29/12: Figuig: In den Palmengärten

Wasser-Auffangbecken in den Palmengärten
Blick ins Wasser, kleine Fische genießen die Sonne so wie ich.
Will man Figuig kennen lernen, muss man durch die Palmengärten laufen. Ismails Schmiede liegt direkt daneben, da bietet sich ein Spaziergang täglich an.
Die Palmengärten sind wunderschön, lebendig und gleichzeitig uralt. Verfallene Türme erzählen von den Fehden, die sieben Ksours von Figuig früher wegen der Wasserrechte miteinander ausfochten.
Noch heute kann man die Ruinen der alten Befestigungsanlagen zwischen den Ksours besuchen, auch wenn die Wassernutzung heute rechtlich festgelegt ist. Und wenn Dir ein Figuigi sagt:“ Ich kenne hier alle, das ist wie eine Familie“, meint er nicht Figuig, sondern sein Heimat-Ksour.

Aminas Neffe Abdul Ali erklärt mir den hiesigen Spielplatz: Ein Kurzer klettert auf die große Palme, die anderen rütteln unten kräftig, und der Kerl in den Palmenzweigen lässt sich dann irgendwann fallen (oder wird ins Wasser geschüttelt).
28/12: Figuig: In der Garage

Ein Hauptgrund für uns, in Marokko direkt auf Figuig zuzusteuern, war die mechanische Teilüberholung unseres LKWs. Und da sind wir nun, in der Garage unseres Vertrauens, nach einer wertvollen Empfehlung von Klaus.

Es sollen Öle und Simmeringe ausgetauscht werden, nach den Bremsen geschaut und alles gut abgeschmiert werden. Alles keine Zauberei, aber langwierig und kleinteilig. Genau das ist das Problem: Arbeitszeit ist in Deutschland nicht mehr zu bezahlen, 180 Euro wollen sie pro Stunde in der Daimler-Werkstatt. Vier Tage brauchen die Jungs hier für das alles und sie arbeiten fleißig und ordentlich, manchmal bis spät in die Nacht.

Dieses eklige Zeug hat eine merkwürdige Konsistenz und Farbe. Es wurde bei unserem letzten Daimler-Werkstatt-Stopp in Spanien vor zwei Jahren eingefüllt. Damals wurde ein Bremszylinder ausgetauscht für wenig lustige 1000 Euro, die Schwierigkeiten mit der Bremse verschwanden aber nur teilweise.

Nachdem alles auseinander genommen, gereinigt und wieder zusammengesetzt wurde (für genaue Beschreibungen bitte an Bodo wenden), schnurrt der LKW wie unser Kater, lässt sich leichter lenken und macht ein gutes Gefühl. Nebenbei stellen wir fest: Alles, was wir bisher für teures Geld in Daimler-Werkstätten haben machen lassen, war im Nachhinein betrachtet irgendwie nicht so notwendig (mal davon abgesehen, dass man bei einem älteren LKW immer alles erneuern könnte). Das hinterlässt das dumme Gefühl, ständig übers Ohr gehauen zu werden.
Nicht so gut sind die neuen Schwierigkeiten: Der Anlasser streikt hier und da, und einer der Mechaniker zeigt uns, dass die Verbindung zwischen Öldruckgeber (im Motorraum) und Öldruckanzeige (im Armataurenbrett) schlicht und ergreifend nicht vorhanden ist. Darauf muss man erstmal kommen!

Wir sind wieder bei Ismail in der Werkstatt. Seine neueste Idee: eine Kutsche, mit der er insgesamt 9 Touristen in Figuig umherfahren kann. Die Idee dafür hat er aus dem Fernsehen. Bei alten Western- oder Drei-Musketier-Schinken hat er genau hinguckt und dann aus dem Kopf heraus einen Plan gemacht. Allein die Räder sind fast so hoch wie ich. Radwerk, Seitenteile und Chassis sind aus Eisen geschweißt. Die Räder bekommen Holz und Gummireifen und das Innere der Kutsche wird mit Samt und Seite ausgeschlagen. Zwei edle Rösser sollen das Ganze dann ziehen.
Es ist eine Wahnsinnsidee, denn Figuig hat gerade mal drei Straßen, die für dieses Gefährt breit genug sind. Wenn diese Kutsche irgendwann einmal durch den Ort fahren sollte – und das steht zu befürchten, denn das Ganze ist gut durchgeplant und handwerklich solide verarbeitet – dann würde ich gern im Kaffee sitzen und mich mit den anderen Figuigis über diesen Anblick köstlich amüsieren.


Lebhafte Diskussion schon beim Frühstück: spanische Touristen müssen von den Vorzügen der traditionellen Berberkleidung überzeugt werden. Angesichts der winterlichen Temperaturen bleiben sie aber bei Goretex.
Amina hat aus dem alten traditionellen Lehm-Haus (siehe Beitrag) eine Auberge für Individualtouristen gemacht. Drei Zimmer mit Dusche stehen zur Verfügung, alles ist sehr rustikal, aber auch liebevoll reserviert. Den geringen Luxus macht die Gastfreundschaft mehr als wett. Es gibt garantierten Familienanschluss, original marokkanisches Essen und alle nötigen Tipps für Figuig, inklusive Fremdenführer, wenn einer der Söhne oder Neffen gerade abkömmlich ist. Und das ist meistens der Fall.
Webadresse: www.auberge-oasis.com

Klassisches Abendessen: zuerst Buttermilch und Datteln, dann Suppe, anschließend den Hauptgang (hier Trit: eine Art Blätterteig mit einer Soße aus Fleisch, Rosinen und Mandeln), manchmal mit Extra-Fleisch zum Schluss des Hauptgangs. Zum Nachtisch meist Obst, also Mandarinen, Orangen, Bananen, Äpfel.
Gegessen wird mit der rechten Hand und von einem großen Teller, das geht sehr gut. Man darf rülpsen, mittendrin aufstehen und gehen, mit der Gabel größere Stücke Fleisch zerhacken, mischen, pampen und Essensreste auf die Tischdecke schmeißen - alles, nur eins nicht: zu wenig essen. Dann wird die Hausfrau streng: Zosch, zosch! (Iss, iss!).
Am Ende wird das Geschirr eingeräumt und einfach die Tischdecke mit allen Resten weggebracht. Dann kann man sich einfach neben dem Tisch (man sitzt sowieso auf dem Boden) zusammenrollen und eine Runde schlafen.

