28/03: Pistengeschichten

Die Dörfer, durch die wir kommen, sind sehr arm. In Tafrout wird bergeweise das Sommerfutter für die Tiere eingeholt. Mitte Januar hatte es einmal geregnet, jetzt blüht das Gras. Auf den Feldern (wie auch an den Öfen, bei der Wäsche, bei den Kindern, wie immer): ausschließlich Frauen.
Rechts ein Dab (arabisch) bzw. Herrda (berber): dieses ca. 30 cm lange und 400 Gramm schwere Tierchen hält 3 Monate Winterschlaf und muss dabei von Kindern überrascht worden sein. Ihm wurde das Maul zugenäht, denn „sein Biss ist wie der eines Krokodils und man bekommt seinen Finger nur durch das Abhacken des Kopfes wieder frei “ (so ein Einheimischer). An der Leine um seine Hinterfüße wird das arme Vieh von den Kindern durch den Ort geschleift und wahrscheinlich totgeliebt. Das weiße Fleisch des Schwanzes soll hervorragend schmecken, der rote Rücken gegen Gicht helfen. Uns wurde der Relo zum Kauf angeboten, aber das hätte ja ganz falsche Zeichen gesetzt: toll, da lässt sich Geld machen, los, wir fangen noch mehr.

Kleine Runde nah am Vulkankrater: eine ganze Flasche Ouzo musste dran glauben und obwohl es Kay spät abends nicht so gut ging, konnte er schon am nächsten Morgen wieder ganzen Einsatz beweisen.
28/03: Pistenfahrt
Heute geht’s also direkt der großen Ralley hinterher. Vielleicht hält uns ja jemand für die Nachhut? Im Gegensatz zu den um die 160 Stundenkilometer rasenden Ralleyteilnehmern rumpeln wir mit 20 km/h durch die Gegend, was unseren Abstand (die Ralley fand im Januar statt) erklären könnte. Unvorstellbar, die Anforderung an Menschen und Maschinen. Wir kommen durch breite Täler mit komfortabler getrockneter Tonpiste, aber auch Gegenden mit „Reifenschlitzer“-Steinen und Wellblechkilometer sind zu bewältigen.
Nach 8 Stunden Geruckel und Gehoppse kommt eine schöne Gegend zum Campieren, aber voller „Donnez-moi“-Kinder, die Stifte, Bonbons, Geschenke und Geld möchten. Wir fahren noch ins nächste Gebirge und stehen plötzlich im Steinwald, kein Sand, keine Pflanzen, nur noch schwarze Steine, die unter den großen Rädern gefährlich knirschen. Langsam arbeiten wir uns voran, Berg um Berg, bis sich plötzlich ein riesiger Vulkankrater öffnet, die Perfektstelle zum Campieren.
Kaum stehen wir, tauchen plötzlich zwei Motorradfahrer auf, die uns bekannt vorkommen. Tatsächlich, es sind die beiden aus Merzouga, Rainer und Kay. Ich mache Couscous mit Gemüse, die beiden steuern Mousse au Chocolat in Raumfahrerverpackung hinzu und es wird ein lustiger Abend mit viel Ouzo.
27/03: Piste, Piste


Piste heißt vor allem Einsamkeit, großartige Natur und anspruchsvoller Fahrspaß. Neben dem Geruckel, der Hitze und dem Sand überall...
27/03: Pistenfahren
Heute verfolgen wir weiter die Piste, sind aber irritiert von den abweichenden GPS-Daten der Motorradfahrer, die nach Süden weisen. Wir beschließen also, von der Nord- auf die Südroute zu wechseln und nehmen die nächste abbiegende Piste durch ein schönes Palmental, vorbei an einem Nomadenfriedhof, einer Kamelherde und schönen Steinformationen. Ewig geht es durch ein heißes, steiniges Tal bis zu einem ausgetrockneten See, den wir die nächsten Stunden zu durchfahren versuchen.
Doch immer versperrt uns ein Feld aus Wanderdünen den Weg. Schließlich bleibt uns keine Wahl. Wir fahren einen großen Bogen bis Hassi Rambla und nehmen uns einen Führer, der zum Festpreis von 100 Dirham bereit ist, sich in unserem LKW den großen Gefahren der folgenden 10 Kilometer zu stellen: Sanddünen, die sich so schnell bewegen, dass sich der Durchlass immer wieder verschiebt und nur hier Geborene instinktiv den richtigen Weg finden.
Sayd, ein junger Kerl, sagt also an der nächsten Kreuzung „rechts“ und wir sind drauf, auf der versprochenen Autobahn. Allein heute waren vor uns schon acht Quadfahrer, zwei englische Geländewagen und mehrere Motorradfahrer unterwegs, die wir alle weder getroffen noch gesehen haben. So schnell sind die Dünen also nicht, aber immer noch schneller als wir von Begriff. Strahlend fährt Sayd noch die nächsten Kilometer mit, macht lustige Konversation und uns dann ein weiteres geschäftliches Angebot: für nur 20 Dirham mehr zeigt er uns den Weg ins nächste Dorf (da wohnt nämlich Familie, die ihn mit einem Moto zurückfahren könnte, lassen wir ihn hier raus, müsste er laufen). Wir lehnen dankend ab, zahlen die 100 Dirham für die mehr moralische Unterstützung und lachen uns über uns selber und dieses Land tot.
20 Kilometer später verpassen wir wieder die Hauptpiste, die doch sonst alle finden. Vielleicht kommt das aus dem tiefen Wunsch, immer dort zu sein, wo die anderen nicht sind. Jedenfalls fahren wir so, anstatt auf einer breiten Ebene, im nachbarlichen engen Tal, das uns stark an Algerien erinnert mit seinen breiten Basalthängen, in denen sich der feine Wüstensand sammelt.
In Tafrout machen wir Rast in der Auberge Kemkem und lassen uns für 100 Dirham pro Person ein Abendessen, Dusche und Frühstück andrehen, was uns später sehr ärgert. Das Couscous ist sandig und die Dusche voller Käfer, aber alles immerhin schön warm.
26/03: Pause in Tafrout

