28/02: Auf nach Afrika
Aber wir haben ja auch Zeit. Die Fähre ist ein riesiger qualmender Schrottkahn, die gerade mal 100 Passagiere verlaufen sich auf acht Decks. Wir sind die einzigen Deutschen, die einzigen Touristen überhaupt. Die Fahrt vergeht schnell, der marokkanische Zoll ist zuvorkommend und fix. Die Beamten schauen freundlich professionell in Schränke und Sitztruhen. Beim Anblick des Abschiedsgeschenks von Synthax entgleisen ihre Gesichtszüge kurz, ratlos schauen sie auf den Viermaster in der Flasche, lassen den Touristen aber kommentarlos und undeklariert ihre Eigenarten.
Kurze Schwierigkeiten mit der in Marokko ungültigen Autoversicherung werden vom freundlichen Herrn Zech von der Winthertur-Versicherung in Deutschland unbürokratisch gelöst. Wir fahren vom Hafengelände und sind sofort drin im Gewühl von durchweg alten Fiats, Renaults, Lastwagen, Fußgängern, Eselskarren, orientalischem Straßenleben.
27/02: Info Fähre Almeria - Nador
![]() | Fährtickets gibt es von Almeria nach Melilla (eine spanische Exklave) oder wahlweise das direkt daneben liegende marokkanische Nador. Im voraus buchen ist nicht notwendig. Agenturen direkt am Hafen verkaufen Tickets für 240 bis 250 EUR oneway (zwei Personen, Pullmann-Sitze, ein Auto über 1,80 m Höhe). |
| Die Fähren gehen täglich, die ganze Woche hindurch, morgens und abends, teilweise mehrere Fähren am Tag. Die Überfahrt dauert ca. 7 Stunden. Zum Vergleich: Freunde fuhren mit einem ähnlichen Auto von Algeciras nach Ceuta (ebenfalls eine spanische Exklave) in zwei Stunden für unschlagbare 199 EUR Nebensaison-Angebot hin- und zurück. Wir wollten jedoch erstmal den marokkanischen Osten runter, um uns den Touri-Händler-Wahnsinn nicht direkt anzutun. | |
26/02: Zwei unterm Auto

Klein und Groß unter Riesig: Bodo und Rififi machen den LKW fit für Afrika
25/02: Ticket nach Marokko
Die Bremsen, vor einem Monat in El Ejido repariert, spielten immer noch verrueckt, also zurueck in die Werkstatt. Dort wurde die Bremsfluessigkeit, die oelig und klebrig war (obwohl sie beim Wechsel der Zylinder komplett ausgetauscht wurde) ersetzt. Leider zieht der MAT immer noch nach rechts, die Mechaniker waren ratlos. Wir sind jetzt international Aktenkundig bei Daimler und koennen auf Garantie in alle Werkstaetten, sollte sich das Problem nicht geben.
Wir sind nur dabei, taeglich den neuen Widrigkeiten ins Gesicht zu sehen und Loesungen zu suchen. Zudem geraten ob all des Frusts und der Enge auch schon mal aneinander. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Urlaub und Reisen. Manchmal ist es einfach frustierend und wir ueberlegen, ob das alles so sein muss. Tja. Heute haben wir ein Faehrticket fuer Montag morgen nach Nador / Marokko erstanden und treten damit die Flucht nach vorne an. Wuenscht uns Glueck!
23/02: Auftritt Rififi

Rififi in seiner Rolle: Sein oder Nichtsein. Daneben: ein Kollege auf dem Campingplatz, man sah die Insassen leider nie persönlich, die lebten wohl von Luft und Liebe.

Wind, Sonne, Stille, Langeweile. Unterbrochen nur von den olympischen Spielen.