Ismail, Aminas Mann, in Aktion. Dieser Mann steht oder sitzt niemals still und sein „He, Sabine, ca va?“ erschallt lautstark ca. 30mal am Tag. Manchmal klopft er mir auch auf die Schulter und ich versuche, das Gleichgewicht zu halten.
24/12: Auf nach Figuig!

Katzenglück nach langen dunklen Stunden auf der Fähre. Die Sonne scheint schön, aber der Eindruck täuscht: es ist arschkalt.
Wir haben ein klares Ziel: Figuig. Zwei Jahre ist es schon her, dass wir hier dank einer Panne drei schöne Wochen verleben durften, Freunde gefunden haben und uns manches Mal in die schöne Palmenoase zurück gesehnt haben. Gleich am ersten Tag schaffen wir es durch Oujda bis nach Buarfa und wollen eigentlich an der Polizeistation übernachten. Doch Buarfa kommt uns deutlich heruntergekommener aus als früher. Spät am Abend versucht jemand, unsere Schaufel zu klauen, gibt aber mächtig Fersengeld, als ich die Tür öffne. Wir sind wachsam und eine Stunde später schleichen vermummte Männer um unseren LKW, während ein wohl zugehöriger Wagen am Straßenrand wartet. Das ist uns zuviel, wir fahren zurück zum letzten Polizeiposten und übernachten dort.
Morgens fahren wir weiter, direkt in den Sonnenschein, die weite Fläche und fernen Berge hinein. Ach, viel zu lange waren wir nicht mehr hier! Weihnachten kann kommen.


Nach einigen Regentagen sind die Oueds gut gefüllt bzw. gerade erst wieder begehbar.