Die Turbane und Tücher sind zweckmäßig gegen die Sonne und den Sand. Riffifi ist geschafft vom Pistengeruckel.
Taouz ist ein hässliches Nest, in dem die Straße in einer Sackgasse endet. Von allen Seiten kommen sonnenbebrillte Typen auf uns zu, ein geknurrtes „Alles klarr“ schon auf den Lippen. Nix wie weg! Wir finden die Piste und treffen schon nach wenigen Metern zwei deutsche Motorradfahrer, die uns schöne Wegpunkte als GPS-Koordinaten mit auf den Weg geben. Da kann ja nix mehr schief laufen.
Wir fahren also über Sand und Steine, die Piste ist gut erkennbar. An einer Gabelung treffen wir einen Marokkaner auf einem Moto (Überraschung!). Unser GPS zeigt nach rechts, aber er besteht auf die linke Piste, das wäre die Richtige, da kommen wir auch durch sein Dorf und seine Familie wohnt da und er würde uns den Weg zeigen und so weiter. Er ist uns nicht sympathisch, wir vertrauen auf unser GPS, auf die Karte und fahren rechts. Wie sich später herausstellt, hatte der junge Marokkaner recht. Der GPS-Punkt war zu weit entfernt, um relevant zu sein und die Karte ist schlicht veraltet. Die Südroute wird jetzt befahren, die Nordroute ist verlassen und versandet. Aber das sollten wir erst am folgenden Tag merken.
25/03: Echt harte Jungs

Die vier vom Campingplatz: links Peter, amerikanischer Truckfahrer, der sich über das ausgiebige orientalische Begrüßungsprozedere („Wie geht’s der Familie, den Eltern, Geschwisten / Tanten / Onkeln / Cousinen / Freunden etc., alles gut, Gott seis gedankt, lhamdullilah!“) erstaunt zeigt: „Who gives a shit on my mother?“
Buddeln: Probehalber haben wir uns im Sand festgefahren, um Sandbleche, Schaufel und das ganze Prozedere mal auszuprobieren. Nach zwei Minuten sind vier Kinder da, alle fünf Minuten potenziert sich ihre Zahl. Sie haben viel Spaß dabei, Bodo beim buddeln zuzuschauen. Versteh einer diese Touristen! Auch das marokkanische Moto mit berberischem Fahrer lässt nicht lange auf sich warten. Alles klappt reibungslos, am Ende gibt’s Süßigkeiten für die Kinder und alle sind hochzufrieden.
Phoung kommt aus London, seine Eltern aus Vietnam. Er kann ein paar Brocken Französisch, stottert aber furchtbar. Er schaut sich Marokko an, mit zwei großen Koffern und umfangreicher Kamera-Ausrüstung. Seine nächste Station ist Marrakesch, er weiß aber noch nicht genau wie hinkommen. Vielleicht zur Straße laufen und auf ein Taxi hoffen? Etwas Surreales hat dieser Campingplatz schon. Wir packen also die beiden in den LKW und fahren nach Rissani, weil wir auch noch Diverses für unsere geplante Pistenfahrt besorgen möchten.
In Rissani findet Phoung das richtige Sammeltaxi, Peter seine Zigaretten und Schokolade (nur Bier ist schwierig) und wir Brot, Eier, Obst und Gemüse. Bodo hat ein rotes Tuch als Geschenk für mich im Blick, der Verkäufer schlurft im Babuschengang heran und nennt einen Mondpreis. Wir lachen uns tot und nennen einen viel zu tiefen Preis. Der Verkäufer, ein alter Mann, wird plötzlich munter. Ob er sich etwa in das Tuch geschnäuzt habe, dass es diesen Preis verdiene? Ruft er und demonstriert es anschaulich. Aber weil wir so sympathisch sind, gut, 10 Dirham weniger. Für diesen Fetzen, also wenn wir nicht gerade etwas Ähnliches bräuchten, entgegnen wir und gehen 5 Dirham (50 Cent) hoch. Und so weiter. Es dauert und dauert. Schließlich ziehen wir mit dem Tuch ab und alle reiben sich die Hände ob des guten Geschäfts. Wenn man Zeit, Lust und angenehme Gegenüber hat, macht das Ganze ziemlich Spaß.
Erst am Abend, zurück auf dem Campingplatz, stellen wir fest, dass an einem unserer Reservekanister der Ausfüllstutzen abgeschlagen worden ist. Der Kanister ist natürlich leer. Das Auto stand auf der Hauptstraße in Rissani, mit Parkwächter, den wir auch noch bezahlt haben. Wir sind frustriert ob dieser neuen Attacke, der Kanister ist ansonsten gut abgesperrt, aber gegen echte Gewalt kann man sein Eigentum kaum sichern. Auch vermuten wir zuerst unsere Spiritusvorräte im jetzt leeren Kanister, aber die sind glücklicherweise im Nachbarkanister.
24/03: Blauer Tagin Merzouga
Unser kleiner Campingplatz heißt „Soleil Bleu“ und wird von einem netten, meist bekifften marokkanischen Möchte-Gern-Rastafari und zwei Gehilfen geführt. Nach dem merkwürdigen Namen befragt, erzählt der Besitzer von der Sommersonne, die orange in den Dünen steht. Blauer Himmel, Man, Black People in the Village! Aha. Aber die Jungs hier sind harmlos, es läuft Bob Marley, Didgeridoo-Klänge und irische Volksmusik. Abends kommen Freunde zum Trommeln vorbei, drei Dromedare stehen bis Mitternacht gelangweilt vor dem Tor und warten auf ihre Reiter, die sich mit Handies den Weg leuchten.
Weitere Gäste sind zwei Spanier aus Barcelona, genauer aus Vilanova, und das ist ja wirklich lustig, wie klein die Welt wieder ist. Ein stotternder Japaner aus London hat sich bei 10 Tagen Urlaub ganz alleine mutig ins Flugzeug gesetzt, den marokkanischen Nachtbus nach Rissani genommen und sich in den letzten Tagen die Wüste angeschaut. Morgen muss er wieder heim. In der Ferne sehen wir eine Gruppe deutscher KTM-Fahrer, vielleicht finden wir die morgen.
Wir möchten in die Dünen und neuen Abenteuern entgegen.... Wir werden ca. 200 Kilometer Piste der Ralley Paris Dakar folgen und berichten bald!