23/02: Katze an Bord
Wir sind erholungsreif und bleiben drei Tage frech direkt vor dem Campingplatz stehen. Im zugehoerigen Restaurant gibt es jeden Tag Olympia live und wir machen, zum ersten Mal eigentlich, einfach gar nix. Surfen, Fernsehen (irre laut gestellte spanische Seifenopern), einkaufen, essen, schlafen, schlafen, schlafen. Und manchmal auch ein paar Schritte gehen, wobei ich vor allem, ich gestehe es, nach der suessen roten Katze suche. Wir hatten in den letzten Wochen oefter Besuch von Katzen, aber diese war irgendwie besonders. Donnerstag abend fahren wir auf den Platz, um einiges an Abwasser loszuwerden. Wieder keine Katze, Mist. Freitag spaet abends hoert Bodo ein Plaerren unter uns und da sitzt sie, auf der Achse, und moechte Futter und Waerme.
Sie sieht boese zugerichtet aus, ein Ohr blutig, der Schwanz geknickt, die Hinterbeine nicht in Ordnung und abgemagert. Wir paeppeln sie bis Sonntag auf und dann, was sollen wir tun, wir nehmen sie mit. Dienstags gehts zum Tierarzt, dort bekommt sie einen internationalen Impfpass (groesser als meiner) und einen Chip. Sie ist ein er, ein pflegeleichter Zeitgenosse, bettelt nicht, pennt viel, LKW fahren gefaellt ihm nicht so gut, tja, da muss er jetzt durch. Und wir sehen uns durch einen Supersupermercado rennen und Katzenklo, Schaelchen und Futter kaufen. Bodos Navigationsecke mutiert zum Katzentempel, meine Sitzbank muss ich auch teilen, aber irgendwie macht uns das nicht viel aus. Rififi wird unser Lieblingsfotoobjekt, wir unterhalten uns tagelang ueber Fuetterung und Klogewohnheiten der Katze, bis wir selber merken, wie bescheuert wir uns anstellen. Langsam normalisiert sich alles. Jetzt haben wir also eine Bordkatze namens Rififi!
17/02: Impressionen aus Andalusien


17/02: Spanien: Corrida de torros

Gibts mir Baby - kann aber auch schnell schief gehen...
Stiere sind schon lange ein Thema in Andalusien, bereits die Iberer verehrten dieses Tier. Auch der Stierkampf wurde im 17. Und 18. Jahrhundert ausgeübt, war allerdings den Adligen vorenthalten und wurde nur vom Pferderücken aus geführt. Das änderte sich mit Francisco Romero aus Ronda, der der Sage nach einen unglücklich gestürzten Grafen rettete, indem er mit seinem Zimmermannshut den Stier erfolgreich ablenkte. Damit führte er den Stierkampf zu Fuß ein und blieb selbst lange genug am Leben, um eine ganze Dynastie von Stierkämpfern mit dem Namen Romero zu zeugen.
Sein Sohn Juan Romero erfand den die Picadores und Banderilllos sowie den Einsatz der Quadrilla, der Mannschaft um den Matador. Das bescherte ihm 102 ausgefüllte Lebensjahre. Dessen Sohn Petro Romero wiederum, der mit angeblich 15 Jahre seinen ersten Stier besiegte und noch als 72jähriger aktiv in der Arena stand, soll den kunstvollen Akt des Opfertodes über 6000mal ausgeführt haben. Aus heutiger Sicht würde ihn das vor allem zum Star und Millionär machen. Er blieb zwar arm, konnte aber treue Fans, sogenannte Aficiandos, für sich geltend machen. So soll ihn Goya öfter als den König portraitiert haben, in dessen bezahlten Diensten er immerhin stand. Auf Petro Romero geht auch das Regelwerk der „Schule von Ronda“ zurück, das auf Theatralik und festgelegte Schritte besteht und den letzten Akt des Kampfes nicht a volapié (in dem der Stier auf den Torero zukommt), sondern recibiendo „empfangend“ beschreibt: das ist gefährtlicher, sieht aber auch theatralischer aus. Petro Romero war sein Leben lang der Meingung, dass „ die Angst mehr Verwundungen als die Stiere zufügt“ und starb friedlich 1839 ohne ernsthafte Verletzungen.

Noch alles am Platz?
Landesweit gab und gibt es weitere Matador-Dynastien, so die sevillanischen Ordónez, deren tapferer Kämpfer Antonio eng mit bekannten ausländischen Aficionados (Stierkampfliebhabern) befreundet war. Antonio inspirierte Ernest Hemingway u.a. zu „Tod am Nachmittag“ und beeindruckte Orson Welles so schwer, dass dessen Asche 1978 in einem Brunnen auf Odrónez´ Finca versenkt wurde.