Die Wüste in einem Wassertropfen
Strecke: Die Fahrt dauert tagsüber ca. 7 Stunden, nachts ca. 8 Stunden.
Anbieter: Comanav und Ferrymaroc.
Kosten: Pro Person zwischen 35 und 45 Euro (ohne Kabine), Auto 70 bis 80 Euro, Campingcar (gleiche Kategorie wie Lieferwagen und LKW) 90 bis 120 Euro
Fähren gehen mehrmals täglich. Man kann anscheinend immer kurzfristig buchen, wir hatten noch keine Probleme und haben auch von Mitfahrern nichts Gegenteiliges gehört.
Wichtig:
Entgegen den Angaben im Internet oder über Reiseunternehmen spielt bei den Fähren die Höhe oder Länge keine Rolle. Auf der RoRo-Fähre gibt es nur zwei Einfahrten: die für Fahrzeuge unter 2,20 m und die für höhrere Fahrzeuge. Internet und Reiseunternehmen sprechen hier von 50 %igen Aufschlägen für gewisse Höhen und Längenund machen es sehr kompliziert, während das in Almeria eigentlich keinen interessiert.
Vor Ort zu buchen ist sehr einfach. Man kann direkt am Ticket Schalter der Gesellschaft buchen oder bei einer der kleinen Agenturen. Die Agenturen sind etwas günstiger, so um die 20 Euro. Man bekommt am Agenturschalter einen Voucher, den man am Ticketschalter der Gesellschaft gegen den „echten“ Fahrtschein eintauscht. Gesprochen wird Spanisch, meist auch Französisch und ein bisschen Englisch.
Das Fährgelände in Almeria ist eigentlich schon nicht mehr Europa. Die wartenden Fährgäste warten und essen vorwiegend auf dem Boden, viele Autos kennen den TÜV nur aus Wirtschaftswunder-Zeiten und meterhoch gestapelte Gepäck auf den Autodächern setzen uns immer wieder in Erstaunen. Die Frauen tragen Kopftücher und halten sich mit den Kindern im Hintergrund, während die Männer lautstark wichtige Geschäfte abschließen. Oder zumindest so tun.
Ausreise:
Alle Fahrzeuge, die auf die Fähre möchten, parken auf einem großen Platz. Eine Stunde vor geplanter Abfahrt gibt es eine Lautsprecheransage, die Menschen springen in ihre Autos und der Krieg beginnt. Wenn man Spaß daran hat, um jeden Zentimeter Auge in Auge mit dem Gegner zu ringen, fährt man sofort los und lässt eine Hand an der Hupe. Wenn man Auto und Nerven schonen möchte, wartet man einfach, bis die größte Aufregung vorbei ist. Am Ende kommen immer alle aufs Schiff. Wir haben beschlossen, fürs nächste Mal die Druckluft-Fanfare zu installieren, das wäre ja gelacht.
Zwei Buchungstypen sind unserer Meinung nach interessant:
- die „Luxuskabine“ mit zwei Betten bzw. Zweierbelegung im Vierbett-Zimmer, Fenster und Dusche. Es gibt alte Fähren und solche neueren Baujahrs, da variiert auch das Niveau der Zimmer stark.
- Pullmann-Sessel bzw. einfach keine Kabine. Unsere erste Wahl, da günstig und unkompliziert. Man packt einen Rucksack mit Verpflegung, ein Buch und eine Decke und sucht sich ein möglichst lauschiges Plätzchen, irgendwo zwischen Publikumsverkehr und Ölgeruch. Mein einem Kulturschock muss man rechnen: schnarchende Menschen mit Stinkefüßen auf oft verschlissenen Sesseln oder fleckigem Linoleum, Toiletten als verkörperte Vorhölle und manchmal auch lautstarke arabische Soaps auf alten Fernsehern. Aber so ist das eben. Wenn man das überstanden hat, ist man morgens in Afrika angekommen.
Nicht zu empfehlen sind Mehrbett-Kabinen (es sei denn, man fährt als Gruppe). Auf keinen Fall tief im Schiffskörper und ohne Fenster: In einem Notfall eine klare Todesfalle.
Einreise:
Von der Fährgesellschaft bekommt man ein weißes Papier, auf dem die persönlichen Daten zur Einreise erfasst werden. Dieses Papier kann man sich schon auf dem Schiff abstempelt lassen, muss man aber nicht. Einfach die sehr lange Schlange suchen und anstellen.
In Nador angekommen, ist die Einreise nach Marokko nicht besonders schwierig:
1. Nerven behalten und freundlich bleiben angesichts von nervenden Schleppern, bestochenen Polizisten oder Gerangel in den Warteschlagen. Alles halb so wild. Frauen lässt man manchmal vor, manchmal auch nicht.
2. Das weiße Papier in der großen Halle mit Vorlage des Reisepasses abstempeln lassen.
3. Neuerdings gibt es ein extra Büro für die Autoregistrierung. Dort in das grün-gelbe Papier die Fahrzeugdaten mit der Einreisenummer aus dem Reisepass eintragen und mit den Autopapieren vorlegen.
4. Es empfiehlt sich, an einem der Bankschalter direkt im Gebäude ein erstes Handgeld zu einem fairen Kurs zu wechseln. Nador selbst ist ein heißes Pflaster und nur für Marokko-Profis oder ganz Unerschrockene wirklich geeignet.
5. Beim Fahrzeug auf einen freien Zöllner warten, ihm die Papiere in die Hand drücken, meist reicht ihm ein Blick in das Fahrzeug und das wars.
Nachtfahrten haben den großen Vorteil, morgens in Nador anzukommen und noch den Tag für die nächste Etappe zur Verfügung zu haben. Wenn man abends ankommt, muss man im Dunkeln fahren und es gibt zwar keine Laternen, dafür aber einige Überraschungen wie Eselkarren, Fußgänger und vor allem Hunde auf der Straße.
Anbieter: Comanav und Ferrymaroc.
Kosten: Pro Person zwischen 35 und 45 Euro (ohne Kabine), Auto 70 bis 80 Euro, Campingcar (gleiche Kategorie wie Lieferwagen und LKW) 90 bis 120 Euro
Fähren gehen mehrmals täglich. Man kann anscheinend immer kurzfristig buchen, wir hatten noch keine Probleme und haben auch von Mitfahrern nichts Gegenteiliges gehört.
Wichtig:
Entgegen den Angaben im Internet oder über Reiseunternehmen spielt bei den Fähren die Höhe oder Länge keine Rolle. Auf der RoRo-Fähre gibt es nur zwei Einfahrten: die für Fahrzeuge unter 2,20 m und die für höhrere Fahrzeuge. Internet und Reiseunternehmen sprechen hier von 50 %igen Aufschlägen für gewisse Höhen und Längenund machen es sehr kompliziert, während das in Almeria eigentlich keinen interessiert.
Vor Ort zu buchen ist sehr einfach. Man kann direkt am Ticket Schalter der Gesellschaft buchen oder bei einer der kleinen Agenturen. Die Agenturen sind etwas günstiger, so um die 20 Euro. Man bekommt am Agenturschalter einen Voucher, den man am Ticketschalter der Gesellschaft gegen den „echten“ Fahrtschein eintauscht. Gesprochen wird Spanisch, meist auch Französisch und ein bisschen Englisch.
Das Fährgelände in Almeria ist eigentlich schon nicht mehr Europa. Die wartenden Fährgäste warten und essen vorwiegend auf dem Boden, viele Autos kennen den TÜV nur aus Wirtschaftswunder-Zeiten und meterhoch gestapelte Gepäck auf den Autodächern setzen uns immer wieder in Erstaunen. Die Frauen tragen Kopftücher und halten sich mit den Kindern im Hintergrund, während die Männer lautstark wichtige Geschäfte abschließen. Oder zumindest so tun.
Ausreise:
Alle Fahrzeuge, die auf die Fähre möchten, parken auf einem großen Platz. Eine Stunde vor geplanter Abfahrt gibt es eine Lautsprecheransage, die Menschen springen in ihre Autos und der Krieg beginnt. Wenn man Spaß daran hat, um jeden Zentimeter Auge in Auge mit dem Gegner zu ringen, fährt man sofort los und lässt eine Hand an der Hupe. Wenn man Auto und Nerven schonen möchte, wartet man einfach, bis die größte Aufregung vorbei ist. Am Ende kommen immer alle aufs Schiff. Wir haben beschlossen, fürs nächste Mal die Druckluft-Fanfare zu installieren, das wäre ja gelacht.
Zwei Buchungstypen sind unserer Meinung nach interessant:
- die „Luxuskabine“ mit zwei Betten bzw. Zweierbelegung im Vierbett-Zimmer, Fenster und Dusche. Es gibt alte Fähren und solche neueren Baujahrs, da variiert auch das Niveau der Zimmer stark.
- Pullmann-Sessel bzw. einfach keine Kabine. Unsere erste Wahl, da günstig und unkompliziert. Man packt einen Rucksack mit Verpflegung, ein Buch und eine Decke und sucht sich ein möglichst lauschiges Plätzchen, irgendwo zwischen Publikumsverkehr und Ölgeruch. Mein einem Kulturschock muss man rechnen: schnarchende Menschen mit Stinkefüßen auf oft verschlissenen Sesseln oder fleckigem Linoleum, Toiletten als verkörperte Vorhölle und manchmal auch lautstarke arabische Soaps auf alten Fernsehern. Aber so ist das eben. Wenn man das überstanden hat, ist man morgens in Afrika angekommen.
Nicht zu empfehlen sind Mehrbett-Kabinen (es sei denn, man fährt als Gruppe). Auf keinen Fall tief im Schiffskörper und ohne Fenster: In einem Notfall eine klare Todesfalle.
Einreise:
Von der Fährgesellschaft bekommt man ein weißes Papier, auf dem die persönlichen Daten zur Einreise erfasst werden. Dieses Papier kann man sich schon auf dem Schiff abstempelt lassen, muss man aber nicht. Einfach die sehr lange Schlange suchen und anstellen.
In Nador angekommen, ist die Einreise nach Marokko nicht besonders schwierig:
1. Nerven behalten und freundlich bleiben angesichts von nervenden Schleppern, bestochenen Polizisten oder Gerangel in den Warteschlagen. Alles halb so wild. Frauen lässt man manchmal vor, manchmal auch nicht.
2. Das weiße Papier in der großen Halle mit Vorlage des Reisepasses abstempeln lassen.
3. Neuerdings gibt es ein extra Büro für die Autoregistrierung. Dort in das grün-gelbe Papier die Fahrzeugdaten mit der Einreisenummer aus dem Reisepass eintragen und mit den Autopapieren vorlegen.
4. Es empfiehlt sich, an einem der Bankschalter direkt im Gebäude ein erstes Handgeld zu einem fairen Kurs zu wechseln. Nador selbst ist ein heißes Pflaster und nur für Marokko-Profis oder ganz Unerschrockene wirklich geeignet.
5. Beim Fahrzeug auf einen freien Zöllner warten, ihm die Papiere in die Hand drücken, meist reicht ihm ein Blick in das Fahrzeug und das wars.
Nachtfahrten haben den großen Vorteil, morgens in Nador anzukommen und noch den Tag für die nächste Etappe zur Verfügung zu haben. Wenn man abends ankommt, muss man im Dunkeln fahren und es gibt zwar keine Laternen, dafür aber einige Überraschungen wie Eselkarren, Fußgänger und vor allem Hunde auf der Straße.
23/12: Genug von der Plastikküste
Uns wird klar, dass wir Weihnachten nicht auf Don Cactus verbringen möchten. Eingelullt von Sonne, Wärme und netten Menschen merken wir plötzlich, dass schon fast vier Wochen vergangen sind, seit wir aus Caputh gestartet sind. Also packen wir schnell und fahren einfach los.