Links: Zwei, die sich verstehen!
Rechts: Das bisschen Haushalt kann hier anstrengend sein.
Nach 8 Stunden Fahrt erreichen wir die Straße nach Erfoud. Rechts der Straße öffnet sich ein beeindruckendes Palmental, das von der berühmten blauen Quelle Richtung Süden führt. Erfoud durchfahren wir und starren auf die großen Hotels mit Reisebussen und bis zu 20 absolut identischen Geländefahrzeugen vor den großen Eingängen. Schilder weisen den Weg zu den Dünen und große Touristengruppen folgen ihnen bereitwillig. Wir fahren schaudernd weiter, dafür sind wir noch nicht bereit.
Nächste Stadt ist Rissani. An der Kreuzung hält uns ein junger Mann an, steigt aufs Trittbrett und kriecht bald in mein Fenster. Ein aufdringlicher Guide, den wir nur durch ein Fahrmanöver wieder loswerden. Das fängt ja gut an. Wir halten am Souk, trinken einen teuren Kaffee und wandern anschließend durch die engen Gassen. Schneider und Schreiner reihen sich aneinander, Obst, Fleisch, Kleider werden angepriesen, das Sonnenlicht fällt durch die Stoffe über den Ständen. Schöne kleine Welt hier. Kaum sind wir wieder draußen, wird die Hand aufgehalten, jemand hat unaufgefordert auf unser Auto aufgepasst, das Geld, das wir ihm geben, ist ihm nicht genug, er will auch noch den Kugelschreiber, der in Bodos Hemdtasche steckt. Mitgenommen verlassen wir die Stadt. Morgen Mittag könnten wir wieder in Figuig sein. Aber nein, zurück ist doof. Die Dünen kommen in Sicht, es wird schon dunkel. Wir finden einen Campingplatz und das reicht dann auch wirklich für heute.
22/03: Adieu Figuig


Wir wissen noch gar nicht so richtig, wie uns geschieht, aber wir nehmen tatsächlich Abschied, verlassen Figuig und fahren in den Abend hinein. Die Abendsonne lässt die Wüstenblumen glühen und haben uns lila Blumen in Figuig willkommen geheißen, sagen weiße Blumen jetzt auf Wiedersehen.
21/03: Ab in die Werkstatt
Ein Spezialschlüssel Größe 52 wird für die Schraube benötigt, die das Kreuzgelenk des Hinterachsdifferentials hält. So was hier zu finden, ist eine Frage der Zeit, nicht der Machbarkeit, beruhigt uns Abdul Ali. Der Schlüssel wird nicht gefunden, weder in anderen Werkstätten, noch im Elektrizitätswerk, auch nicht bei der Armee. Ismail schweißt Stangen mit Hebeln von fast 2 Metern an, aber nichts bewegt sich, die Schraube sitzt höllisch fest. Mit Hammer und Meißel wird die Schraube schließlich mit viel Kraft bewegt. Anschließend stellt sich heraus, dass die mitgeschickte Ersatzschraube nicht passt. Die alte ist voller Schweißrückstände und wurde durch die Hammerschläge arg mitgenommen. Hilft nichts, sie wird gesäubert, hingebogen und wieder eingebaut. Auch weitere mitgeschickte Teile sind nicht richtig. Die alten Simmeringe werden in Alkohol eingeweicht und wieder eingebaut. Anschließend gibt’s noch einen Ölwechsel. Die Probefahrt zeigt, dass alles hält und sauber bleibt. Inshallah hält das auch die nächsten paar tausend Kilometer. Wir können mit einer Spritze Hypoid-Öl nachfüllen, sollte da was tropfen.
Das Ganze dauert zwei Tage und kostet uns viel Nerven. Die Jungs von der Werkstatt bleiben gelassen, alle sind so engagiert wie zuversichtlich. Am Abend des 21.3. ist wieder alles am Platz und wir bezahlen gern 500 Dirham (nicht mal 50 Euro für zwei Tage Arbeit mit mehreren Personen). Dass die Teile nicht stimmen, dafür können die Jungs ja nix, das hat Mercedes versemmelt.
Viel besser als vorher sind wir nicht dran, ein paar Simmeringe wurden ausgetauscht, das System gereinigt. Das hätten wir auch ca. 3 Wochen früher haben können. Ein bisschen frustriert sind wir schon.
21/03: Harte Arbeit