Heute ist Stierkampf viel Show und es geht um jede Menge Geld. Einer der „Superstars“, der Torero Jesulín de Ubrique, sagte in einem berühmten Interview: „Ich habe mehr Eier als irgendwer, ich bin Stierkämpfer ausschließlich wegen des Geldes. Die Puristen (das sind seine Kritiker) passen alle in einen Autobus (so wenig sind es)“. In Internetforen geht es heiß her, ein Gegner schreibt: „Jesulin de Ubrique ist für mich eine traurige Berühmtheit, ein payaso, ein actoricillo, ein codicisos, ein mandadero, ein charlatan...“ Im Oktober 1994 gab Jesulín in Aranjuez bei Madrid eine legendäre Vorstellung nur für Frauen. Über 9000 kamen aus jeder Ecke Spaniens, aus Dänemark, Schweden, Frankreich und England und schlugen sich um die Eintrittskarten.
Jesulin und Pedro Romero - zwei unterschiedliche Auffassungen von Öffentlichkeitsarbeit
Der Stierkampf wird seit langem von Tierschützern international kritisiert. Zwar betonen seine Befürworter, dass der Stier ein großes Areal freie Natur mit viel Ruhe zur Entwicklung hat, kein Vergleich zur Fleischzucht von Kotelettkühen. Und das stimmt auch, denn wenn der Stier in den 5 Jahren Freiheit und bis zum Erreichen seines Kampfgewichts von 500 bis 700 Kilo Menschen kennen würde, hätte der Torero keine Chance. So hält der Stier am Anfang eines Kampfes das Tuch für seinen Gegner und erkennt erst durchschnittlich nach 20 Minuten seinen Irrtum. Länger darf aus diesen Gründen ein Kampf auch nicht dauern.
Eine Corrida ist trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gefährlich für den Torrero. Der Stier wird einige Tage vorher im Dunkeln gehalten und erhält nichts zu essen. Er wird mit Stäben gereizt, seine Hörner oft mit Nerven abgesäbelt, man munkelt auch von Rippenbrüchen und Gewichten auf dem Nacken (der soll stark aussehen wegen des großen Effektes beim Hochreißen des Kopfes im Tuch). Bevor der Torero kämpft, wird der Stier in der Arena mit Stäben malträtiert und geschwächt. Tötet der Stier den Torero, hat auch er nicht mehr lange zu leben. Wird er vom Torero getötet, ist es ein qualvoller Tod. Am Ende des Kampfes erhält der Torero je nach Qualität der Darbietung ein Ohr, zwei Ohren oder gar den Schwanz. Diese Körperteile werden direkt abgeschnitten, unabhängig davon, ob der Stier noch ein bisschen lebt. Nur wenn der Stier den Torero ermüdet, ohne selbst dabei draufzugehen, darf er wieder auf die Farm und zukünftig viele Kühe beglücken.
Die Corrida ist Teil der andalusischen Lebensweise, aber sie wird auch touristisch ausschweifend vermarktet. Sie ist ein Ritual, als Kampf aber ungleich und grausam. Sie ist ein großes Geschäft für die Manager der Toreros, die Stierzüchter, die Veranstalter, die gesamte Stadt oder Region und wird daher von den Politikern gerne verteidigt. Mir ist der Stierkampf zu viel männliches Protzgehabe, dabei aber nicht mal fair. Vielleicht kommt ja noch die Zeit, da sich die Spanier auf ihre Modernität besinnen.

Links die Ikone Osborne Stier: wiegt vier Tonnen, ist vierzehn Meter hoch, bedeckt eine Fläche von hundertfünfzig Quadratmetern und besteht aus siebzig Metallplatten, die wie ein Puzzle zusammengesetzt und verschraubt werden.
Rechts eines vieler Gemälde von Goya, chaotisch, blutig, wers mag.