Links: Rififis Familie wird uns wohl nachtrauern. Oder, was wahrscheinlicher ist, der sicheren Verpflegung durch unser Katzenfutter.
Rechts: Weihnachtsfutter für Spanier – Schinken im Supermarkt. So eine Keule gehört einfach zum Fest.
Einmal noch in den Supermercado, es tobt der Weihnachtswahnsinn. Diese Art von Megakonsum mit aufpolierte Markengeschäften zwischen Müll, Bauschutt und Asphaltstraßen werden wir nicht vermissen Andererseits ist es schön, einfach das kaufen zu können, was man haben möchte, das wird sich in Afrika ja ändern. Ich wollte mal in einem typischen marokkanisch-ländlichen Kleinladen Käse fürs Frühstück kaufen. Es gab sowieso nur LaVachequirit, diesen französischen Schmelzkäse, aber der Ladenbesitzer wollte mir höchstens zwei Ecken verkaufen, auf keinen Fall die ganze Schachtel, es könne ja noch jemand kommen und auch Käse wollen. In Marokko gelten diese Engpässe allerdings nur für solche Luxusgüter, das muss dazu gesagt werden. Brot, Nudeln, Gemüse und Obst sind überall zu haben.

Roquetas – Beton bis zum Horizont. Wer, das fragen wir uns immer wieder, kauft nur all diese Appartements und möchte hier wohnen?
Anschließend nach Almeria aufs Fährgelände. Am gleichen Abend geht eine Fähre nach Nador, Abfahrt 23.00 Uhr, Ankunft 7.00 Uhr am nächsten Tag, das hört sich doch gut an. Wir buchen und sind 12 Stunden später auf marokkanischem Boden.

Links: Rififis Familie wird uns wohl nachtrauern. Oder, was wahrscheinlicher ist, der sicheren Verpflegung durch unser Katzenfutter.
Rechts: Weihnachtsfutter für Spanier – Schinken im Supermarkt. So eine Keule gehört einfach zum Fest.
Einmal noch in den Supermercado, es tobt der Weihnachtswahnsinn. Diese Art von Megakonsum mit aufpolierte Markengeschäften zwischen Müll, Bauschutt und Asphaltstraßen werden wir nicht vermissen Andererseits ist es schön, einfach das kaufen zu können, was man haben möchte, das wird sich in Afrika ja ändern. Ich wollte mal in einem typischen marokkanisch-ländlichen Kleinladen Käse fürs Frühstück kaufen. Es gab sowieso nur LaVachequirit, diesen französischen Schmelzkäse, aber der Ladenbesitzer wollte mir höchstens zwei Ecken verkaufen, auf keinen Fall die ganze Schachtel, es könne ja noch jemand kommen und auch Käse wollen. In Marokko gelten diese Engpässe allerdings nur für solche Luxusgüter, das muss dazu gesagt werden. Brot, Nudeln, Gemüse und Obst sind überall zu haben.

Roquetas – Beton bis zum Horizont. Wer, das fragen wir uns immer wieder, kauft nur all diese Appartements und möchte hier wohnen?
Anschließend nach Almeria aufs Fährgelände. Am gleichen Abend geht eine Fähre nach Nador, Abfahrt 23.00 Uhr, Ankunft 7.00 Uhr am nächsten Tag, das hört sich doch gut an. Wir buchen und sind 12 Stunden später auf marokkanischem Boden.
23/12: Granada: Flamencoabend

Olé, guapa!
Zum Abschluss und Abschied aus dieser wunderbaren Stadt gönne ich mir einen Flamenco-Abend. Direkt beim Hotel ist das Upsetter, eine Raggaebar (sic!), in der heute Tänzer und Musikanten aus der Gegend ihr Bestes geben. Das Kellergewölbe ist 2,50 m breit und ca. 10 m lang, wird von einem Scheinwerfer beleuchtet und von 15 Freunden und Angehörigen gewärmt. Die Stimmung ist ausgelassen und alle erzählen mir der Reihe nach, ähm, irgendwas. An diesem Abend wünsche ich mir nichts - außer besser spanisch zu sprechen.

Nachtstimmung am Rio del Darrio. Mitten im Granada der Gegenwart und doch auch fernab von Zeit und Raum.
Mein persönlicher Hoteltipp: direkt mitten im historischen Geschehen, ruhig, freundlich, original spanisch, günstig (Einzelzimmer 40 EURO): Hotel Zahuán del Darro.
22/12: Granada: Besuch der Alhambra

Das sagt Wikipedia: „Die Alhambra, auch rote Burg genannt, ist eine bedeutende Stadtburg auf einem Hügel von Granada in Spanien, die als eines der schönsten Beispiele des Maurischen Stils der Islamischen Kunst gilt. Innerhalb der sehr alten Festungsmauer befinden sich die Zitadelle (die Alcazaba), die Nasridenpaläste (Palacios Nazaries), der Palast Karls des Fünften sowie diverse weitere Gebäude, wie eine Kirche, ein Kloster und ein Hotel. Neben der Festungsmauer befinden sich ausgedehnte Gartenanlagen (der Generalife). (...)“



Ich sage: ich hab ja schon einiges gesehen, so die Mesquita in Cordoba, die Alcazabas von Antequera und Almeria, Sevialla, Malaga und mich außerhalb Spaniens umgeschaut, in Istanbul und Marokko. Trotzdem schlägt die Alhambra alles. Wenn es stimmt, dass sie nach Disneyland das weltweit meistbesuchte Bauwerk ist, dann ist ja noch Hoffnung für die Welt, denn Gebäude und Gärten sind eine Wohltat für Augen und Seele. Die ganze Anlage ist so verschachtelt, dass ich immer das Gefühl hatte, ich wäre die erste, die kleine Wasserbecken, wilden Oleander und schattige Eckbänkchen entdecke. Unsinn, natürlich. Und während ich durch die Räume streifte, überwältigt von den strahlenden Farben der Kacheln, der Detailliertheit der Ornamente und die Raffinesse des Lichteinfalls, wollte ich, ich wäre eine exzentrische Millionärin und könnte all die Touristen mit einer Handbewegung verschwinden lassen und all das nur für mich haben.