Ismail am Schweissen; keine Loesung, das gibts nicht.
20/03: Ersatzteile!
17:00 Uhr auf der Post: unsere Ersatzteile sind da! Ungläubig schauen wir das Paket aus dem fernen Deutschland an. Ein kleines Ding, unsere Fahrkarte für Restmarokko. Letztendlich ging es fix mit der marokkanischen Post und insgesamt wäre es einfacher und schneller gewesen, die Teile einfach in den deutschen Briefkasten zu werfen. Drei Wochen warten, ein Jahresurlaub. Obwohl selten Langeweile aufkam und Figuig eine freundliche Stadt voller Überraschungen ist, so ist es doch ein Unterschied, ob man bleiben muss oder möchte. Aber morgen, morgen geht’s weiter. Inshallah.
19/03: Besuch der Ksars


Abends noch die älteste Moschee und eine Kampfruine
18/03: Besuch bei den Nomaden
Wir wurden öfter gewarnt: in diesen Zelten leben die Ärmsten der Armen, ohne Strom und nur mit öffentlichem Wasseranschluss. Wir laufen also zum Zelt, sind auf einiges gefasst und ja, die Familie ist arm. Sie wohnt in einem Zelt, das aus Schafwolle gewebt und zusammen genäht ist. Den Schlafbereich schützt eine Verstärkung aus Plastikfolie. Im Zelt selber kann man nur im Luftloch über der Feuerstelle aufrecht stehen, ansonsten ist das Zelt sehr niedrig. Die Kleider und Teppiche, die Küchenutensilien und sonstigen Habseligkeiten sind alt und verschlissen. Trotzdem nehmen wir das alles nur aus dem Augenwinkel auf.
Denn als wir in das Zelt kriechen, bleibt der Sturm draußen. Durch den Stoff fällt warmes Licht, die Luft ist sandfrei und frisch. Die Nomadenmutter strahlt uns an, sie ist sehr hübsch und freundlich. Zwei süße Kinder stellen sich artig vor. Später kommt der Vater von der Arbeit, zieht sich schnell um, setzt sich zu uns und spielt mit den Kindern, die zaghaft auf ihm rumtoben. Alles ist sehr sauber, die Atmosphäre warm und gemütlich.
Der Aufbau des Zelts ist faszinierend, über Generationen entwickeltes Wissen um statische Anforderungen in dieser Umgebung mit diesen Materialien. Vom Alter glänzende Holzstäbe halten in bestimmter Form die aneinander genähten und an bestimmten Stellen mit Kordeln verstärkten Stoffbahnen fest. Der Sturm kann dem Gerüst nichts anhaben.
Wir bekommen Tee und frisch gebackenes Brot und unterhalten uns ein wenig, Miluda übersetzt. Und obwohl alles Materielle hier ärmlich ist, so sind es doch die Menschen nicht, denn sie wirken offen und ausgeglichen, sind stolz auf ihre Kinder und finden, dass sie alles Nötige haben, was man zum Leben braucht. Auch wenn es manchmal etwas mehr sein könnte, inshallah, so geht’s auch. Das gibt uns zu denken und wir hoffen, dass ihre Kinder, die in der Schule schon mit Marken und materieller Macht konfrontiert werden, das Gleichgewicht halten können.
Die Kinder und ich beschnuppern uns gegenseitig, die Digitalkamera mit Display hilft dabei. Auch ein Kaninchen, ein Hahn, Nachbarskinder und eine alte Frau kommen neugierig vorbei. Für sie alle ist das Kino, wir hier, so fremd, aber uns geht es ja genau so. Nach zwei Stunden gehen wir wieder, übergeben noch Geschenke und stehen plötzlich wieder im Sturm. Ein schöner Besuch war das.
18/03: Besuch bei den Nomaden


17/03: Amina im Salon

Amina im großen Salon. Jeder marokkanische Haushalt, der es sich leisten kann, richtet einen möglichst großen Raum mit den typischen Liegesofas, Kissen, Tischen und Dekor ein, um auch eine große Runde (wenn auch nur die halbe Familie kommt, ist das Zimmer voll) bewirten zu können.
17/03: Kuli Kuli
Täglich erscheinen wechselnde Familienmitglieder und Freunde zum Essen und es wird viel geredet und gelacht. Einige Dinge sind dabei gewöhnungsbedürftig. Einladungen zum Essen werden für Bekannte oder Fremde immer dreimal ausgesprochen. Während sich die Einladung also über Tage hinziehen kann und die Begrüßung dann einige Minuten dauert, verläuft die Verabschiedung nach dem Essen Ratzfatz: man sagt Tschüs und geht. Während des Essens mit vollem Mund reden oder rülpsen ist absolut korrekt. Gegessen wird mit Löffeln von einem großen Teller in der Mitte des Tisches. Als Gast bekommt man die besten Stücke hingeschoben, das kann schwierig werden, wenn es getrocknete Schafsinnereien gibt.
Einmal lädt uns Klaus zu Spätzle und Gulasch, nach einem Rezept der Mama. Es ist fürchterlich lecker und ehrlich gesagt tut es auch richtig gut, mal wieder wie daheim zu essen.
17/03: Mehr Figuig