15/02: Spanien: Al Andalus

„Den alten Griechen zufolge befand sich in Andalusien der Garten der Hesperiden, und angefangen bei den arabischen Chronisten bis hin zu den letzten romantischen Reisenden von heute hat sich der Eindruck, in einem Garten Eden gewesen zu sein, nie verflüchtigt“ schreibt Muñoz Molina, ein bekannter andalusischer Dichter. Und schön ist es tatsächlich, und romantisch, und abwechslungsreich.
Geschichtlich gesehen hat Andalusien viele Völkter erlebt: die Iberer, Phönizier, Karthager, Iberer, Römer, Hunnen, Alanen, Vandalen, Westgoten und schließlich arabische Volksstämme, die über 700 Jahre herrschten. Diese waren der Meinung, den Landstrich von den Vandalen übernommen zu haben und gaben ihm daher den Namen Al-(V)Andalus. Erst ab 1230 waren die spanischen Könige durch die Heirat von Isabella von Kastilien mit Ferdinand von Aragon mächtig genug, mit der Eroberung des Guadalquivir-Becken anzufangen. Am längsten hielt sich Granada in arabischer Hand, erst 1492 (im gleichen Jahr startete Kolumbus) zog sich der damalige Mauren-Herrscher Boadbil in die wilden Bergregionen der Albujarras zurück. Noch heute überquert man auf dem Weg von Granada an die Küste den Puerto del Suspiro del Moro, den „Pass des Maurenseufzers“. Hier soll Boabdils Mutter, die ihn erst einige Jahre zuvor durch intrigantes Ränkeschmieden auf den Thron gebracht hatte, be der Flucht ihren Sohn geschimpft haben: „beweine nicht wie ein Weib, was Du nicht als Mann verteidigt hast“.
In den darauf folgenden Jahrzehnten begann die „Reconquista“, die spanische Zurückeroberung – was geschichtlich gesehen nicht ganz korrekt ist, denn niemand zuvor hat Spanien so lange beherrscht wie die Mauren und das spanische Königsgeschlecht schon gar nicht. Den vertriebenen Mauren half das wenig, sie wurden erst geduldet, dann vertrieben oder gerieten in die spanische Inquisition. Auch die jüdische Bevölkerung, die – wie viele Christen übrigens auch – in den Jahrhunderten vorher friedlich auf guter kaufmännischer Basis mit den Mauren zusammenlebten, mussten fliehen. In den Bergen südlich der Sierra Nevada konnten sich die Vertriebenen lange halten (wie später auch die Rebellen gegen Franco, siehe Bericht über die Alpurarras), mussten aber schließlich Ende des 16. Jahrhunderts klein begeben. Zimperlich gingen die Christen hier nicht vor, so lies Fernández de Córdoba um 1500 die Moschee von Lanjarón mitsamt Insassen in die Luft sprengen, wurden Juden zur Glaubensänderung gezwungen und kurze Zeit später der Scheingläubigkeit angeklagt und hingerichtet.
Die neuen Herren Andalusiens waren allerdings nicht so konsequent, auf die ausgeklügelten Bewässerungssysteme für Felder und Städte, eine fortgeschrittene Keramik, Bronze- und Goldkunst oder die Haute Cuisine der ehemaligen Herrscher zu verzichten. So ist noch heute ein Teil Andalusiens maurisch geprägt, sieht man begrünte Innenhöfe hinter hohen verschlossenen Mauern, weiße Dörfer, die in ihrer Bauweise an nordafrikanisch Berberdörfer erinnern und islamische Keramikkunst in jedem Ort. Berühmte Bauwerke sind die Alhambra in Granada (das meistbesuchte Bauwerk der Welt!), die Mezquita Córdobas oder die Giralda in Sevilla. All das werde ich hoffentlich noch sehen und davon berichten.
Flamenco, Stierkampf, Ehre und Machismo, Maultiere, Pueblos Blancos und südländische Gelassenheit, was zu erledigende Aufgaben betrifft: was man klischeemäßig mit Spanien verbindet, ist eigentlich ein typisch andalusisches Völker- und Kulturgemisch.
