe zum Rösten (aus Neuseeland importiert, versichert uns ein Neuseeländischer Emmigrant) und man kann angeblich kostenlos in den Auberges übernachten. Das lasse ich mir nicht entgehen, Bodo bewacht unseren LKW und ich ziehe los, die Kamera im Anschlag.

Verkaufsschlager und heiß gehandelt: Plakat von Real Madrid.
Ich finde einen Stand, der Bockshörner, Sternanis, getrocknete Kamelhoden und merkwürdige rosa und gelbe Salze gegen böse Geister anbietet. Die Hausfrauen kaufen hier mit Kennerblick. An anderer Stelle gibt es Waschbretter, Plastikblumen, Gewürze und Tees, Luftballons, Khol-Behälter (Kajal bei uns), Tiger-Balsam und falsches Silberbesteck. Kein Touristennepp, aber trotzdem jede Menge Unsinn. Hier könnte ich Stunden verbringen.

Ein Tier im Angebot, welches, keine Ahnung. Das Hinterteil, links im Bild, bringt mich persönlich in dieser Frage auch nicht weiter.
Neben der Straße wogt eine Menschenmenge. Ich befürchte schon religiöse Bekehrungen, aber hier zeigt ein Geschichtenerzähler sein Können. Während sich eine Kobra gelangweilt auf einer Decke in der Mitte des von aufgeregten Kindern und auch Erwachsenen umstellten Platzes räkelt, springt und gestikuliert der Geschichtenerzähler um die Schlange herum.

Auf Arabisch erzählt der Künstler eine lange und umständliche Geschichte. An manchen Stellen wird Unheil abgewendet, L´hamdullilah, die Menge hebt erleichtert die Hände. Dann wieder muss der Schlange gut zugeredet werden, alle rufen dem Tier aufmunternde Worte zu.

Der Geschichtenerzähler läuft derweil im Kreis, fuchtelt mit den Armen, schlägt auf die Decke und packt, Höhepunkt der Geschichte, seine Flöte aus, um der – eigentlich jetzt schlafenden – Schlange, dem Bösen insgesamt, Einhalt zu gebieten. Geschafft, das Gute hat wieder gesiegt. Beruhigt kann ich zu Bodo zurück.

28/01: Zagora: Meteor Man
Schon zweimal stand dieser Herr vor unserem LKW und wollte uns seine Meteoriten-Sammlung zeigen. Jaja, haben wir gedacht, aber er war hartnäckig, glücklicherweise. Wir hatten ja keine Ahnung!

Messieur El Mogrhti Mohamed, Guide de Tourisme, mobil 00212 62134316
Monsieur öffnet den Kofferraum seines alten Peugeot und bald halten wir Gesteinsbrocken in der Hand, die von Planeten kommen, die nie ein Auge gesehen, nie ein Fuß betreten hat. Wahnsinn.
Schnell planen wir unser restliches Leben: Wir werden Schatzsucher, Meteoritensucher, verwegen, in den unwirtschaftlichsten Landschaften unterwegs, frei wie der Wind, immer auf der Suche nach dem Gold aus dem All. Gut, dem Eisen eigentlich.

Wir bekommen von Mohamed einen Crash-Kurs: Die meisten Meteoriten sind metallhaltig, daher magnetisch. Sie haben oft kleine Einschlüsse von Metall, die man mit dem Auge noch erkennen kann, auch eine Schmelzkruste durch den wilden und heißen Atmosphären-Flug. Also, Meteoriten suchen kann so schwer nicht sein, die Sahara gilt zudem als zentrales Suchgebiet, weil das Klima die Steine konserviert und (aber das ist wohl noch nicht wissenschaftlich bewiesen und eher Mohameds Begeisterung zuzuschreiben) ein Sahara-Magnetismus viele Steine bei ihrem Fall auf die Erde anzieht.
Sofort fahren wir los, Meteoriten suchen.

Welcher von diesen Steinen kommt aus dem All?
An Steinen gibt’s hier wirklich keinen Mangel. Leider sehen Basaltsteine Meteoriten verdammt ähnlich. Nach einigen Stunden haben wir ein paar hundert Aspiranten entdeckt, die wir vielleicht mitnehmen in unserem LKW und schlauen Wissenschaftlern vorlegen. Leider werden selbst unglaublichste Meteoritenfunde nicht nach den Findern benannt, sondern nach dem Fundgebiet, dem Datum und fortlaufender Nummerierung. Schade, aber vielleicht finden wir ein unentdecktes, extra-terrestrisches Material, das heißt dann Bine- oder Bodolith.

Messieur El Mogrhti Mohamed, Guide de Tourisme, mobil 00212 62134316
Monsieur öffnet den Kofferraum seines alten Peugeot und bald halten wir Gesteinsbrocken in der Hand, die von Planeten kommen, die nie ein Auge gesehen, nie ein Fuß betreten hat. Wahnsinn.
Schnell planen wir unser restliches Leben: Wir werden Schatzsucher, Meteoritensucher, verwegen, in den unwirtschaftlichsten Landschaften unterwegs, frei wie der Wind, immer auf der Suche nach dem Gold aus dem All. Gut, dem Eisen eigentlich.

Wir bekommen von Mohamed einen Crash-Kurs: Die meisten Meteoriten sind metallhaltig, daher magnetisch. Sie haben oft kleine Einschlüsse von Metall, die man mit dem Auge noch erkennen kann, auch eine Schmelzkruste durch den wilden und heißen Atmosphären-Flug. Also, Meteoriten suchen kann so schwer nicht sein, die Sahara gilt zudem als zentrales Suchgebiet, weil das Klima die Steine konserviert und (aber das ist wohl noch nicht wissenschaftlich bewiesen und eher Mohameds Begeisterung zuzuschreiben) ein Sahara-Magnetismus viele Steine bei ihrem Fall auf die Erde anzieht.
Sofort fahren wir los, Meteoriten suchen.