Gebaut wurde die Alhambra von den Mauren, die bis ins 15. Jahrhundert diesen Landstreifen regierten – ein Dorn im Auge europäischer Königsfamilien. Da es die maurischen Herrscher verstanden, unterschiedlichste Volksgruppen zum Zwecke guter ökonomischer und künstlerischer Zusammenarbeit zu fördern, konnten die Spanier erst mit der Reconquista (mehr hier Spanien / Al Andalus und hier Alpujarras) wieder Land gewinnen und bekamen Granada am Ende unzerstört überreicht. Die Eroberer bauten neue Gebäude, vor allem katholische Kirchen, ließen aber die arabischen Hinterlassenschafen unversehrt, um damit generös prahlen zu können.
In den Wirren der Geschichte wurde das Ganze hier wohl vergessen, denn erst im 19. Jahrhundert fing man an die Gebäude und Gärten nach und nach zu renovieren. Vielleicht trug Washington Irving 1829 mit seinen Kurzgeschichtensammlung "Erzählungen von der Alhambra" dazu bei, jener übrigens, der auch die Vorlage zu Sleepy Hollow schrieb, wobei wir wieder bei Disney sind.


Egal, wenn man die Alhambra sehen möchte, ist das etwas affig: Zuerst am Tag zuvor telefonisch für eine bestimmte Zeit vorbestellen (z.B. hier beschrieben), dann eine Stunde vor der Reservierung am einen Ende das Ticket abholen und pünktlich eine Stunde später am anderen Ende, am Nasridenpalast, das Ticket vorzeigen. Da ich immer annehme, dass Schilder nicht für mich gelten, habe ich mich verlaufen und kam nach gefühlten 20 Kilometern durch den Dienstboteneingang ohne Ticket hinter der Absperrung raus, direkt bei den dunkelhäutigen Einwanderern, die den Garten bestellen und mir dann alles gezeigt haben. So nette Leute, aber manchmal dachte ich, so viel hat sich während der Jahrhunderte auch nicht geändert.
21/12: Granada: ein Spaziergang
Granada ist mir ein bisschen unheimlich. Hier sehen alle so aus wie ich und ständig werde ich mit ein paar Sätzen gegrüßt, die ich ja leider meist nicht verstehe. Heute morgen kam ein Hund aus einer Einfahrt, ging ein paar Straßen neben mir her und verschwand dann wortlos wieder in einer Einfahrt. Kennen wir uns? dachte ich, kenne ich diese Stadt? Die letzten Male in Andalusien hatte es nie geklappt mit Granada und mir. Jetzt stehe ich hier und frage mich, wer von uns beiden auf diesen freundlichen Drogen ist.


Dieser Senior beschichtet Rahmen und Möbel mit Blattgold. Er winkt mich in seine verstaubte Werkstatt in einer Nebengasse und wir schweigen freundschaftlich eine Stunde. Er arbeitet, ich beobachte. Pinseln, zuschneiden, pusten, auftragen, pusten. Schön.
Granada hat ca. 250.000 Einwohner, ist aber eigentlich keine Großstadt. Die Innenstadt ist wunderschön, alt und voll lebendiger Atmosphäre, aber den Rest von Granada beherrschen Hochhäuser aus schimmeligem Beton. Die spanische Seele ist ein Abgrund.

Zwei Seiten von Granada: links Graffiti, rechts die leidvolle Schutzheilige der Gitanos, der wilden Zigeuner, der Flamencokünstler, die angeblich in Höhlen am nahen Berghang wohnen. Tatsächlich sind sie aber schon lange vor Touristen wie mir geflohen.
Vor allem ist die granadinische Geschichte eine katholische. Wo man auch hinkommt: Kirchen und Denkmäler mit Kreaturen voller Leid, Strafe, Buße, Tod und Vergebung. Anstrengend. Ich stolpere Meter für Meter über den Unterschied zwischen arabischer und westlicher Kunst: Die maurischen Ornamente versetzen das Auge in eine Art Trance, nicht das Detail zählt, sondern das Gesamtwerk, ein Eindruck, ein Gefühl, ein Mittendrin. Kirchliche Kunst hingegen will erzählen, moralisieren, das Auge lenken, zur Einsicht zwingen.

Kathedrale und Königskammer: Hier liegen auch Johanna die Wahnsinnige und ihr Gemahl Philipp der Schöne, einander der Sage nach leidenschaftlich so zugetan, dass Johanna nach dem frühen Tode Philipps angeblich täglich in seinen Sarg zu schauen pflegte, ob er nicht doch schliefe... mehr hier http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_von_Kastilien)

Außenfassade der Kathedrale: mit Schwert und Erleuchtung zum Sieg.

Wegweiser auf dem Kathedralen-Vorplatz: Links geht’s zur Kirche, rechts zur berühmten Touristenabzock-Straße, die mit billigen Marokko-Importen und natürlich gepunkteten Flamencokleidern aus Polyester auf Umsatz hoffen.
In diesen Zeiten kennt Granada – wie auch der Rest von Spanien – im öffentlichen Raum nur ein Thema: Weihnachten. Und Granada, das ist ja völlig unbekannt, ist die Welthauptstadt des Krippenbaus. Profane Krippen finden sich nur noch im europäischen Hinterland, hier sind Superlative gefragt. Ich sah meterhohe Krippen aus Lichterketten, Schaufensterpuppen aus ihren Fenstern gerissen und als Maria und Joseph verkleidet aufs Dach gestellt mit Turnschuhen und Bob-Frisuren, gesprayte Krippenszene und kubikmetergroße Krippenlandschaften. Viele Krippenszenen in Schaufenstern sind elektronisch animiert. Da hacken Metzger auf arme Lämmchen ein, Schreiner sägen unermüdlich und Maria nickt ihrem Kinde im Sekundentakt zu. Stall, Tiere, Weise, das reicht schon lange nicht mehr: jetzt gibt es Ziegenherden, Marktstände, Bauernhöfe und Burgen. Ich habe aber auch Bobbahnen, Elfen, Bob-Bahnen und einen kompletten Zirkus gesehen. Die meisten Krippen sind so groß, dass sie zu Suchbildern mutieren: wo ist das Jesulein?