Die sommerliche Hitze zwingt hier zur Ruhe und zum späteren Tagesablauf, gerne behalten die Andalusier ihre Nachtaktivitäten und die lange Siesta auch in Wintermonaten bei. Mit dem Essen funktioniert das zum Beispiel so: Cafe (wundervoller, echter, leckerer Kaffee!) und belegtes Brötchen (Tostado) morgens nicht vor 10 Uhr, dazu auch mal ein Sherry. Siesta. Mittagessen (Almuerzo) so gegen 14 bis 18 Uhr in einer Bar mit kleinen Köstlichkeiten (Tapas). Abendessen im Winter ab 21 Uhr, im Sommer auch mal gegen 23 Uhr, in der Familie oder mit Freunden, möglichst im Freien.
Der andalusische „Dialekt“ spiegelt ebenfalls die südspanische Gelassenheit wieder, ist aber auch berühmt für spontane Metapfernschöpfung im Alltagsgespräch, einfallsreichen Wortwitz, schlagfertige Antworten und den lebendigen Umgang mit Redewendungen. Das „s“ ist einfach zu anstrengend und wird meist weggelassen. Die Andalusier reden schnell und gerne laut, in manchen Kneipen dachten wir schon, wir wären in eine alte Familienblutfehde geraten, dabei ging es wohl nur ums Wetter. Die erste kastilische Grammatik und damit erste nachlateinische Sprache mit festgeschriebenen Regeln wurde tatsächlich in Andalusien entwickelt. Viele kastilische Vokabeln sind arabisch, vom aceite (Öl) über die Medina (Altstadt) bis zum Zarzuela (eine Suppe und ein Tanz, je nach Umgebung). Man sagt, wenn man den andalusischen Dialekt versteht, versteht man alle spanischen Dialekte, da sich hier der umfangreichste Wortschatz mit der höchsten Sprechgeschwindigkeit verbindet.
Während der Francozeit war diese kulturelle Identität zugunsten faschistischer Gleichmacherei verpönt und auch verboten – mit Ausnahme der von Franco wegen willkommener Deviseneinnahmen geförderten Touristenbunkerstädte an der andalusischen Mittelmeerküste. Aber auch dort sollte die Kunst ja nicht zu individuell, hinterfragend, vom Klischee abweichend sein, schnell waren die Falangisten mit Erschießungskommandos zur Stelle, wie Garcia Lorca am eigenen Leib erfahren durfte.
So blieb Andalusien arm und weit ab vom aufstrebenden Zentrum Europas. Noch in den 50ern sollen Dorfjungen in den Bergdörfern vor Fremden scheiend weggelaufen sein. In den 60ern leerten sich dann ebendiese Dörfer, weil die Jugend nur an der Küste Arbeit fand. Heute werden die Bergregionen von Touristen und Residentials (so werden die genannt, die sich ein Apartment oder Häuschen kaufen und länger bleiben) wieder entdeckt. Die Küste ist allerdings auch so verbaut, dass wir uns schon fragen, wer in diesen Betonsärgen ernsthaft wohnen möchte. Bergdörfer wie Frigiliana oder Cómpeta in der Nähe von Malaga sind durch Grundstücksverkauf und Touristenbetreuung wohlhabend geworden, behielten aber größtenteils ihren Charme und ihren gewachsenen dörflichen Zusammenhalt. Die Atlantikküste werden wir uns noch genauer anschauen und ich freue mich schon auf die ewigen Sandstände und ruhigen Ecken!
07/02: Päckchen dringend gesucht
Als wir Freitags am Campingplatz ankommen, erklärt uns die blöde Tusnelda an der Rezeption, dass sie zwei Pakete nicht angenommen hat, davon das letzte gestern morgen. Ja, sie erinnert sich jetzt, wir hatten da was abgemacht, aber Pech. Wir sind stocksauer. Es fehlt eine DHL-Lieferung eines Globetrotter-Ausstatters und ein Brief von Heike mit wichtigen Unterlagen und einem kleinen Geburtstagsgeschenk, was mich am meisten ärgert. Samstag, Montag und Dienstag forschen wir auf der Post in Motril, bei der Postverteilung in Motril und auf der Post in Carchuna, aber da ist nichts. DHL hat eine Servicenummer, die aus dem Ausland nicht angerufen werden kann, Papa hilft schnell, und endlich findet sich das Paket irgendwo in Frankreich, von wo es wieder nach Spanien geschickt wird.
Gleichzeitig zeigt unsere neue Digicam einen zu großen Hunger nach Akkus, schon nach einer Nacht sind neue Batterien leergesaugt. Montags fahren wir nach Granada, zum nächsten Mediamarkt und tauschen sie um. So gern würde ich Granada sehen und schon wieder ist keine Zeit, diesmal wegen der dummen Postgeschichte.
07/02: Impressionen aus Carchuna
Hier lässt es sich ganz gut auf Post warten.
05/02: Durch die wilden Alpujarras
Die vertriebenen Mauren konnten sich hier noch bis ins 16. Jahrhundert der Reconquista wehren, Banditengruppen plünderten in den folgenden Jahrhunderten die Reichen und gaben den Armen. Sie wurden abgelöst durch die Rebellen in der Francozeit, denen der Diktator in den verwinkelten und unzugänglichen Schluchten nur schwer habhaft werden konnte.
Heute sind die Alujarras eine Anlaufstelle für zivilisationsmüde Aussteiger, aber auch schon ein "Geheimtipp" im Bustouristik-Geschäft. Die Dörfer putzen sich heraus, die Häuser im Berberstil (flache Dächer, im Erdgeschoss oft ein Viehstall) blinken frisch gekalkt, schwätzende Altdamen und –herrenrunden (immer schön getrennt) bevölkern die Plätze.
Wir sehen Lanjarón, in Spanien bekannt für sein Heilwasser, Trevéle, die höchstgelegene Ortschaft Spaniens - die Anwohner haben in einem Dorf 300 Meter Höhendifferenz zu überwinden, wenn sie auf einen Schwatz zum anderen Dorfende möchten. Trevélez ist außerdem berühmt für seinen Serranoschinken, ganze Straßenzüge sind nur dem Schinken gewidmet.
Lustigerweise befindet sich ausgerechnet in der Nähe dieser Fleischansammlung das große buddhistische Zentrums O-Sel-Ling „Ort des klaren Lichts“. 1987 verkündete man dort, ein kleiner Junge aus dem nahen Ort Bubion sei die Rinkarnation eines wenige Jahre zuvor verstorbenen tibetischen Priesters. Der junge Osel befindet sich inzwischen in Tibet zur Vorbereitung auf seine Mission als möglicherweise zukünftiger Dalai Lama.
Wir übernachten einmal in den Bergen, es ist ruhig und sternenklar. Einige Mandelbäume sind nicht abgeerntet, das übernehmen wir und essen frische Mandeln zum Abendessen.
05/02: Wo die Banditen wohnen
01/02: Haus in den Bergen
Wir sind schon früh auf den Beinen, weil wir mal wieder im Weg rum stehen, diesmal auf einem Marktplatz, der gestern abend noch ausssah wie ein normaler Anwohnerparkplatz. Ein Polizist fordert uns freundlich auf zu verschwinden und das machen wir auch. Der Weg in die Berge ist schmal und gewunden, aber unser MAT hält sich prima. Hannelore und Thomas holen uns am Ortsanfang ab, denn ihr Häuschen liegt abseits in den Bergen. Und ach, was ist das toll hier. Eine Aussicht vom Meer bis in schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada, umrandet von Wein (Rebsorte Muscatel), fruchtvollen Oliven- und blühenden Mandelbäumen. Hannelore hat viel Liebe und Arbeit in den Garten gesteckt und man sieht es. Das Haus ist nicht zu groß, nicht zu klein, wunderschön eingerichtet und voller hübscher Details. Und dann werden wir auch noch von Hannelore bekocht. Schade, dass wir schon übermorgen wieder fahren müssen, aber wir warten noch auf Post im Campingplatz Don Cactus. Da Bodo für einige Tage nach Deutschland fliegen muss, lasse ich mich nicht lange überreden, das nächste Wochenende wieder hier zu verbringen...
01/02: Bei Hannelore und Thomas

Fahrt zur Finca: im Cockpit leuchten zwei rote Lampen für Allrad und Diffsperre, alles am Start!
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Keep Smiling! Bei der Aussicht und der hübschen Finca keine Kunst.