Welcher von diesen Steinen kommt aus dem All?
An Steinen gibt’s hier wirklich keinen Mangel. Leider sehen Basaltsteine Meteoriten verdammt ähnlich. Nach einigen Stunden haben wir ein paar hundert Aspiranten entdeckt, die wir vielleicht mitnehmen in unserem LKW und schlauen Wissenschaftlern vorlegen. Leider werden selbst unglaublichste Meteoritenfunde nicht nach den Findern benannt, sondern nach dem Fundgebiet, dem Datum und fortlaufender Nummerierung. Schade, aber vielleicht finden wir ein unentdecktes, extra-terrestrisches Material, das heißt dann Bine- oder Bodolith.
27/01: Faule Tage in Zagora
Über die Teerstraße sind wir mit Andrea von Merzouga nach Zagora gefahren. Schöne Landschaft, Berge am Horizont, weite Prärien, kaum Gegenverkehr und guten alte Hits im CD-Player.
In Zagora checken wir wieder im Campingplatz „Prend ton temps“ ein und freuen uns auf eine relaxte Zeit. Leider hat Hassan, ein „Freund der Ruhe und der Wüste“, die Geschäfte an einen größeren, kräftigeren Verwandten abgetreten, der vor allem eins im Sinn hat: Touren verkaufen, Tajine verkaufen, Couscous verkaufen. Schade. Immer noch ein schöner Platz, aber nicht mehr ruhig.

Konditorei mit Saft-Spezialitäten. Lecker!
Egal, wir laden die Batterien auf, essen Hähnchen und schauen den Dorfschönheiten beim Flanieren zu. Zagora hat sich in den letzten zwei Jahren fast verdoppelt. Es gibt neue Straßenbeläge, Häuser, viele Reise-Unternehmen. Der marokkanische König hat gesagt: Bis 2010 sollen touristische Zentren hübsch und groß sein. Und so geschehe es. Da kann man verstehen, wieso die nicht so touristischen Zentren wie z.B. Figuig enttäuscht sind über ausbleibende Unterstützung. Oder warum sich manche Dorfbewohner im Draa-Tal oder im Tafilalet fragen, warum ihre romantische Baumallee der breiten Teer-Standard-Straße weichen musste.

Andreas Urlaub geht zu Ende und so stehen wir morgens am Busbahnhof und nehmen Abschied. Schade! Gute Heimreise und bis bald, liebe Andrea.
In Zagora checken wir wieder im Campingplatz „Prend ton temps“ ein und freuen uns auf eine relaxte Zeit. Leider hat Hassan, ein „Freund der Ruhe und der Wüste“, die Geschäfte an einen größeren, kräftigeren Verwandten abgetreten, der vor allem eins im Sinn hat: Touren verkaufen, Tajine verkaufen, Couscous verkaufen. Schade. Immer noch ein schöner Platz, aber nicht mehr ruhig.

Konditorei mit Saft-Spezialitäten. Lecker!
Egal, wir laden die Batterien auf, essen Hähnchen und schauen den Dorfschönheiten beim Flanieren zu. Zagora hat sich in den letzten zwei Jahren fast verdoppelt. Es gibt neue Straßenbeläge, Häuser, viele Reise-Unternehmen. Der marokkanische König hat gesagt: Bis 2010 sollen touristische Zentren hübsch und groß sein. Und so geschehe es. Da kann man verstehen, wieso die nicht so touristischen Zentren wie z.B. Figuig enttäuscht sind über ausbleibende Unterstützung. Oder warum sich manche Dorfbewohner im Draa-Tal oder im Tafilalet fragen, warum ihre romantische Baumallee der breiten Teer-Standard-Straße weichen musste.

Andreas Urlaub geht zu Ende und so stehen wir morgens am Busbahnhof und nehmen Abschied. Schade! Gute Heimreise und bis bald, liebe Andrea.

Ich bin wieder zu Fuß unterwegs. Der Erg Chebbi liegt vor mir, etwa 120 qkm Bilderbuchwüste, die unter anderem die höchsten Dünen Marokkos beherbergt. Quer hindurch möchte ich, auf der anderen Seite umdrehen und die gleiche Strecke wieder zurück. An der schmalsten Stelle, die ich mir ausgesucht habe, sind das etwa 10 km Luftlinie pro Strecke.
Am Tag zuvor war ich mit Bine mit dem LKW auf der anderen Seite, um ein Wasserdepot anzulegen, für alle Fälle. Außerdem muss ich dann nur das Wasser für jeweils eine Strecke im Rucksack tragen. Man muss das Unternehmen nicht dramatisieren, aber auch im Erg Chebbi sind schon Leute verdurstet, unter ziemlich unglücklichen Umständen, wie die Einheimischen hier erzählen.
Kurz nach Sonnenaufgang bin ich unterwegs. Erste Feststellung: Ich habe den Wind unterschätzt. Er bläst mit annähernd Sturmstärke direkt ins linke Ohr und geht ansonsten durch bis auf die Haut. Dort steht schon Wasser, nach knapp einem Kilometer, ich bin wieder viel zu warm angezogen.
Ursprünglich wollte ich den direkten Weg wählen. Also Gradzahl per GPS nehmen, kurz die Richtung peilen und dann los. Nach der dritten Düne knicke ich diesen Plan. Düne rauf und auf der anderen Seite wieder runter und dann wieder von vorne, etwa hundertmal – keine Chance, ich habe jetzt schon Pudding in den Knien. Außerdem ist es ohnehin kaum möglich, Landmarken zur direkten Ansteuerung anzupeilen. Ansonsten geht es, im wörtlichen Sinne. Jede Düne hat eine harte und eine weiche Seite, meistens jedenfalls. Auf der harten kommt man voran, allerdings sind einige tatsächlich so dermaßen fest, dass die Stiefel manchmal auf der Schräge zur Seite wegrutschen, wer hätte das erwartet.
Immer noch Spuren von Motos, die waren wirklich fast überall. Bis auf den Wind ist Stille, und ich fühle mich wie am Lagerfeuer: Hinten eiskalt durch den Wind, vorne schön warm durch die Sonne. Nachteil: Ich sehe kaum etwas, weil ich direkt in Richtung Sonne gehe, und die Augen machen bei dieser Helligkeit gnadenlos dicht.
Wie immer zu Beginn einer Wanderung bin ich viel zu schnell unterwegs. Ich schwitze und verliere unnötig Flüssigkeit, außerdem nehme ich meine Umwelt kaum wahr. Also erst mal Pause in einem Dünental. Hier pfeift der Wind nicht so stark, dafür ist der Boden eiskalt. Für den Rest der Strecke gilt jetzt: öfter mal stehen, hören und sehen.
Von rechts zieht eine Kamelkarawane auf. Das stört mich, ich will sie alleine haben, diese kleine Wüste im Taschenformat, die doch schon alles hat, um sich darin gehörig zu verlaufen. Sollte mir nicht passieren, dank GPS und – für echte Notfälle – Satellitentelefon. Also gehe ich weiter. Die Ohrenschmerzen werden stärker, ich stopfe mir Klopapier ins linke Ohr. Die Umgebung verliert sofort an Unmittelbarkeit. Erstaunlich: Mit einem Auge sieht man immer noch fast alles, mit einem Ohr hört man fast kaum etwas, was das Gehirn noch auswerten kann.

Der Körper ruft nach Aufmerksamkeit, und so beschließe ich, dem Ruf der Natur zu folgen. Ich lasse gerade die Hosen herunter, da springt mir von hinten fast ein Motorrad in den Nacken. Bemerkt hatte ich das Geräusch schon länger, doch die Dünen hatten mir verheimlicht, wie nahe es schon war.
Der Fahrer bremst nach seinem Sprung, und wir staunen beide nicht schlecht. Peter kommt aus Augsburg, er hat seine Transalp extra von einem deutschen Reiseveranstalter hier runterbringen lassen. „Geil hier, oder?“, sagt er. „Ja.“, sage ich, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir das Gleiche meinen. Dann gehen wir wieder getrennte Wege. Hoffe ich zumindest.

Wenn man wissen will, wie man am besten ein Dünengebiet durchquert, muss man den Kamelführern zuschauen. Ihre Route geht niemals direkt, sie schlängeln sich eher durch, und sie überqueren eine Düne niemals an ihrem höchsten Punkt. Sie vermeiden große Höhenunterschiede und nehmen dafür beträchtliche Umwege in Kauf. Außerdem gehen sie bedächtig, aber stetig. Ich tue es ihnen fortan gleich, das GPS zeigt mir, dass man so allerdings den drei- bis vierfachen Weg gegenüber der Luftlinie zurücklegt. Hin und wieder auch mehr, denn manchmal geht man de facto zurück.
Der Sand bleibt hart, und doch ist er direkt an der Oberfläche so fein, dass selbst jede Fliege bei der Landung einen Abdruck hinterlässt. Ich mache Rast und frühstücke, und obwohl ich nicht übermäßig esse, ist das Leben hinterher mühsamer. Plötzlich schwitze ich heftig, obwohl sich außen kaum etwas geändert hat.
Ich prüfe mehrmals meine Position, trotzdem komme ich immer weiter vom Kurs ab, unter anderem, weil eine Megadüne im Weg liegt. Hier muss ich rechts oder links vorbei, um danach wieder auf den alten Kurs zu schwenken. Lag das Ziel anfangs in 97 Grad, also fast genau im Osten, so liegt es mittlerweile bei 137 Grad.
Das Nachbarland kommt in Sicht. Ich stelle mich oben auf die nächste Düne und pinkele in hohem Bogen demonstrativ in Richtung Algerien, dem Land, in dem nach heutigem Wissen die Terroristen untergetaucht sind, die vor einigen Wochen vier französische Urlauber in Mauretanien eiskalt ermordeten und uns die Weiterreise durch Mauretanien versauten.
Irgendwann bin ich durch und finde das angelegte Depot. Im Erdreich klafft ein Loch, das Essen hatte Besuch von Nagern, ist aber unversehrt. Ich mache eine kurze Pause, ziehe Socken und Schuhe aus und laufe barfuß durch den Sand. Dann packe ich alles wieder zusammen und mache mich auf den Rückweg.

Die Megadüne liegt wieder im Weg, ich gehe links vorbei und steuere danach unausweichlich auf eine Düne zu, die nicht minder hoch ist. Muss wohl sein, denke ich, klettere also hoch, setze mich auf den Grat, atme durch, genieße – und schlafe ein. Als ich wieder wach werde, geht der Tag zu Ende, also suche ich mir in der Nähe einen Schlafplatz. Kurze Meldung über Satfon bei Bine, dann lege ich mich in den Schlafsack. Der Sonnenuntergang ist für die Götter, noch ein wenig lesen mit der Stirnlampe, dann bin ich hinüber. Die Nacht ist lang, ich schlafe den Schlaf des Gerechten und werde mit dem Sonnenaufgang wach. Ich bin durchgefroren, auf dem Rucksack ist Eis. Ich quäle mich raus, dann packe ich und marschiere die letzten Kilometer in Richtung Campingplatz, auf dem unser LKW steht.
Und, wie war’s? Gut war’s!
Anstrengend? Ja.
Angst gehabt? Ja.
Angst, von Quad- und Motorradfahrern über den Haufen gefahren zu werden.
Was sonst noch zu sagen bleibt: Sonnenöl, das klebt und tropft ist Scheiße. Terroristen, die harmlose Touristen erschießen, sind Mega-Scheiße.
- - -
Für Nachmacher:
Bewährt haben sich:
- AKU Wüstenstiefel, wieder mal, halb so teuer und doppelt so bequem wie die von Garamont, aber leider nicht mehr lieferbar.
- GPS 12 von Garmin, stammt aus der GPS-Steinzeit, ist aber mit allem ausgerüstet, was man braucht und aufgrund seines LCD-Displays viel besser abzulesen als die modernen Geräte mit TFT-Display, vor allem bei Sonnenschein. Wir haben mittlerweile zwei davon, einfach gut, auch die Kommunikation mit Laptop und Touratech QV Navi-Software funktioniert einwandfrei.
- Mammut Extrem 35 L Rucksack, nicht der Leichteste, aber extrem verarbeitet und groß genug. Was da nicht mehr reinpasst ist eh zu viel.
- eine separate Umhängetasche fürs Essen, damit man nicht immer den Rucksack öffnen muss.
- Fjällräven, Hose aus G 1000, obwohl der Plastikreißverschluss ein Witz ist. Der Stoff ist gut.
- mehrere kurze Pausen statt einer langen.
- marokkanische Müsliriegel, die Bine in Merzouga aufgetrieben hat. Echte Nüsse, echter Honig, null Chemie – der Knaller.
- Thuraya Satellitentelefon. Zum einen für den echten Notfall, daneben aber auch als GPS-Ersatz, aktuelle Position bei Kaltstart in weniger als 1 Minute! Kann Wegpunkte speichern, aber keine Routen, der Kurs zum Ziel wird in Grad angezeigt, also Kompass mitnehmen. Wer’s genau mag informiert sich vorher über Dinge wie Missweisung am Ort und den Unterschied zwischen rechtweisend Nord (GPS) und missweisend Nord (Kompass).
21/01: Tourstart durch die Dünen

Hier der Profi bei den letzten Vorbereitungen. Bodos Bericht folgt...
Während sich Bodo also durch die Dünen quält, machen Andrea und ich das Damenprogramm. Erst nehmen wir einen gepflegten Tee auf der Terrasse des exklusiven Berghotels. Mit dem Tele spähen wir in die Dünen, können Bodo aber leider nicht entdecken.

Anschließend geht’s nach Merzouga ins Cyber (Internet-Cafe), Mille-Fleur kaufen in den Lebensmittelladen, zum Spaghetti-Kochen in den LKW und abends den alten Schwarz-Weiß-Schinken „Begierde unter Ulmen“ mit Sophia Loren. Nachts liege ich allein im Bett und denke an Bodo: ob er friert? Ob er Hunger hat? Aber er ist ja hart im Nehmen.
20/01: Ente grillé

Für Gunther!
20/01: Merzouga: Depot anlegen
Die Dünen bei Merzouga namens Erg Chebbi sind ca. 25 Kilometer lang, aber im Schnitt nur 10 Kilometer breit. Bodo hat sich in den Kopf gesetzt, da durch zu wandern, also fahren wir heute auf die andere Seite, einmal drumherum sozusagen, legen ein Depot mit Wasser, Datteln und Schokolade an und speichern die Koordinaten in unserem GPS.

Schön ist die andere Seite vom Erg Chebbi, ohne Teerstraße, halbfertige / -verlassene Hotels und von Motorrädern und Quads zerfahrenen Dünen. Die Piste ist gut erkennbar, und wessen Auto gut im Sand fahren kann, sollte sich das nicht entgehen lassen. Mit dieser Tour testen wir auch gleich unsere technische Ausstattung mit GPS, Satellitentelefon, Touratech und Pathaway über PDA und natürlich die Pistentauglichkeit des LKW. Alles klappt!


Schön ist die andere Seite vom Erg Chebbi, ohne Teerstraße, halbfertige / -verlassene Hotels und von Motorrädern und Quads zerfahrenen Dünen. Die Piste ist gut erkennbar, und wessen Auto gut im Sand fahren kann, sollte sich das nicht entgehen lassen. Mit dieser Tour testen wir auch gleich unsere technische Ausstattung mit GPS, Satellitentelefon, Touratech und Pathaway über PDA und natürlich die Pistentauglichkeit des LKW. Alles klappt!

19/01: Rissani: Souk und Eselsmarkt
Da wir einige Tage in Merzouga verbringen möchten, ist einkaufen angesagt. Das verbinden wir mit einem Ausflug nach Rissani. Bei unserem letzten Besuch vor zwei Jahren wurden wir von angeblichen Guides verfolgt und von einem Parkplatzwächter zur Kasse gebeten, der nicht bemerkt hatte, wie Gauner unsere Reservekanister demolierten und leerten. Wir schließen also alles fest, parken vor der Gendarmerie und los geht’s. Wir: Das ist auch Andrea aus Berlin, die einige Tage mit uns verbringt.

Lust auf einen Zahnarztbesuch? Soll hier recht günstig sein...
Es ist Markttag und die Stadt brechend voll. Wir verlieren Bodo aus den Augen, aber das Problem ist schnell gelöst: Die örtlichen Rasselbanden haben alles im Blick. „Ali Baba est là“, sagt ein Kleiner mit einer Zahnlücke, die er schüchtern hinter einer Hand verbirgt. Ali Baba, das muss Bodo sein, mit seinem Bart, und so ist es auch. Ich kaufe Gemüse, drei Kilo für wenige Pfennige, Schokolade, Joghurt, O-Saft, Milch, Fischkonserven – was geht es uns gut. Für vier Batterien möchte der Händler 30 Dirham. Das scheint mir viel, ich handele ihn zäh auf 20 Dirham runter. Die Kinder zerren an meinem Pulli und sind empört: 8, höchstens 9 Dirham kosten Batterien! Ich lache, so ist das eben. Nein, meinen die Kleinen, ich soll sofort zurückgehen und mein Geld zurückverlangen. Ein Kurzer mit Segelohren zieht mich zu jedem Geschäft: „Pharmacie“, sagt er, „Boulangerie“ und „Restaurant“. Ich bin ungeduldig, was will er nur, soll ich da überall was kaufen? Dann geht mir auf: Er hat Lesen gelernt! Als ich ihn lobe, strahlt er.

Viel Zeit, um sich Unsinn auszudenken: Rasselbande in Rissani
Zum Markttag gelangen viele Verkäufer mit ihrem alltäglichen Transportmittel: ihrem Esel. Daher ist es logisch, dass neben dem Markt ein extra Platz als Eselsparkplatz ausgewiesen ist. Die herumliegenden Steine dienen dazu, den Pflock mit dem Fußstrick in den Staub zu hauen, während sich die Tiere lauthals beschweren. Esel i-ah-en übrigens nicht einfach so: sie haben einen Hang zum Dramatischen. Sie pumpen erstmal richtig Luft, machen ein passendes Gesicht, recken den Kopf weit vorwärts, halten das angeleinte Bein theatralisch von sich und legen los. Ist die Gegend zusammengebrüllt, überlegen sie, was sie jetzt anstellen können. Manche schmeißen sich mit Sattel in den Sand und wälzen sich lustvoll, andere kauen den Nachbaresel am Ohr oder pullern ausgiebig. Soweit verfügbar, widmen sich die männlichen Esel auch gern greifbaren Eselsdamen, was sehr im Sinne der Besitzer letzterer ist, zwecks kostenfrei gezeugten Nachwuchses.

Eselsparkplatz in Rissani: bitte vorwärts einparken.

Lust auf einen Zahnarztbesuch? Soll hier recht günstig sein...
Es ist Markttag und die Stadt brechend voll. Wir verlieren Bodo aus den Augen, aber das Problem ist schnell gelöst: Die örtlichen Rasselbanden haben alles im Blick. „Ali Baba est là“, sagt ein Kleiner mit einer Zahnlücke, die er schüchtern hinter einer Hand verbirgt. Ali Baba, das muss Bodo sein, mit seinem Bart, und so ist es auch. Ich kaufe Gemüse, drei Kilo für wenige Pfennige, Schokolade, Joghurt, O-Saft, Milch, Fischkonserven – was geht es uns gut. Für vier Batterien möchte der Händler 30 Dirham. Das scheint mir viel, ich handele ihn zäh auf 20 Dirham runter. Die Kinder zerren an meinem Pulli und sind empört: 8, höchstens 9 Dirham kosten Batterien! Ich lache, so ist das eben. Nein, meinen die Kleinen, ich soll sofort zurückgehen und mein Geld zurückverlangen. Ein Kurzer mit Segelohren zieht mich zu jedem Geschäft: „Pharmacie“, sagt er, „Boulangerie“ und „Restaurant“. Ich bin ungeduldig, was will er nur, soll ich da überall was kaufen? Dann geht mir auf: Er hat Lesen gelernt! Als ich ihn lobe, strahlt er.

Viel Zeit, um sich Unsinn auszudenken: Rasselbande in Rissani
Zum Markttag gelangen viele Verkäufer mit ihrem alltäglichen Transportmittel: ihrem Esel. Daher ist es logisch, dass neben dem Markt ein extra Platz als Eselsparkplatz ausgewiesen ist. Die herumliegenden Steine dienen dazu, den Pflock mit dem Fußstrick in den Staub zu hauen, während sich die Tiere lauthals beschweren. Esel i-ah-en übrigens nicht einfach so: sie haben einen Hang zum Dramatischen. Sie pumpen erstmal richtig Luft, machen ein passendes Gesicht, recken den Kopf weit vorwärts, halten das angeleinte Bein theatralisch von sich und legen los. Ist die Gegend zusammengebrüllt, überlegen sie, was sie jetzt anstellen können. Manche schmeißen sich mit Sattel in den Sand und wälzen sich lustvoll, andere kauen den Nachbaresel am Ohr oder pullern ausgiebig. Soweit verfügbar, widmen sich die männlichen Esel auch gern greifbaren Eselsdamen, was sehr im Sinne der Besitzer letzterer ist, zwecks kostenfrei gezeugten Nachwuchses.

Eselsparkplatz in Rissani: bitte vorwärts einparken.
18/01: Merzuga: In den Dünen


Heute möchten wir in die Dünen fahren, soweit wir mit unserem LKW kommen, ohne Luftablassen- oder Sandschaufel-Aktionen. Etwas Ruhe haben. Die Kinder der Umgebung klettern auf die Dünen, schauen, wo wir uns hinquaelen und besuchen uns dann unter Gelächter. Diese lustigen Touristen!
Ich zeige ihnen ein Buch mit Bildern aus Deutschland, das ich extra mitgenommen habe. Burgen in Franken, Hochhäuser in Frankfurt, Denkmäler in Berlin, das alles interessiert sie nicht besonders. Beeindruckt sind sie nur von bayerischen Blaskapellen: so viele Trompeten und Hörner, das muss einen Krach machen, toll!

Merzouga lebt von den nahe gelegenen Dünen. Die Touristen werden in den Sonnenuntergang geschickt (hier zu Fuß die Dünen hinauf, wahlweise aber auch per Kamel oder Quad), dann in ein Original-Berberlager verfrachtet, bekommen original traditionelle Berberkost, schlafen unter den originalen Sternen, dürfen den traditionellen Sonnenaufgang bewundern und werden morgens wohlbehalten in ihre Hotels zurückgebracht.

17/01: Merzuga: Am Dayet Sri
Gar nicht weit soll es einen See geben, nur 2 Kilometer, sagt Abdul, der Chef von „Soleil Bleu“. Mit Flamingos, rosa, Mengen davon! Abdul weiß alles und kann alles besorgen, er hat einen Bruder, der Motorräder verleiht, einen mit einer Kasbah, einen mit einem Teppichladen, einem Gewürzgeschäft usw. Wir sind bei 17 Brüdern, erstaunlich! Daher sind wir auch bei den Flamingos kritisch, aber da auch der Reiseführer davon schwärmt, machen wir uns mit Andrea aus Berlin, Roman aus der Slowakei und einem netten Kerl aus der Bretagne mit unaussprechlichem Namen auf den Weg.
Nach nur 4,5 Kilometern finden wir den See tatsächlich in der beschriebenen Richtung. Es gibt nur schwarze Flamingos mit kurzen Beinen, die eher Enten ähneln, Andrea ist sehr enttäuscht.


Eine Gruppe Kinder mit Schultaschen und Fahrrädern lungern herum. Sie lassen nicht lange auf sich warten, begrüßen uns gekonnt auf französisch, spanisch und englisch und packen ihre Taschen aus, die keine Schulbücher enthalten, sondern voller Tand und polierten Fossilienfunden sind, die wir bitte alle kaufen sollen. Wahlweise können wir ihnen auch Cadeaus (Geschenke) geben, Euro nehmen sie auch, sagen sie. Nun ja. Wir kaufen etwas, essen ein paar Mandarinen, hören den Enten-Flamingos zu und laufen zurück. Ein schöner Ausflug, so in der warmen Sonne.
Nach nur 4,5 Kilometern finden wir den See tatsächlich in der beschriebenen Richtung. Es gibt nur schwarze Flamingos mit kurzen Beinen, die eher Enten ähneln, Andrea ist sehr enttäuscht.


Eine Gruppe Kinder mit Schultaschen und Fahrrädern lungern herum. Sie lassen nicht lange auf sich warten, begrüßen uns gekonnt auf französisch, spanisch und englisch und packen ihre Taschen aus, die keine Schulbücher enthalten, sondern voller Tand und polierten Fossilienfunden sind, die wir bitte alle kaufen sollen. Wahlweise können wir ihnen auch Cadeaus (Geschenke) geben, Euro nehmen sie auch, sagen sie. Nun ja. Wir kaufen etwas, essen ein paar Mandarinen, hören den Enten-Flamingos zu und laufen zurück. Ein schöner Ausflug, so in der warmen Sonne.
Gar nichts tun. Einfach die Sonne geniessen.

Pünktlich um 18.00 Uhr finden sich Andrea aus Berlin und ich auf der Terrasse zum zuverlässigen Sonnenuntergangs-Schauspiel ein. Nur der Sundowner fehlt.
Wir sind bei den Dünenfeldern in Merzuga. Kurz schauen wir bei den zahlreichen Kasbah-Verschnitt-Hotels hinein, die auch Camping-Möglichkeiten anbieten. Für relativ teures Geld kann man auf größenwahnsinnig angefangenen und auf halben Weg verhungerten Plätzen stehen: hier zerzauste Palmen, da ein wenig Bauschutt und dazwischen wahlweise „He, my friend, alles klar?“ rufende junge Männer oder „Caramell, Bonbon, T-Shirt, Cadeau!“ schreiende Kinder. Oh je, wie weit ist doch Figuig.
Wir zögern also nicht lange und fahren wieder zu „Soleil Bleu“ (siehe Berichte hier, hier und Bilder hier). Zwar gibt weder Grün noch Elektrizität, dafür aber nette Backpacker aus aller Welt, ein junger Hund und ein kleines Kätzchen ein, was Bodo so entzückt wie es Rififi nervt. Nach seiner Meinung wollen die alle nur sein Futter.


Bodo liebt den kleinen Hund. Dass dieser ziemlich verlaust ist, fiel ihm erst spaeter auf...

Pünktlich um 18.00 Uhr finden sich Andrea aus Berlin und ich auf der Terrasse zum zuverlässigen Sonnenuntergangs-Schauspiel ein. Nur der Sundowner fehlt.
Wir sind bei den Dünenfeldern in Merzuga. Kurz schauen wir bei den zahlreichen Kasbah-Verschnitt-Hotels hinein, die auch Camping-Möglichkeiten anbieten. Für relativ teures Geld kann man auf größenwahnsinnig angefangenen und auf halben Weg verhungerten Plätzen stehen: hier zerzauste Palmen, da ein wenig Bauschutt und dazwischen wahlweise „He, my friend, alles klar?“ rufende junge Männer oder „Caramell, Bonbon, T-Shirt, Cadeau!“ schreiende Kinder. Oh je, wie weit ist doch Figuig.
Wir zögern also nicht lange und fahren wieder zu „Soleil Bleu“ (siehe Berichte hier, hier und Bilder hier). Zwar gibt weder Grün noch Elektrizität, dafür aber nette Backpacker aus aller Welt, ein junger Hund und ein kleines Kätzchen ein, was Bodo so entzückt wie es Rififi nervt. Nach seiner Meinung wollen die alle nur sein Futter.


Bodo liebt den kleinen Hund. Dass dieser ziemlich verlaust ist, fiel ihm erst spaeter auf...
12/01: Boudenib: Nicht viel zu tun
Figuig adé: wir starten. Zwei Wochen waren wir wieder da...
Unsere Fahrt geht heute nur bis Boudnib. Wir machen der Gendarmerie unsere Aufwartung und duerfen gerne bewacht davor uebernachten.

Kleiner Ort; grosses Schild.

Dieser Messieur, ein Witwer, fuehrt ein freundliches Café mit fluessigem Raib und verbrannten Paprika. Keine oertliche Spezialitaet, sondern ein ungluegliches Haendchen bei der Zubereitung. Das macht er aber durch Freundlichkeit wieder wett.

Gepflegte Langeweile...
Unsere Fahrt geht heute nur bis Boudnib. Wir machen der Gendarmerie unsere Aufwartung und duerfen gerne bewacht davor uebernachten.

Kleiner Ort; grosses Schild.

Dieser Messieur, ein Witwer, fuehrt ein freundliches Café mit fluessigem Raib und verbrannten Paprika. Keine oertliche Spezialitaet, sondern ein ungluegliches Haendchen bei der Zubereitung. Das macht er aber durch Freundlichkeit wieder wett.

Gepflegte Langeweile...


Endspurt! Unsere LKW-Kabine wird zum Lackieren vorbereitet. Alle Kleinteile sind abgeschraubt, Beulen und Löcher gespachtelt und alles schön geschliffen. Das Führerhaus und die Astabweiser sollen hellelfenbein, Kühler und Windfänger schwarz werden. Das Mercedes-Zeichen auf dem Kühler wird silber, darauf bestehen die Jungs.


Es findet sich sogar eine Halle, in die der LKW gerade so reinpasst. Abends wird also lackiert und nachts kann alles trocknen, während wir bei Klaus und Miluda übernachten. Der nächste Morgen zeigt dann das Ergebnis und hm, wenn man deutsche Perfektion beiseite lässt, ein paar Nasen ignoriert und andere Schwachstellen.... Ach, was soll’s, es war nicht so teuer und besser als vorher ist es auf jeden Fall.
Den naechsten Tage polieren die Garagen-Jungs Scheiben und Einzelteile und schrauben alles wieder zusammen. Auf die Mannschaft hier lassen wir nichts kommen

Letzter Arbeitsschritt: der Anlasser wird ausgebaut und gereinigt. Die Stimmung ist gut!

Wir verschenken zum Abschied und als Dankeschön unser zweites Autoradio, offensichtlich gefällts.

Ein gutes Team, ein gutes Stück Arbeit und viele zufriedene Gesichter - so sehen Happy-Ends aus.
Unsere absolute Empfehlung für alle Reparaturen:
Garage El Kouds
Micanique Gèneral & Tolerie
Patron: Imad Bouakka (im Bild ganz links)
Sité Beghdad – Figuig
Tel: 00212 70208028
11/01: Figuig: im souk
Der Dienstag ist Markttag in Figuig. Morgens ab ca. 6 in Ksar Zenaga, ab 11 Uhr dann in „Figuig Haute“, im oberen Stadtteil. Hausfrauen, die etwas auf sich halten, kaufen natürlich morgens früh ein. Das frischeste Gemüse liegt mit Stil und Stengel auf Decken, das kommt aus der Region. Gemüse in Kisten wird hergebracht und ist daher nicht so frisch.

Unser LKW, frisch lackiert und neu mit Astabweisern, mitten im Souk von Figuig.



Schön ist, dass man Essen nicht handeln muss. Haushaltsartikel schon.

Aus der Umgebung kommen die Nomaden und Bauern mit Ziegen, Schafen, Olivenöl und geschmuggeltem Diesel.

Alles trifft sich auf dem Souk. Wer nichts kaufen möchte, flaniert eben so durch die Gassen, trifft Bekannte und schaut, was es Neues gibt.

Unser LKW, frisch lackiert und neu mit Astabweisern, mitten im Souk von Figuig.



Schön ist, dass man Essen nicht handeln muss. Haushaltsartikel schon.

Aus der Umgebung kommen die Nomaden und Bauern mit Ziegen, Schafen, Olivenöl und geschmuggeltem Diesel.

Alles trifft sich auf dem Souk. Wer nichts kaufen möchte, flaniert eben so durch die Gassen, trifft Bekannte und schaut, was es Neues gibt.

Während der Arbeiten am LKW stehen wir auf einem Platz in der Nähe einer Grundschule. Morgens kommen die Schüler auf ihrem Weg zur Schule bei uns vorbei und beäugen uns neugierig. Ebenso auf ihrem Weg in die Mittagspause nach Hause, zurück zur Schule und nachmittags wieder nach Hause.
Nach einer Woche entschließt sich eine Gruppe schließlich, schiebt die Mutigsten vor und lässt schüchtern fragen: „On peut voir le camion?“. Da kann man kaum nein sagen und begeistert stürmen die Kids unser Wohnmobil. Bodo steht unten auf der Leiter und hebt Kinder hoch und runter, ich antworte innen auf Fragen. Am Wichtigsten scheint zu sein: Wo ist die Katze? Wie heißt die Katze? Wo ist das Klo? Wo ist der Fernseher? Dass letzteres nicht vorhanden ist, irritiert - ganz augenscheinlich sind wir arm!

Nachdem sich alle Mohammads, Mustaphas, Fatimas und Aischas (das marokkanische Pendant zu unseren Jonas- sowie Anna-Variationen) besucht haben, schenken sie uns zum Dank zwei Erdbeerbonbons und rufen in den nächsten Tagen auf den Schulwegen erfreut: „Où est le Fifi?“ So wird aus Rififi eben le Fifi.

Nach der Andacht in der Moschee suchen die Frauen auf der Treppe vor dem Fraueneingang ihre Pantoffel zusammen. Der Hayek ist hier noch allgegenwärtig. Dieser weiße Umhang wird mit zwei Händen und Zähnen gebändigt und kann von lässig-über-die-Schulter bis nur-noch-ein-Auge-frei blitzschnell variiert werden.
Die Figuigies – Männer wie Frauen - behaupten übrigens, sie wüssten immer, wer sich unter dem Hayek verbirgt, der gerade vorbeiläuft. Ich weiß ja nicht. Vielleicht erkenne sie sich an den Schuhen?
Die Schuhauswahl geht übrigens so, sagt Miluda:
Damit habe ich wieder alles falsch verstanden, indem ich Schlappen auf Jeans trqge und verstehe jetzt die Blicke der Frauen. Hm. So einfach ist das eben nicht, mit hinschauen und verstehen. Hier ein anderes Beispiel: den steilen Berg in Figuig schieben die Mädels ihr Fahrrad hinunter, statt einfach hinunter zu sausen. Ich dachte, das geschieht aus Anstand so. Klaus klärte mich aber auf: die Fahrräder


Die Wohnstätten der Zeltbewohner, Rück- und Vorderansicht: traditionelle Zeltbahnen werden mit allen verfügbaren Kleidungs- und Stoffstücken geflickt und verstärkt.
Um Figuig herum wohnen die ärmsten Familien in Zelten. Familien, die 50 Dirham monatliche Miete für ein rohes Steinhaus nicht aufbringen können, weil es keine Arbeit gibt, die Schulbildung fehlt oder einfach weil Pech mit im Spiel ist.
Einee ganze Familie wohnt in diesem einen, innen komplett offenen Zelt: Kinder, Eltern, manchmal auch die Großeltern und diverse Kleintiere. Über der Schlafstelle sind Plastikplanen angebracht, damit es einem nicht auf den Kopf regnet. Über der Kochstelle kann das Dach weggeklappt werden. Es gibt einen öffentlichen Wasserhahn ein paar hundert Meter entfernt, aber natürlich weder Abwasser noch Strom. Auch keine Heizung, und mich friert, wenn ich die ganzen Kinder ohne Strümpfe und Schuhe sehe. Ohne Sonne sind es nur ein paar Grad über Null hier.
Es fehlt an allem, aber nicht an Lebensfreude, denn in jedem Zelt wurden wir freundlich begrüßt und mit einem ehrlichen Lachen verabschiedet.


Klaus und Miluda forsch unterwegs. Sonne, Wind und Wüste konnte sie nicht abschrecken. Miluda hatte die gute Idee, direkt die Zelte aufzusuchen und die Spenden dort abzugeben.
Unser Plan ist recht einfach: zu jedem Zelt fahren oder laufen und überall einen gelben Sack an die Zeltbesitzerin abgeben. Wenn wir Kinder sehen, suchen wir einen Sack mit Kindersachen aus, bei Schulkindern gibt’s noch Tasche und Block dazu.

Links der Kerl ist zu cool, um seine Freude zu zeigen, hält die Tasche aber fest und sicherheitshalber hinter sich, falls wir es uns doch anders überlegen.

Wir übergaben die Säcke, wechselten ein paar Worte (bzw. Miluda wechselte, ich verstand nix) und ab zur nächsten Station. Kaum waren wir außer Sichtweite, wurden die Säcke geöffnet. Das letzte Foto hab ich heimlich gemacht, aber die Menschen haben sich so gefreut, das musste ich fotografieren – auch als Dankeschön für alle, die uns etwas mitgegeben haben.
Das nächste Mal machen wir es genauso. Fangt schon mal an zu sammeln!
Hier der Bericht aus dem vorletzten Jahr, als wir eine Zeltfamilie besucht haben. Die Fotos stammen ebenfalls von 2005 und die Familie ist inzwischen um einen kleinen Sohn größer...
>> zum Bericht
>> zu den Fotos
07/01: Figuig: Spenden sortieren

Wir treffen uns bei Klaus Fuchs, unserem guten Freund, der in Figuig mit seiner marokkanischen Frau Miluda wohnt. Die beiden wissen genau, wo Not am Mann ist und gemeinsam möchten wir die Spenden aus Deutschland verteilen.

Nur wie? Als wir vor dem Kleider- und Spielzeugberg stehen, geht uns langsam auf, dass wir als Spendenamateure keine Ahnung haben, wie das funktioniert, das Spenden. Wie organisieren wir das so, dass die Kinderschuhe bei den richtigen Füßen landen und keine arme Frau am Ende mit Männerhosen dasteht? Alle zusammenrufen und jeder soll sich nehmen, was er braucht? Auf das Mithilfeangebot des Polizeichefs zurückgreifen? Uns an hiesige Associations wenden, von denen es unübersichtlich viele gibt? Hm.


Schließlich einigen wir uns auf folgendes Vorgehen: Wir machen Tüten mit gesunden Mischungen von allem und verteilen sie direkt an die Adressaten. Wenn etwas nicht passt, kann ja getauscht werden.
Klaus steuert noch gelbe Säcke (die Ironie entgeht uns nicht) und viele Bonbons zu und am Ende stehen 23 gelbe Säcke im Salon. Morgen gehts dann ans Verteilen!
06/01: Figuig: In der Einkaufszone

In Figuig lässt sich alles kaufen, was man so braucht. In der Hauptstraße liegt ein Geschäft neben dem anderen: Haushaltswaren, Lebensmittel, Friseur, Schneider, Andenken, Lederwaren, Haushaltsgeräte, Geflügel. Die Geschäfte sind zwischen 4 und 40 qm groß, selten verputzt oder auch nur ausgeleuchtet und werden meist innerhalb der Familie weiter vererbt. Es geht gemütlich zu, man kennt sich schließlich.
Wir werden überall sehr freundlich begrüßt und ich mache mithilfe von Miluda meine Einkäufe:
- Bei beiden 190-Euro-Outdoorhosen war nach zwei Wochen der Reißverschluss kaputt. Ein Schneider setzt neue ein, für umgerechnet 1,80 Euro, inklusive Material
- Ein Dampfkochtopf muss her. Cocotte heißt das hier und ist Standard-Ausrüstung marokkanischer Küchen. Ich erstehe ein Modell mit einem lustigen Deckel-Schraubverschluss, 4 Liter, für 230 Dirham (noch mal zur Umrechnung: 1 Euro sind ca. 11,3 Dirham)
Brot, Milch, Eier und Käse sind problemlos zu kaufen. Milch bekommt man sogar in Plastiktüten abgefüllt, auf Wunsch noch warm. Die marokkanischen Mandarinen schmecken vorzüglich. Fisch gibt’s in Konserven, an Gemüse vor allem Karotten, Erbsen, Rüben und Mangold.

Ein Friseur – ich hab mich aber nicht reingetraut... Schilder über Geschäften sind übrigens die Ausnahme. Wenn in der Siesta alle Läden geschlossen sind, sieht man nur eine Straße voller Eisentüren.

Im Nachbarzimmer des Metzgers wohnen die Hühner. 20 Dirham das Kilo, werden sie direkt geschlachtet, kurz in brühendes Wasser getaucht und mit einer Maschine (Fahrradschlauchteile in einer rotierenden Trommel, Selbstbau) gerupft. Sowas von Bio!
05/01: Figuig: In der Schmiede
Arbeitsschritt 2: Wir möchten Astabweiser am LKW haben, also Stangen rund um das Fahrerhaus, die unseren LKW besser vor Kratzern schützen. Ismail ist der Mann der Stunde, als Patron einer Schmiede. Wir fahren vor und diskutieren lange. Einen Tag soll das dauern und sei überhaupt kein Problem, sagt Ismail.
Während der Arbeiten finden sich weitere Kleinigkeiten, die wir noch reparieren lassen, wo wir gerade schon einmal dabei sind, und nach 3 Tagen können wir die Schmiede verlassen: Wir haben jetzt Astabweiser, eine neue Batterieabdeckung, und der Auspuff wurde auch repariert - alles aus Eisen und Stahl.

Auch hier schaut der deutsche Arbeitsschutz besser weg: das Schweißgerät mit Anschlüssen in zweifelhafter Verkleidung wird auf unseren LKW gehievt. Als Leiter dient ein Brotbackschrank...
Nach den Arbeiten schließen wir die Batterien wieder an und es gibt einen Schlag: die Pole waren vertauscht. Bodo wird bleich. Im schlimmsten Falle haben wir Batterien und unsere Geräte (Wandler, Anzeigen, Steuerungen) verloren. Das hieße keinen Strom mehr! Wir wechseln die kaputten Sicherungen und haben Glück im Unglück gehabt: es scheint nur das Anzeigegerät hinüber zu sein. Hamdullilah, Allah war uns wohlgesonnen!
Während der Arbeiten finden sich weitere Kleinigkeiten, die wir noch reparieren lassen, wo wir gerade schon einmal dabei sind, und nach 3 Tagen können wir die Schmiede verlassen: Wir haben jetzt Astabweiser, eine neue Batterieabdeckung, und der Auspuff wurde auch repariert - alles aus Eisen und Stahl.

Auch hier schaut der deutsche Arbeitsschutz besser weg: das Schweißgerät mit Anschlüssen in zweifelhafter Verkleidung wird auf unseren LKW gehievt. Als Leiter dient ein Brotbackschrank...
Nach den Arbeiten schließen wir die Batterien wieder an und es gibt einen Schlag: die Pole waren vertauscht. Bodo wird bleich. Im schlimmsten Falle haben wir Batterien und unsere Geräte (Wandler, Anzeigen, Steuerungen) verloren. Das hieße keinen Strom mehr! Wir wechseln die kaputten Sicherungen und haben Glück im Unglück gehabt: es scheint nur das Anzeigegerät hinüber zu sein. Hamdullilah, Allah war uns wohlgesonnen!
04/01: Figuig: Umgebung

Als der LKW nach einer Woche mal wieder fahrbereit ist, flüchten wir für ein paar Stunden in die ruhigen Berge der Umgebung. Dort legt sich Bodo in die Sonne schlafen, ich räume so im LKW rum und Rififi glaubt, er würde Vögel fangen. Die frechen Dinger hüpfen scheinbar sorglos über die Steine, bleiben aber immer im gleichen Abstand zur Katze und jagen so unseren Kater um den LKW, nicht umgekehrt.


Fang mich, ich bin ein nur kleines Vögelchen... von wegen. Abends war Rififi müde und die Vögel haben sich gut amüsiert.
Eine kleine Geschichte zu kleinen Vögeln: Saudi-Arabien hat Buarfa, der nächst größeren Stadt in Marokko (alles ist relativ...) einen Flughafen bezahlt. Offiziell als eine Art Entwicklungshilfe. Der wahre Grund: Es gibt hier einen Vogel mit einem unaussprechlichen arabischen Namen, den Saudi-Arabier gerne jagen. Zu Hause, in Saudi-Arabien, ist dieser Vogel aber schon dezimiert und daher geschützt. In Marokko nicht, aber man lässt sich den Abschuss gut bezahlen, unter anderem mit diesem Flughafen mitten im Nichts, der groß genug ist, dass zwei saudi-arabische Transport-Flugzeuge hintereinander landen können: das erste mit Jagdpferden, das zweite mit Ehe-Frauen. Die Welt ist verrückt.