Afrika wie wir es gesucht haben...
16/03: Hammam und Ksour

Links: Besuch im Hammam Ifli: 117 Stufen in die Dunkelheit.
Rechts: Durch die alte Stadt. In den Gängen wird im heißen Sommer auch geschlafen
Später treffen wir auf zwei weibliche Familienmitglieder (die Schwester der Tante der Schwägerin von Amina sowie die Großmutter einer entfernten Nichte), die an Dschellabas für ihre Söhne arbeiten, den hier üblichen bodenlangen Kapuzenmänteln aus Schaf- und Ziegenwolle. Wochenlang dauert die Arbeit im Haus, sie ist anstrengend, eintönig und wird schlecht oder gar nicht bezahlt. Mit mehreren Töchtern, Tanten und Großmüttern im Raum bin ich diejenige, die ihre Zeit verschwendet. Wie, keine Kinder?! Hier liegt der Schnitt bei 5 bis 7 Kindern. Und was, nicht verheiratet?! Jetzt ernte ich mitleidige Blicke. Ersteres ist wohl schlimmer als letzteres. Aufmunternd wird mein Knie getätschelt, wird schon noch, bestimmt, nicht aufgeben. Die Stimmung bleibt nicht lange traurig, gleich wird wieder gelacht und gescherzt und Essen aufgefahren.
15/03: Making of Dschellaba

Für die Herstellung einer Männer-Dschellaba (bodenlanger Kapuzenmantel) wird die Wolle gewaschen und mit zwei speziellen Werkzeugen, die aussehen wie Pingpong-Schläger mit Nägeln, Handvoll für Handvoll gekämmt (erstes Bild). Das dauert etwa einen Monat. Danach wird die gekämmte Wolle auf einer Spindel gesponnen (zweites Bild, die Wollfäden mit der Hand aufgewickelt (drittes Bild) und verknotet. Dabei läuft die Spindel in den Fußinnenflächen... (viertes Bild). Auch das dauert einen Monat. Die Wolle wird dann in einem weiteren Monat auf großen Rahmen gewebt und anschließend geschneidert.
Die Damen hier gehören zu Aminas Familie. Alle Frauen können Dschellabas weben, selbstverständlich, schaut Amina mich auf meine Frage hin verwundert an.
14/03: In der alten Stadt
Mustapha, ein Freund der Familie Isamail, baut gerade das verfallene Haus seiner Väter mit originalen Baustoffen wieder auf. Nach etwa 200 Jahren verfällt ein solches Haus auch bei bester Pflege. Er hat in Frankreich sein Glück gemacht und kehrt nun mit seiner französischen Ehefrau heim nach Figuig. Er engagiert sich für die Erhaltung des Viertels und half mit, die Unesco zu überzeugen, zehn Häuser als Weltkulturerbe anzuerkennen.
Ich bin total fasziniert von diesen Häusern und den lebendigen Gassen, die sich Maultierkarren, Fahrradfahrer, spielende Kinder, weißbetuchte Frauen und Händler gleichberechtigt teilen.
13/03: In der Umgebung von Figuig


Manchmal ist es auch anstrengend, das viele Fremde. Dann verziehen wir uns in die nahe Umgebung, in weite Täler und die Basaltberge.
11/03: Marokko: Leben in Marokko

Symbol der Unabhängigkeit: die marokkanische Flagge mit dem grünen Stern.
Marokko kämpft mit Armut und Arbeitslosigkeit. Fast alle Arbeit in Marokko wird per Hand ausgeführt, vom Schmieden eines Eisentores bis zur Herstellung einer Dschellaba. Diese Handarbeiten bringen einerseits zwar Arbeit, bedeuten andererseits aber wenig Einkommen bei Vollzeitbeschäftigung. Eine Dschellaba kostet ca. 450 Dirham (10 Dirham sind ungefähr 1 EUR, also alles durch 10 teilen). Die Frauen bekommen pro Monat Heimarbeit 150 Dirham. Ein Hausmädchen verdient 300 Dirham, falls es eine Anstellung findet. Gelernte Facharbeiter bekommen 60 bis 100 Dirham am Tag, werden aber meist nur wenige Tage im Monat beschäftigt.
Die Lebenshaltungskosten bei diesen Einkommen nur im Familienverband erträglich. Ein Brot kostet 1,20 Dirham, ein Päckchen Tee 6 Dirham, ein Pfund Zucker 20 Dirham – da wird es für den ärmeren Teil der Bevölkerung schon eng, obwohl Tee doch Grundnahrungsmittel ist. Ein Kilo Bananen kostet 8 bis 10 Dirham, ein Kilo Couscous 10 Dirham, ein Ei 0,75 Dirham. Fleisch und Cola sind Luxus und werden nur in gut situierten Familien angeboten. Ein Liter Diesel kostet an der Tankstelle 7,60 Dirham. Hier in Figuig, direkt an der algerischen Grenze, kann man auch geschmuggelten algerischen Diesel für 4,20 Dirham kaufen, der nachts mit „Tanklastzügen“ (beladene Mulis, die die Gebirgswege so gut kennen, dass sie ohne Führer zwischen den Ländergrenzen pendeln – wird ein Tier erwischt, kann höchstens der Muli inhaftiert werden) Marokko erreicht. Im Cafe kostet ein Milchkaffee 3,50 Dirham, ein Kästebaguette 3 Dirham.

Übersicht über Marokko. Ganz rechts, da ist Figuig.
Links der marokkanische König Muhammed VI. Er hat einige Probleme des Landes zu lösen, gibt sich aber bis jetzt fortschrittlich und aufgeschlossen, ganz anders als seine Vorväter.
Für uns sind das natürlich paradiesische Zustände. Wir frühstücken auf einer schönen Palmenterasse und zahlen nur 20 Dirham. Häuser und Grundstücke sind billig, Arbeitskräfte auch. Daher ist es der Grundplan aller Marokkaner, in Europa zu arbeiten und zur Rente (oder früher, sollte Fortuna hold sein) als gemachter Mann zurück zu kehren und es sich hier gut gehen zu lassen. In Figuig gibt es einige schöne Anwesen, die solchen Emmi-Immigranten gehören. Oder man sucht sich Arbeit in den marokkanischen Großstätten und kehrt in den Ferien zur Familie ins Outback zurück. Auf 13.000 Einwohner kommen in Figuig 250 Autos, davon sind jetzt nur ca. 25 in der Stadt. Im August, dem heißesten Monat des Jahres (das Barometer zeigt bis zu 46 Grad, die Ferien treibt die Söhne Figuigs heim und alle Hochzeiten werden in diesem Monat gefeiert) sind die Straßen voller Autos, Motos, Fahrrädern, Chariots mit Mulis, Handwagen und Menschen.

Melilla und Ceuta sind spanische Exklaven - europäischer Grund auf afrikanischem, genauer marokkanischem Boden. Verzweifelte Menschen aus ganz Afrika (tatsächlich eher weniger aus Marokko) versuchen über den Stacheldrahtzaun zu kommen.
Nun steht Marokko trotz Armut und Arbeitslosigkeit im afrikanischen Schnitt noch relativ gut da. Trotzdem stammen viele fundamentalistische Attentäter der Anschläge in Madrid, Dscherba und Casablanca aus Marokko. Wir erleben Marokkaner als aufgeschlossen, freundlich und tolerant. Wie kommt das? Nach einigen Gesprächen hier denke ich, dass es an der Perspektivlosigkeit liegt. Ein junger Marokkaner muss sich mit Blick auf Europa fühlen wie der Esel, dem die Karotte vor der Nase baumelt, die er nicht erreichen kann, egal, wie er sich abschuftet. Er ist gut ausgebildet, aber es gibt keine Verwendung für sein Wissen und seinen Ergeiz im eigenen Land. Hier und da gibt es was zu tun, was zu reparieren, für ein Essen und den Friseurbesuch reicht es dann. Das Leben ist vorgezeichnet, die Party steigt nebenan, im reichen Europa – ohne ihn.
11/03: Short Cut

Noch ein Wort zum Wetter für alle armen Schneegeplagten zu Hause: wir braten bei 25 bis 28 Grad mit viel Sonne. Bodo geniesst´s reichlich, vorzugsweise mitten im Nirgendwo

Unser Tiger macht sich gut. Er schläft und frisst abwechselnd. Das Foto rechts entstand an dem einen Tag, an dem er mal aus dem Shelter rauswollte. Wir sind zu dritt hier vollends zufrieden. Nur manchmal, ja, da denken wir, so langsam weiterreisen, das wär doch was...
Glückwunsch an Dagi und Jane für den süßen Nachwuchs. Wenn ihr nur sehen könntet, wie die düster vermummten Berbernomaden hinter mir über dem Bildschirm hängen und sich über die Babybilder freuen!
Ja, und wer noch etwas im Archiv stöbern möchte:
Bis zur nächsten Woche!
10/03: Oasenidylle
Den ganzen Tag stürmt es, dass unser Shelter nur so wackelt. Kurz fahren wir vor die Tore der Stadt, schon bläst uns der Sand um die Ohren, in jede Ritze, noch Stunden später finden wir Sand an den unglaublichsten Stellen. Schnell zurück in die Oase, in die Stille der Palmenhaine. Nachvollziehbar, dass sich müde Wanderer aus der Wüste hier im Paradies wähnten: Gemüse- und Weizenfelder im Schatten wogender Palmen, versteckte, glucksende Wasserbecken, Frauen mit weißen, bauschenden Gewändern, flügelschlagende Taubenschwärme, alles, als gäbe es kein Draußen. Mit fällt das Hohelied Salomons ein und wundere mich wieder einmal, dass die Bibel hier spielt und nicht im Schnee (Jaja, Libanon, ich weiß :)).
10/03: Oasenidylle im Sandsturm

09/03: Chez la famille
Bei allen Besuchen wird sofort der Fernseher angemacht. Meistens läuft eine berühmte arabische Telenovela, ich bin Sat1-geübt, auch mit wenig arabisch verstehe ich alle dramatischen Dialoge: „verlass mich nicht“, „ich liebe Deinen Bruder“, „ich gehe jetzt“. Im echten Leben wird viel geredet, gelacht und angefasst. Die Armut ist teils groß, unglaublich für deutsche Augen und dabei sind wir noch in einem Wohnviertel unterwegs und nicht in den Zelten der wirklich Armen. Zum Abschied werde ich geküsst und gedrückt und ich weiß, egal, wie lange ich noch in Marokko bleibe und was ich auch noch sehen werde, diese Tage hier, das bleibt ein gutes Stück Marokko in meinem Herzen.
09/03: Zu Besuch in Buarfa