Feinarbeit ist gefragt: Als Größenvergleich dient die Luftfolie. Die Obstteller sind daumennagelgroß.

Hier wird angestanden – für Dulces, denen auch ich verfallen bin. Vor allem die Palmeras (bei uns Schweineohren) gibt’s natur, mit Zucker, mit Glasur, mit Schokolade....
In den ganzen drei Tagen ist mir hier kein unfreundlicher Mensch begegnet. Wie machen die das nur? Dass die Spanier (wie auch die Südfranzosen) morgen eher langsam sind und Montags die Woche generell langsam angehen lassen, finde ich ja sehr sympathisch. Und jetzt, vor Weihnachten, konzentriert sich alles gesellschaftliche Leben auf abends, wenn man so viele Lichter wie möglich anschalten kann. Auf in den Trubel!
Erez luz! Die Stadt schläft bis 18.00 Uhr, danach tobt der Wahnsinn.


Dieser Senior beschichtet Rahmen und Möbel mit Blattgold. Er winkt mich in seine verstaubte Werkstatt in einer Nebengasse und wir schweigen freundschaftlich eine Stunde. Er arbeitet, ich beobachte. Pinseln, zuschneiden, pusten, auftragen, pusten. Schön.
Granada hat ca. 250.000 Einwohner, ist aber eigentlich keine Großstadt. Die Innenstadt ist wunderschön, alt und voll lebendiger Atmosphäre, aber den Rest von Granada beherrschen Hochhäuser aus schimmeligem Beton. Die spanische Seele ist ein Abgrund.

Zwei Seiten von Granada: links Graffiti, rechts die leidvolle Schutzheilige der Gitanos, der wilden Zigeuner, der Flamencokünstler, die angeblich in Höhlen am nahen Berghang wohnen. Tatsächlich sind sie aber schon lange vor Touristen wie mir geflohen.
Vor allem ist die granadinische Geschichte eine katholische. Wo man auch hinkommt: Kirchen und Denkmäler mit Kreaturen voller Leid, Strafe, Buße, Tod und Vergebung. Anstrengend. Ich stolpere Meter für Meter über den Unterschied zwischen arabischer und westlicher Kunst: Die maurischen Ornamente versetzen das Auge in eine Art Trance, nicht das Detail zählt, sondern das Gesamtwerk, ein Eindruck, ein Gefühl, ein Mittendrin. Kirchliche Kunst hingegen will erzählen, moralisieren, das Auge lenken, zur Einsicht zwingen.

Kathedrale und Königskammer: Hier liegen auch Johanna die Wahnsinnige und ihr Gemahl Philipp der Schöne, einander der Sage nach leidenschaftlich so zugetan, dass Johanna nach dem frühen Tode Philipps angeblich täglich in seinen Sarg zu schauen pflegte, ob er nicht doch schliefe... mehr hier http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_von_Kastilien)

Außenfassade der Kathedrale: mit Schwert und Erleuchtung zum Sieg.

Wegweiser auf dem Kathedralen-Vorplatz: Links geht’s zur Kirche, rechts zur berühmten Touristenabzock-Straße, die mit billigen Marokko-Importen und natürlich gepunkteten Flamencokleidern aus Polyester auf Umsatz hoffen.
In diesen Zeiten kennt Granada – wie auch der Rest von Spanien – im öffentlichen Raum nur ein Thema: Weihnachten. Und Granada, das ist ja völlig unbekannt, ist die Welthauptstadt des Krippenbaus. Profane Krippen finden sich nur noch im europäischen Hinterland, hier sind Superlative gefragt. Ich sah meterhohe Krippen aus Lichterketten, Schaufensterpuppen aus ihren Fenstern gerissen und als Maria und Joseph verkleidet aufs Dach gestellt mit Turnschuhen und Bob-Frisuren, gesprayte Krippenszene und kubikmetergroße Krippenlandschaften. Viele Krippenszenen in Schaufenstern sind elektronisch animiert. Da hacken Metzger auf arme Lämmchen ein, Schreiner sägen unermüdlich und Maria nickt ihrem Kinde im Sekundentakt zu. Stall, Tiere, Weise, das reicht schon lange nicht mehr: jetzt gibt es Ziegenherden, Marktstände, Bauernhöfe und Burgen. Ich habe aber auch Bobbahnen, Elfen, Bob-Bahnen und einen kompletten Zirkus gesehen. Die meisten Krippen sind so groß, dass sie zu Suchbildern mutieren: wo ist das Jesulein?



Feinarbeit ist gefragt: Als Größenvergleich dient die Luftfolie. Die Obstteller sind daumennagelgroß.

Hier wird angestanden – für Dulces, denen auch ich verfallen bin. Vor allem die Palmeras (bei uns Schweineohren) gibt’s natur, mit Zucker, mit Glasur, mit Schokolade....
In den ganzen drei Tagen ist mir hier kein unfreundlicher Mensch begegnet. Wie machen die das nur? Dass die Spanier (wie auch die Südfranzosen) morgen eher langsam sind und Montags die Woche generell langsam angehen lassen, finde ich ja sehr sympathisch. Und jetzt, vor Weihnachten, konzentriert sich alles gesellschaftliche Leben auf abends, wenn man so viele Lichter wie möglich anschalten kann. Auf in den Trubel!
Erez luz! Die Stadt schläft bis 18.00 Uhr, danach tobt der Wahnsinn.
20/12: Chucha, mi Chucha

Tja, was haben wir die restlichen Tagen gemacht? Die Wasseranlage geht, mein Handtuchständer ist wieder angeschraubt (ja, auch Kleinigkeiten machen das Leben schöner!), Elektrikarbeiten und überhaupt: Bodo kommt aus dem Blaumann kaum mehr heraus. Daher lasse ich ihn ein paar Tage in Ruhe arbeiten und besuche Granada.
Hier ein Bild von unserem Campingplatz aus der Luft:

Link von Google Maps
. "Chucha" nennen die Anwohner zärtlich ihre Kleinstadt. Liebe macht eben blind.
Wir sind also direkt am Meer und umgeben von formschönen Gewächshäusern aus schimmerndem Plastik. Hier kommt all das Gemüse her, das wir in Deutschland essen, es sei denn, es ist Bio oder kommt von der Konkurrenz, aus Holland. Es ist schrecklich, nicht nur wegen Ästhetik oder Umweltschutz, sondern auch wegen der absoluten und unbarmherzigen Industrialisierung der Nahrungsmittel. Futter wird hier produziert.
Ja, und noch ein Wort zu Google: hier mal reinschauen, Tipp von Bodo, unglaublich!
18/12: Carchuna: Thema Navigation
GPS ist schon was Tolles. Man braucht nur ein Gerät, das ein paar Satelliten anfunkt und einem dann die eigene Position auf der Erde mitteilt. Die Amerikaner haben diese Satelliten finanziert, um sich bei ihren vielfältigen weltweiten Einsätzen und geographischen Grundkenntnissen nicht zu verirren. Netterweise darf man GPS auch als Zivilist nutzen.
Und so machen wir das:
- Wir suchen uns ein beliebiges Ziel auf einer Karte, geben die Koordinaten in das GPS ein und folgen dann einfach dem Pfeil auf dem Display. Allerdings zeigt der Richtungspfeil im GPS immer direkt aufs Ziel und nimmt keine Rücksicht auf Petitessen auf dem Weg wie z.B. Berge, Dünen, Flüsse oder Schluchten.
- wir markieren in Google-Maps beliebige Punkte einer Route um Hindernisse drumherum, übertragen diese ins GPS und lassen uns von Punkt zu Punkt führen. Wissen wir aber nur theoretisch, praktisch hat das noch nicht funktioniert.
- Wir navigieren mit digitalisierten detaillierten Karten, die wir ausdrucken oder ins GPS einspeisen. Dafür brauchen wir unsere Laptops und, neu im Sortiment, unseren PDA namens Mio mit entsprechender Software namens Pathaway. Im Laptop legen wir dann auf der Digitalkarte die Route fest, der Mio kommt während der Fahrt mit nach vorne und lenkt uns durch die Karte und Landschaft. So zumindest bis jetzt die Theorie. Mio verwaltet als PDA auch unser Fahrtenbuch in Excel, kann uns in Europa einwandfrei durch unbekannte Straßen navigieren, außerdem hat er WiFi. Und Patiencen legen geht auch!
Kosten:
Mio Navigations-PDA über eBay: 320 Euro
Zweites GPS als Sicherheit, Garmin 12map: 60 Euro
Kartenmaterial: 70 Euro pro Karten/Land
Pathaway Software: 50 Euro
Und so machen wir das:
- Wir suchen uns ein beliebiges Ziel auf einer Karte, geben die Koordinaten in das GPS ein und folgen dann einfach dem Pfeil auf dem Display. Allerdings zeigt der Richtungspfeil im GPS immer direkt aufs Ziel und nimmt keine Rücksicht auf Petitessen auf dem Weg wie z.B. Berge, Dünen, Flüsse oder Schluchten.
- wir markieren in Google-Maps beliebige Punkte einer Route um Hindernisse drumherum, übertragen diese ins GPS und lassen uns von Punkt zu Punkt führen. Wissen wir aber nur theoretisch, praktisch hat das noch nicht funktioniert.
- Wir navigieren mit digitalisierten detaillierten Karten, die wir ausdrucken oder ins GPS einspeisen. Dafür brauchen wir unsere Laptops und, neu im Sortiment, unseren PDA namens Mio mit entsprechender Software namens Pathaway. Im Laptop legen wir dann auf der Digitalkarte die Route fest, der Mio kommt während der Fahrt mit nach vorne und lenkt uns durch die Karte und Landschaft. So zumindest bis jetzt die Theorie. Mio verwaltet als PDA auch unser Fahrtenbuch in Excel, kann uns in Europa einwandfrei durch unbekannte Straßen navigieren, außerdem hat er WiFi. Und Patiencen legen geht auch!
Kosten:

Auf dem Weg hierher zeigte das Thermostat plötzlich kochendes Kühlwasser an. Also Ersatzthermostat ausgepackt, eingebaut und ausprobiert. Scheint zu funktionieren. Außerdem haben wir jetzt Musik im Cockpit, heureka! Morgen gibt’s Landstrom-Steckdosen für die Laptops. Fehlen nur noch die neue Vorhangstange, Handtuchtrockner befestigen, Wasserfilter wechseln und Pumpe reparieren, Ladestromverteiler einbauen, Batterien nach innen verlegen, doppelte Moskitonetze befestigen, äh, wann wollten wir los?

Woran liegt es? Bei solchen Aktionen nicht vergessen, das Führerhaus auszuräumen...

Rififi vor unbekannter Pflanze. Vielleicht Kakao?
Sonne, Eukalyptusbäume, Ringeltauben und der alltägliche Campingplatz-Wahnsinn. Täglich pflegen unsere Nachbarn ihre nationalen Eigenheiten.
Wenn Spanier campen, dann geht das so: möglichst erst mal den ganzen Platz mit Plastikplane auslegen, Natur ist so unnatürlich. Dann großer Campingwagen, noch größeres Vorzelt, da hinein Tische, Stühle und Großfamilie. Anschließend kochen, essen, reden und feiern, alles möglichst laut. Ich mag das, alles an der Oberfläche und nichts versteckt, Gutes wie Schlechtes, Ordinäres und überraschend Echtes. Wie die grell geschminkten spanischen Putzfrauen mit ihren schönen Augen, der Empfangstheke aus Marmor im Bauschutt unfertiger Renovierungen, der pomadisierte Wirt, der seinen apathischen Stammtischlern plötzlich den Flamenco singt.
Die Schweizer: wenige, teure Sachen, alles gut gepflegt, sympathisch, ruhig, unauffällig.
Deutsche Camper erkennt man dieser Tage an der Weihnachtsdekoration in den Hymer-Raumschiff-Cockpits. Staubsauger-Geräusch führt auch zuverlässig zu deutschen Landsmännern. In den Vorzelten herrscht Gemütlichkeit und Ordnung, die Kleider auf Bügeln und deutsche Konserven in Vorratshaltung, weil die Spanier mit dem Essen, na, besser was Gutes von zu Hause. Jeden Morgen hören wir unsere Nachbarin: „ Lass die Katzen, Schröder, die haun Dir nur aufs Maul“. Schröder gehorcht aber selten, als echter deutscher Dackel hat er so seinen eigenen Kopf und meist eine blutige Nase.
Ein paar britische Exzentriker haben es auch hergeschafft. Die einen haben einen schwarzen Landrover, zwei passend schwarze Labradors, die vor dem neuen Camper in zwei Stühlen in zwei karierten Hundebetten liegen neben zwei identischen Trink- und Fressschalen. Die Anderen haben ihren roten, rechtsgesteuerten Cabrio-Daihatsu angehängt und freuen sich des Klimas. Außerdem gibt’s noch einige Niederländer, Belgier und einen sonnenhungrigen Finnen. Den Franzosen reicht wohl ihr eigener Mittelmeerstrand, bis jetzt haben wir noch keine entdeckt.
Alle Camper sind ausnehmend freundliche Leute, die uns und unser merkwürdiges Gefährt freundlich tolerieren, früh ins Bett gehen und am Liebsten schauen, was es im Supermarkt Neues gibt.