07/03: L`autre allemand
Und das ist Klaus’ Geschichte: nach einem gelebten Berufs- und Familienleben beschließt er, seinen nächsten Lebensabschnitt nicht im deutschen Klima zu verbringen und geht auf die Suche nach einem geeigneten Platz. Bis dahin nicht ungewöhnlich, das wissen wir genau, da wir die deutschen Rentnerenklaven an der spanischen Mittelmeerküste durchpflügt haben. Klaus aber stößt auf Figuig im östlichsten Marokko, „den Platz, an dem ich meine Jugend wieder gefunden habe“. Er kauft ein Haus, fährt Herd, Kühlschrank, Badewanne, Waschmaschine und andere marokkanische Mangelware hinunter, meldet sich bei den Behörden, richtete sich ein. Er lernt Miluda kennen und heiratete sie. Konvertiert. Kümmert sich um die neue Verwandtschaft, die Nachbarschaft, den Kindergarten. Jetzt hängt die Gebetskette an der alten Wanduhr, einem Familienerbstück aus Deutschland. Eine Gemse steht auf der Vitrine, nicht weit davon eine Tafel mit den 99 Namen des Propheten.
Heute sind wir zum Couscous eingeladen, gemeinsam mit Nachbarn in einer großen Runde (für deutsche Verhältnisse). Der Couscous ist selbst gemacht, eine Höllenarbeit. Die Frauen in der Küche schwatzen und lachen, der Couscous wird mit Butter durchmischt und in eine schöne Tonschale gegeben. Fleisch und Gemüse wurden extra gegart und wird jetzt schön in der Mitte drapiert. Von allen Zutaten bleibt ein wenig zurück, Hassans Frau möchte lieber in der Küche essen. Bei Tisch bekommt jeder einen Löffel und isst ein Loch in den Couscousberg. Darein kommt noch mal extra Soße. Alle essen tapfer, es schmeckt wunderbar, aber wir schaffen gerade mal die Hälfte. Als Nachtisch gibt es Obst, Kaffee und Tee, serviert in wunderschönem Glas auf Silbertablett.
07/03: Ein schöner Abend bei Klaus
06/03: Ismael, le Patron
Es wird ein sehr lustiger Abend. Mit dem Mercedes holt uns Ismael ab. Außer uns sind noch eine Nachbarin und drei Franzosen da, die mit ihrem Wohnmobil direkt vor Ismaels Zweithaus stehen. Hier gibt es drei Zimmer, die aber leer stehen, denn er wohnt lieber im Altstadthaus mit den neun Zimmern und dem besseren Klima. Die beiden sind wohl das illustreste Paar in Figuig: beide etwas füllig, lustig und laut, er schwarz und wohlhabend, sie weiß und mit eigenem Kopf. Acht Jahre trafen sie sich heimlich, indem Samina als Mann verkleidet auf ihrem kleinen Moped in entlegene Winkel fuhr, Ismael hinter sich auf dem Rücksitz. Die Hochzeit war eine Riesenparty. Beide reisen gerne nach Europa, und es muss ein Anblick für die Götter gewesen sein, wie sie das Casino in Luxemburg aufmischen, beide im Hofstaat und Ismael sogar mit Zylinder.
Wir sollen doch im leeren Haus wohnen und mit ihnen essen, jeden Tag, oder uns zumindest vors Haus stellen und die Terrasse nutzen oder duschen oder alles. Wir sind wieder mal von der marokkanischen Gastfreundschaft überrannt.
06/03: Zu Gast bei Ismael

Wunderschöne Eisenarbeiten und alles per Hand gebogen.

Links in der Werkstatt: Hammel-Bratstelle, nicht für die Appartment-Küche geeignet.
Rechts lecker Trrt: Ölbrot, so dünn wie pergament, darauf eine Art Gulasch, aber mit Rosinen. Dazu Safranreis und harte Eier. Wahnsinnig lecker. Nicht fehlen dürfen Cola und laufender Fernseher (nicht mehr auf dem Bild).
04/03: Eine Woche in Figuig
In Figuig gibt es 13.000 Einwohner und 160.000 Dattelpalmen, verteilt auf sieben Ksars (unabhängige Stadtteile). Wir stehen vor der Polizei und wähnen uns im kleinen Paradies. Freundliche Menschen, zuvorkommende Händler, keine Bettelei, viel Sonne und Ruhe. Die Kinder sagen erst schüchtern „Bonjour“, dann spricht sich Rififis Anwesenheit herum und sie kommen auf ihrem täglichen Schulweg regelmäßig vorbei, um nach der Katze zu fragen. Ab und zu parken andere Campingfahrzeuge neben uns, die abends kommen und morgens wieder fahren, wie sinnlos.
Auf den ersten Blick wirkt Figuig freundlich, aber auch abweisend: grelle Sonne, bröckelnde Straßen, teils tief verschleierte Frauen, Männern in dunklen Kapuzenmänteln. Mit jedem Tag verändert die Stadt für uns ihr Gesicht. Da laufen Freundinnen lachend durch die Straße, eine verschleiert, eine farbig, eine frech. Zwei Männer diskutieren ernsthaft, während sich einer über den Vollbart streicht und der andere kurzgeschoren und sonnenbebrillt sein Mountainbike schiebt. Nach einer Woche haben wir Figuig ins Herz geschlossen. Unser Lieblingscafe liegt auf einer kleinen Verkehrsinsel, es gibt kaum Autos, aber viele Fahrräder. Wir trinken dort unsere Milchkaffees und fragen den Besitzer nach dem Stand seiner Zahnschmerzen („oh, langsam besser“). Neben dem Cafe stehen die örtlichen Taxis: je nach beabsichtigter Ladung kann man einen Mann mit Ziehwagen oder einen Zweiachser mit träumendem Muli davor mieten. Wir winken dem Restaurantbesitzer, vier Plätze hat sein Etablissement, das Poulet Roti ist recht lecker. Vorgestern ist sein Vordach aus Eisenstangen umgefallen, „arabische Qualitätsarbeit“ lacht er schulterzuckend. Alte Bedford-LKWs fahren vorbei, liebevoll bemalt und behängt mit Ketten und Puscheln. Mein Lieblings-LKW ist rot, vorne steht „Mitsu“ und hinten „Bishi“.
Die Tage ähneln sich. Mit dem Bauchladenbesitzer vor der Teleboutique übe ich mein Arabisch, mit dem Besitzer des Ciber mein Spanisch, oder ich gehe den Gärtner des Stadtgartens besuchen. Die Anlage ist wunderschön, aber leider geschlossen, weil der Stadtrat der Dorfjugend nicht ganz traut. Spätestens im Mai wird aber geöffnet, die ganze Stadt wird geputzt, denn der Rotari-Club hat seinen Besuch und eventuelle Investitionen angekündigt. Maurice, der Gärtner, ist untröstlich, seine schönen Rosen haben jetzt ohne Publikum geblüht und sind verwelkt.
Dienstag ist Markttag. Frisches Gemüse wird von den erfahrenen Hausfrauen nur hier eingekauft. Angeblich soll man, wenn man früh um 6.00 Uhr da ist, frischen marokkanischen Trüffel für 120 Dirham (11 Euro) das Kilo bekommen. Der wird dann geschält, gedünstet und am Stück gegessen. So früh schaffe ich es nicht, ich streife im Abendlicht umher, die verschleierten Frauen möchten aber nicht fotografiert werden und ich bin nicht skrupellos genug für heimliche Fotos. Ich liebäugele kurz mit einem Weltempfänger der Weltmarke Hony (der Schriftzug kommt mir irgendwie bekannt vor), kaufe dann aber nur Oliven und Tücher. Ich muss laut lachen, als mir eine Dame, die vor mir ein Tuch erstand, ohne mit der Wimper zu zucken den dreifach erhöhten Preis des Händlers ins Französische übersetzt. Wahrscheinlich sollte ich jetzt die Hände zum Himmel recken, von Ruin reden und meine leeren Taschen umdrehen. Ich liebe das schachernd verschmitzte und sogleich so poetische Arabische, bleibe aber nun mal deutsch, hebe belehrend den Zeigefinger und wir treffen uns preislich in der Mitte.
04/03: Figuig im Winter

Leben in Figuig: warten, warten, warten

Links: zur Bewässerungssystem der Palmen werden Gräben geöffnet und verschlossen. Rechts: Ziegelherstellung auf traditionelle Art. Da darf es nur nicht zu früh regnen.
03/03: Out of Africa

Afrika, endlich!
03/03: Fertig in Figuig
Das Szenario wäre perfekt, wenn nicht, ja wenn nicht wieder was am LKW wäre. Mittlerweile sind nämlich die Dichtringe fast aller Gelenkwellen undicht und es suppt raus. Wir brauchen Ersatzteile, die besorgt glücklicherweise Markus in Sigmaringen und schickt sie über den ADAC nach Figuig. Dann brauchen wir wieder eine Werkstatt. Aber wie lange das alles dauert? Wir werden sehen und hören so lange dem Imam zu: Allah ist mächtig, inshallah...
02/03: Relaxen in Figuigs Sonne

Links die Checker der Straße. Was man rechts nicht sieht: Frauen gehen eigentlich nicht in Cafès, das ist Männersache. Bei Touristinnen wird ein Auge zugedrückt. Hoffe ich wenigstens.
01/03: Oujda: volle Punktzahl
Unsere erste Anlaufstelle ist Oujda, eine wunderbar unspektakuläre mittelgroße Stadt voller Alltagsleben. Über die Straßen laufen Frauen in Outfits, die, wie Bodo bemerkt, auch in Kuba als chic durchgehen würden. Enge Leggings, Sonnenbrille mit Glitzersteinchen, Lieblingsfarbe aller Schneckchen auch hier: rosa. Wir wandern durch die engen Gassen des Souk, hier wird viel gekauft und wenig gehandelt, wir bleiben unbehelligt. Kamelköpfe baumeln beim Metzger vor der Auslage, Berge von Frauenschuhen warten auf Abnehmerinnen, Studierte mit einem Tisch und Schreibmaschine tippen offizielles für ein paar Dinare. Es ist eng, bunt, toll. Ein Bäcker holt warme, nach Fenchel duftende Kringel aus einem heißen Ofen. Ein Schneider sticht per Hand die Ornamente auf einen Hochzeitsburnus. In einem Snackladen lassen wir uns eine Art Kebab aus Salat, Eiern, Oliven und Mayonnaise zusammenstellen und es schmeckt super. Man kann auch Hackfleisch und Ziegenhirne hinein haben, aber das lassen wir. Zum Nachtisch gibt es eine Art türkischer Honig mit gebrannten Mandeln. Satt und gut gelaunt fahren wir nach Bouârfa und übernachten dort wieder unbehelligt und sicher.

Während in Spanien die Viecher noch laufen müssen, gibt es hier extra Schafbusse. Rechts die Arbeit am Ofen: heiß, schmutzig, lecker