Carchuna, 24 Grad, starker Wind: die Laune hält.
Wenn Spanier campen, dann geht das so: möglichst erst mal den ganzen Platz mit Plastikplane auslegen, Natur ist so unnatürlich. Dann großer Campingwagen, noch größeres Vorzelt, da hinein Tische, Stühle und Großfamilie. Anschließend kochen, essen, reden und feiern, alles möglichst laut. Ich mag das, alles an der Oberfläche und nichts versteckt, Gutes wie Schlechtes, Ordinäres und überraschend Echtes. Wie die grell geschminkten spanischen Putzfrauen mit ihren schönen Augen, der Empfangstheke aus Marmor im Bauschutt unfertiger Renovierungen, der pomadisierte Wirt, der seinen apathischen Stammtischlern plötzlich den Flamenco singt.
Die Schweizer: wenige, teure Sachen, alles gut gepflegt, sympathisch, ruhig, unauffällig.
Deutsche Camper erkennt man dieser Tage an der Weihnachtsdekoration in den Hymer-Raumschiff-Cockpits. Staubsauger-Geräusch führt auch zuverlässig zu deutschen Landsmännern. In den Vorzelten herrscht Gemütlichkeit und Ordnung, die Kleider auf Bügeln und deutsche Konserven in Vorratshaltung, weil die Spanier mit dem Essen, na, besser was Gutes von zu Hause. Jeden Morgen hören wir unsere Nachbarin: „ Lass die Katzen, Schröder, die haun Dir nur aufs Maul“. Schröder gehorcht aber selten, als echter deutscher Dackel hat er so seinen eigenen Kopf und meist eine blutige Nase.
Ein paar britische Exzentriker haben es auch hergeschafft. Die einen haben einen schwarzen Landrover, zwei passend schwarze Labradors, die vor dem neuen Camper in zwei Stühlen in zwei karierten Hundebetten liegen neben zwei identischen Trink- und Fressschalen. Die Anderen haben ihren roten, rechtsgesteuerten Cabrio-Daihatsu angehängt und freuen sich des Klimas. Außerdem gibt’s noch einige Niederländer, Belgier und einen sonnenhungrigen Finnen. Den Franzosen reicht wohl ihr eigener Mittelmeerstrand, bis jetzt haben wir noch keine entdeckt.
Alle Camper sind ausnehmend freundliche Leute, die uns und unser merkwürdiges Gefährt freundlich tolerieren, früh ins Bett gehen und am Liebsten schauen, was es im Supermarkt Neues gibt.

Carchuna, 24 Grad, starker Wind: die Laune hält.
Ja, das ist der Campingplatz, auf dem uns vor fast zwei Jahren unser Kater zugelaufen ist. Damals klein, verletzt und Allesfresser. Heute Thunfisch-verwöhnter Kraft- und Schmusekater. Keinen Tag haben wir diese Entscheidung bereut, Rififi ist ein treuer, freundlicher und lustiger Geselle, der uns oft zum Lachen bringt. Jetzt kann er seinen alten Peinigern mal zeigen, was in ihm steckt, dachten wir. Tja, falsch gedacht, eine kleine Lady, dem Aussehen nach wohl eine Cousine, hat ihn gleich nach Ankunft wieder in den LKW getrieben. Seitdem versucht er, Land zu gewinnen, bis jetzt vergeblich. Wir reden ihm Mut zu, vielleicht hilft es.

Rififi und Konkurrenz starren sich nieder.

Cousinchen beim Yoga

Rififi und Konkurrenz starren sich nieder.

Cousinchen beim Yoga
08/12: El Ejido: Endlich Meer
Nach endlosem „Kilometerfressen auf dem Bock“ (so sagt Bodo, der Trucker) endlich, endlich Meer! Rotgolden versinkt die Sonne am Horizont und sanft schaukeln die Segelboote. Erste Etappe nach Fahrt über Nancy, Perpignon, Barcelona und Almeria geschafft.
Aus Zeit- und Nervengründen sind wir Autobahn gefahren. Mit all den kleinen Umwegen haben wir seit Berlin trotzdem fast 3000 Kilometer abgerissen. Und wir sind dabei noch nicht mal in Afrika.

Almerimar heißt dieser bezaubernde Hafen. Die Häuser sind erst wenige Wochen alt.

Oder doch besser segeln?
Ach so, Kosten:
Autobahngebühr: Frankreich: ca. 120 Euro, Spanien: ca. 70 Euro
Diesel: in Deutschland 1,26 bis 1,36 Euro / Liter, Frankreich 1,19, Spanien 1,05 bis 1,07
Verbrauch: im Schnitt ca. 22 Liter bei ökonomischen 80 km/h auf Autobahn
Aus Zeit- und Nervengründen sind wir Autobahn gefahren. Mit all den kleinen Umwegen haben wir seit Berlin trotzdem fast 3000 Kilometer abgerissen. Und wir sind dabei noch nicht mal in Afrika.

Almerimar heißt dieser bezaubernde Hafen. Die Häuser sind erst wenige Wochen alt.

Oder doch besser segeln?
Ach so, Kosten: